Zähl Pixel
Kommunalwahl 2026

TKneipengespräch in Deinste: Wie tickt eigentlich Tim Siol?

Beim TAGEBLATT-Kneipengespräch im Gasthof Zur Eiche in Deinste: Grit Klempow testet Tim Siols Wissen über den Ort, wo er Samtgemeindebürgermeister werden will: Fredenbeck.

Beim TAGEBLATT-Kneipengespräch im Gasthof Zur Eiche in Deinste: Grit Klempow testet Tim Siols Wissen über den Ort, wo er Samtgemeindebürgermeister werden will: Fredenbeck. Foto: Helfferich

Tim Siol will dort, wo er lebt, Samtgemeindebürgermeister werden. Der Fredenbecker spricht über diese Zwickmühle und seine Sportaffinität - aber nicht über seinen Herzensverein.

author
Von Thies Meyer
04.09.2026, 06:00 Uhr

Deinste. Welche Weltmeister aus Fredenbeck auf den Namen Claus hören, wollte TAGEBLATT-Reporterin Grit Klempow von Tim Siol (54) wissen. Beim Kneipengespräch im Gasthof Zur Eiche in Deinste beantwortete Fredenbecks parteiloser und einziger Samtgemeindebürgermeisterkandidat nicht nur politische Fragen. Siol stellte sich auch den Wissensfragen rund um Fredenbeck von Quizmasterin Klempow. „Die Voltigierer werden es ja sein“, spekulierte Siol.

Damit war er auf der richtigen Spur. Gewusst? Auf den Namen Claus hören zwei Pferde, die mit Voltigierern vom Reitverein Fredenbeck WM-Gold geholt haben - erst vor zwei Wochen Kathrin Meyer mit Capitain Claus OLD. Claus heißt das andere Weltmeisterpferd.

Verwalten, gestalten oder beides? Das sagt Tim Siol

Im Kneipengespräch wurde eines aus Siols Antworten immer wieder deutlich: Es geht ihm um die Sache und darum, „das Beste für die Samtgemeinde rauszuholen“. „Man darf sich einen Samtgemeindebürgermeister nicht vorstellen wie einen Donald Trump, der gerne alles alleine macht. Es geht nur im Team.“ Werde er gewählt, wolle er Vermittler zwischen Bürgern, der Politik und Verwaltung sein.

Aktuell ist Siol noch Verwaltungsvize der Samtgemeinde Lühe. Verwaltung und die „trockene Materie“ liebe er. Auf einem Bierdeckel sorgt sich jemand um die fehlende Gestaltungsmacht von Samtgemeinden wegen Vorschriften von oben - „ein Verwaltungsfachmann wird nur noch verwaltet“ steht drauf. Man habe genug Gestaltungsspielraum, entgegnet Diplom-Verwaltungswirt Siol. Er will verwalten und gestalten, denn er wisse: Jede Handlung von ihm wirke sich auch auf ihn als Bürger Fredenbecks aus.

Siol sollte in einem Satz sagen, warum er Samtgemeindebürgermeister werden will. Er meisterte die Aufgabe: „Ich habe jetzt die Chance, meine beruflichen und meine privaten Erfahrungen für meine Heimatgemeinde einzusetzen.“ Da musste Klempow noch mal nachhaken.

Zwickmühle: Siol kann Beruf und Privatleben trennen

Wie würde es für Siol sein, wenn er da arbeitet, wo er lebt? Klempow und Siol kommen auf das Kneipengespräch mit Mike Eckhoff in Drochtersen zu sprechen. Wie Eckhoff würde auch Siol zum Beispiel beim Bäcker ein offenes Ohr für die Belange von Menschen haben, auch wenn er in dieser Situation der Bürger Tim Siol und nicht der Samtgemeindebürgermeister Tim Siol wäre. Aber nur bis zu einem gewissen Punkt.

Die Kneipengäste erfahren über Tim Siol: Er sei ein empathischer Mensch, der sich gut in andere hineinversetzen könne. Diese Fähigkeit sei für seinen Job „nicht verkehrt“, um Probleme zu lösen.

Die Kneipengäste erfahren über Tim Siol: Er sei ein empathischer Mensch, der sich gut in andere hineinversetzen könne. Diese Fähigkeit sei für seinen Job „nicht verkehrt“, um Probleme zu lösen. Foto: T. Meyer

Vernünftiges Fragen verdiene „eine vernünftige Antwort“. Aber werde er „schräg von der Seite angemacht“, werde er abblocken. Sobald der Vater eines 20-jährigen Sohnes „zu Hause“ ist, im Wohnhaus in Fredenbeck bei seiner Frau, trenne er Berufliches und Privates.

Siol diskutiert über interkommunale Zusammenarbeit, Einheitsgemeinde und AfD

Der Kandidat glaubt, in Zukunft müsste auch Fredenbeck mehr mit anderen Kommunen zusammenarbeiten. Beispielhaft ist der in Fredenbeck geplante Gesundheitscampus in Zusammenarbeit mit der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten.

Manche Gäste stört der Verkehr und die Fahrweise in Fredenbeck, unter anderem auf der K1 (Hauptstraße). Doch die Zuständigkeit liegt beim Landkreis. Am Ende ist sich das Clubzimmer einig: Das aggressivere Verhalten im Straßenverkehr von Autofahrern sei ein allgemeines Problem und liege an den einzelnen Verkehrsteilnehmern.

Manche Gäste stört der Verkehr und die Fahrweise in Fredenbeck, unter anderem auf der K1 (Hauptstraße). Doch die Zuständigkeit liegt beim Landkreis. Am Ende ist sich das Clubzimmer einig: Das aggressivere Verhalten im Straßenverkehr von Autofahrern sei ein allgemeines Problem und liege an den einzelnen Verkehrsteilnehmern. Foto: Helfferich

Zum Thema Einheitsgemeinde sagte der Wahl-Fredenbecker: „Generell halte ich das System Samtgemeinde für überholt.“ Eine Einheitsgemeinde spart laut Siol Ressourcen ein und helfe gegen den Fachkräftemangel sowie bei der Entbürokratisierung.

Sollten am 13. September AfD-Kandidaten in die Räte der Samtgemeinde gewählt werden, müsse Siol als Samtgemeindebürgermeister seiner Neutralitätspflicht treu bleiben. In Lühe erlebte Siol fünf Jahre mit der AfD, und das habe „die andere Parteien noch enger zusammengeschweißt“.

Wahlsieg oder Bundesliga-Rückkehr des VfL Fredenbeck?

Im Fragensprint drehte sich vieles um Sport. Tennis und Fußball interessieren ihn. Mit welchem Fußballverein er es hält, verriet Siol nicht - „mit Fußballvereinen kann man auch Wahlen verlieren“, sagte er und lachte. Dafür verriet der Sportbegeisterte: Mit Fußballprofi Jamal Musiala würde er gerne mal einen Kaffee trinken gehen.

Samtgemeindebürgermeister werden oder der VfL Fredenbeck steigt in die Handball-Bundesliga auf? Siol sagte nur: „Erste Liga ist finanziell unrealistisch, es wäre ein Traum. Dritte Liga ist aber auch gut.“ Die Antwort ist selbsterklärend. Der VfL war der erste Berührungspunkt des 54-Jährigen mit Fredenbeck, den ersten Bundesligaaufstieg 1988 erlebte er mit. Mit einem Handballtorwart würde er gerne mal für einen Tag den Beruf tauschen.

Am meisten im Leben lernte Tim Siol von seiner Mutter und ihrem „Gerechtigkeitsgefühl“. Viel bringt Siol, der sich als „ruhig“ bezeichnet, nicht in Rage. Aber wie Tanja von der Bey, die in Apensen kandidiert, regt ihn Ungerechtigkeit auf.

Beim Interview von Grit Klempow und Tim Siol gab es viel zu lachen. Wenn eine Gönnerin Fredenbeck zehn Millionen Euro geben würde, würde der Kandidat es für den Grundschulneubau Mulsum-Kutenholz verwenden, um weniger Kredite für den Bau aufnehmen zu müssen.

Beim Interview von Grit Klempow und Tim Siol gab es viel zu lachen. Wenn eine Gönnerin Fredenbeck zehn Millionen Euro geben würde, würde der Kandidat es für den Grundschulneubau Mulsum-Kutenholz verwenden, um weniger Kredite für den Bau aufnehmen zu müssen. Foto: Helfferich

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel