TKrähen-Plage in Buxtehude: Ein harter Job für Wüstenbussard „Ash“
Falknerin Rieke Wiecker steht mit Wüstenbussard "Ash" vor Bäumen, in denen Saatkrähen entlang der Sagekuhle in Buxtehude nisten. Foto: Sulzyc
Dreck und Getöse von Saatkrähen nerven seit Jahren Bewohner in Buxtehude. Eine Falknerin ist dabei, die Krähen zu vergrämen. Klappt das? Ein Besuch.
Buxtehude. Seit mehreren Jahren bereiten hunderte Saatkrähen den Bewohnern im Buxtehuder Norden Ärger. Der Lärm und der Dreck der Vögel sind seitdem für Menschen in dem Wohngebiet entlang der Sagekuhle eine Belastung.
„Ich kann bei offenem Fenster nicht schlafen“, sagt Anwohner Bodo Haller. Um 3.30 Uhr am Morgen beginnen die Krähen mit ihrem Getöse. Kinder könnten auf Spielplätzen nicht mehr spielen - weil sie in Vogelkot greifen.
Eine Saatkrähe vor Wohnungen entlang der Sagekuhle und Altländer Straße in Buxtehude. Der Vogel ist schwarz von Kopf bis Fuß, 44 bis 46 Zentimeter groß. Foto: Holler
Die Krähen fühlen sich in dem überwiegend von größeren Mehrfamilienhäusern geprägten Stadtviertel besonders wohl. Viele Bäume bieten Nistmöglichkeiten. Zwischen den hohen Gebäuden gibt es keine natürlichen Fressfeinde. Allenfalls manchmal ein Waschbär. Der geschickte Kletterer plündert auch Nester.
Schätzungen zufolge ist die Saatkrähenkolonie 250 Brutpaare groß. Um die Plage in den Griff zu bekommen, setzt die Stadt Buxtehude seit März auf tierschutzfreundliche Vergrämung und hat die Falknerei Skyfall aus Marxen (Landkreis Harburg) beauftragt.

Nester von Saatkrähen in Bäumen vor einer Wohnanlage an der Sagekuhle. Rund 250 Brutpaare umfasst die Population in der Nachbarschaft. Foto: Sulzyc
Zwei Wüstenbussarde mit den Namen „Ash“ und „Phoenix“ fliegen seitdem entlang der Sagekuhle. Ihr Auftrag: Mit ihrer Präsenz unter den Krähen für Aufruhr zu sorgen. Das regelmäßige Überfliegen signalisiert den Krähen eine andauernde Gefahr.
Diesen Auftrag haben die Wüstenbussarde
Auf diese Weise hofft die Stadt, die Krähenpopulation in weniger besiedelte Bereiche zu verlagern. Eine vollständige Vertreibung ist nicht das Ziel. Die Wüstenbussarde haben einen strategisch begrenzten Auftrag: Sie sollen die Krähen dazu bewegen, sich von der Kindertagesstätte Rotkäppchenweg und zwei Spielplätzen in der Umgebung zurückzuziehen.
An den Anblick eines majestätisch am Himmel gleitenden Wüstenbussards auf Vergrämungsflug haben sich Kinder und Erzieherinnen mittlerweile gewöhnt. Mit fast 1,20 Meter Spannweite bietet der Greifvogel ein imposantes Bild. Die Krähen haben 80 bis mehr als 90 Zentimeter Spannweite.
Immer in der Nähe am Boden ist Falknerin Rieke Wiecker. Stets zu erkennen ist sie an der türkisfarbenen Jacke. Die Wüstenbussarde hören auf ihre Kommandos. Das TAGEBLATT ist dabei, als sie „Ash“ an der Kita Rotkäppchenweg fliegen lässt. Aus den Augen lässt die Falknerin den Wüstenbussard nie.
Krähen wehren sich mit Scheinangriffen
Denn die Saatkrähen sind nicht wehrlos. Als einige von ihnen „Ash“ entdecken, versammeln sie sich zum Schwarm. „Hassen“ heißt dieses Verhalten: Die Krähen umkreisen den Bussard, fliegen Scheinangriffe und versuchen ihn durch lautes Krächzen zu vertreiben.
Mit dem Gehabe der Krähen wird der Bussard fertig. Zusätzlich aber lauern auf ihn unbekannte Gefahren - von Menschen gemachte. „Wir arbeiten hier unter erschwerten Bedingungen“, sagt Rieke Wiecker.
Hier wird es für den Bussard gefährlich
Die Gefahr ahnt die Falknerin, als der Bussard zu Boden gleitet. Hinter Bäumen und Büschen ist er aus dem Blick. Der Greifvogel könnte leichte Beute entdeckt haben, vermutet sie. Einen Happen, den der Vogel besser nicht zu sich nimmt.
Rieke Wiecker sprintet in das Gebüsch - und kehrt mit einer toten Ratte in der Hand zurück. „Hier ist vermutlich Gift ausgelegt“, erklärt sie. Fräße der Wüstenbussard das möglicherweise vergiftete Nagetier, könnte auch er daran sterben. Rieke Wiecker entsorgt den Nager in einem öffentlichen Abfalleimer.
„Fliegen ist anstrengend. Jagen ist super anstrengend“, sagt die Falknerin. Auf der Jagd fliegen Wüstenbussarde etwa 10 bis 30 Minuten am Stück. Bei Ausdauerflügen können sie mehr als zwei Stunden in der Luft bleiben. Auf der Fahrt im Auto von der Falknerei nach Buxtehude und zurück sitzt der Wüstenbussard in einer komplett verdunkelten Transportbox.

Falknerin Rieke Wiecker mit "Ash". Der Wüstenbussard sei ein sehr integriertes Mitglied der Familie, sagt sie. Foto: Sulzyc
An manchen Arbeitstagen ist „Ash“ unterschiedlich motiviert. Wirkt der Wüstenbussard müde, bricht die Falknerin den Flug ab. Ihre eigene Rolle beschreibt Wiecker als Motivatorin. Eine Tasche mit Futter trägt sie bei sich: Wachtel, Reh, Hase und Kaninchen - Leckerbissen in schnabelgerechten Portionen. Der Vogel müsse immer optimal motiviert sein, sagt sie. Seit drei Jahren kennt Rieke Wiecker den Wüstenbussard „Ash“. Er sei ein sehr integriertes Familienmitglied, sagt sie.
Ziehen sich die Krähen zurück?
„Es dauert so lange zu vergrämen, wie sich die Kolonie gebildet hat“, nennt die Falknerin eine Faustregel. Nach einem Jahr werden die Saatkrähen also nicht verschwunden sein. Die Vergrämung in diesem Jahr dauert wie im vergangenen Jahr bis Juli an.

Die Stadt Buxtehude verbietet zwar das Füttern von Vögeln entlang der Sagekuhle und in der Nachbarschaft. Viele Anwohner missachten aber das Verbot. Foto: Sulzyc
Die Plage bleibe, so lange Menschen die Saatkrähen füttern. Und genau das sei entlang der Sagekühle, Andersenstraße und Gebrüder-Grimm-Weg das Problem - trotz eines Verbots der Stadt.
Leute würden rohes Fleisch verfüttern. Oder Reste aus Kochtöpfen auskippen, hat Rieke Wiecker beobachtet. Reis mit Erbsen zum Beispiel. „Wir können arbeiten, so viel wir wollen, wenn die Leute nicht mitmachen.“
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