TKreislauf im Keller: D/A-Stürmer erst treffsicher, dann schmerzverzerrt
Jannes Wulff (links) und Jorik Wulff (rechts) feiern den Doppeltorschützen Christopher Schepp. Phönix protestiert, weil der Schiedsrichter im Weg stand. Foto: Jörg Struwe
Richtig feiern kann Torjäger Christopher Schepp den 2:1-Sieg der SV D/A gegen Phönix Lübeck nicht. Zu groß sind die Schmerzen. So hat der Stürmer das Spiel entschieden.
Drochtersen. D/A-Neuzugang Christopher Schepp hat dem Auftakt in die Fußball-Regionalligasaison seinen Stempel aufgedrückt. Gegen den 1. FC Phönix Lübeck wechselte ihn Trainer Oliver Ioannou am Freitagabend vor 1200 Zuschauern in der Halbzeitpause ein. Der 26-Jährige schoss zwei Traumtore und verließ den Rasen des Kehdinger Stadions am Ende doch mit schmerzverzerrtem Gesicht.
T Schepp-Festspiele in Drochtersen: Neuzugang schießt Traumtore für D/A
Es läuft die 86. Minute. Die SV Drochtersen/Assel führt gegen den Mitfavoriten auf die Meisterschaft mit 2:1. D/A hat das Spiel gedreht. Phönix Lübeck war in der 41. Minute durch Beke Markvoort in Führung gegangen. Christopher Schepp führt im Mittelfeld einen harten Zweikampf.
Neue Regel: Schepp will sich nicht behandeln lassen
Nach einem Foul fällt der Mittelstürmer auf die Schulter. Er stützt sich auf dem Rasen ab. Sein Gegenspieler tritt ihm auf die Hand. Schepp will aufstehen. Er will sich zunächst nicht behandeln lassen. Denn die neue Regel besagt, dass er nach einer Behandlungspause eine Minute warten müsste, bis er wieder zurück aufs Spielfeld darf. In der Schlussphase so lange in Unterzahl gegen eine Mannschaft zu spielen, die alles nach vorne wirft, wäre Gift. Aber Schepp hat Schmerzen.
Ihm wird schwindelig. Sein Kreislauf ist im Keller. Schepp bekommt Traubenzucker und später eine Schmerztablette. In seiner Hand sind Schnitte. Die medizinische Abteilung legt einen Druckverband an. Schepp verschwindet in der Kabine und verpasst, wie D/A-Präsident Rigo Gooßen ihn nach dem Abpfiff vor der noch gut gefüllten Haupttribüne zum Spieler des Spiels kürt. Die Fans applaudieren. Erst nach 20 Minuten geht es Schepp wieder besser.
Mittelstürmer will gegen Oldenburg dabei sein
Am Samstag erzählt Christopher Schepp von seinem Debüt. Von seinen Toren, von der Mentalität der Mannschaft und von seiner Verletzung. Er denkt positiv, wartet den Sonntag ab und will am Montag noch mal alles durchchecken lassen. Auch die Schulter. Bei der Hand geht er von einer starken Prellung aus. Schepp will am nächsten Spieltag auswärts beim Titelkandidaten VfB Oldenburg dabei sein.
T D/A das zweite Elversberg? Parallelen zum Bundesligaaufsteiger
Oldenburg hatte am Freitagabend fast zeitgleich bereits seine Muskeln spielen lassen. Der VfB gewann bei der zweiten Vertretung von Werder Bremen mit 3:0.
T D/A-Kapitän muss „Füße stillhalten“: Mittwoch kommt er unters Messer
Christopher Schepps Einstand läuft nach Maß. Schon im Pokalspiel gegen Atlas Delmenhorst hatte er den Elfmeter herausgeholt, der D/A in die Verlängerung rettete. Schepp gilt als Unterschiedsspieler. Als einer, der Spiele entscheiden kann. In 117 Drittliga- und Regionalligaspielen erzielte der 26-Jährige bislang 43 Tore. „Aber die Hauptsache ist, dass wir die drei Punkte gewonnen haben“, sagt Schepp.
So schießt Schepp seine beiden Traumtore
Der gute Start sei wichtig für die Mannschaft. Diese beiden knappen Spiele könnten einen Push für die Saison geben. „Wir haben Moral bewiesen“, sagt Schepp. So etwas gehe nur in Teamarbeit. Aber seine individuelle Klasse hallt nach.

Das 1:1 - Christopher Schepp umkurvt Torhüter Tim Kips und schießt aus spitzem Winkel. Foto: Jörg Struwe
Bei seinem ersten Tor, dem 1:1-Ausgleich für D/A in der 57. Minute, umkurvt Schepp Phönix-Keeper Tim Kips auf der rechten Seite. Der Winkel zum leeren Tor ist spitz. Schepp muss den Ball ganz präzise treffen. „Manchmal gehört auch Glück dazu“, sagt Schepp. Und sein „Stürmerinstinkt“. Schepp schießt intuitiv.
Lange vor seinem zweiten Tor in der 67. Minute hatte Schepp beobachtet, dass Tim Kips häufig ziemlich weit vor seinem Tor steht. Fußballer nennen das Vororientierung. Als Schepp die Chance für den Abschluss im Mittelfeld bekommt, zieht er ab. Handlungsschnell. Aus gut 45 Metern. Schiedsrichter Dominik Kopmann hilft unbewusst, weil er einem Lübecker den Laufweg zum Ball versperrt.
Das sagen die anderen über Schepps Qualität
Schepp kann noch ein drittes Tor schießen. Aber Kips hält gut. D/A schaukelt den knappen Sieg über die Zeit. Ausgeknockt nach dem Foul kann Schepp kurz nach dem Abpfiff nicht reden. Das übernehmen andere für ihn.

D/A schaukelt den knappen Sieg gegen Phönix Lübeck über die Zeit. Foto: Jörg Struwe
„Wenn man einen Mann wie Scheppi hat, der aus so wenig so viel macht, können wir uns glücklich schätzen“, sagt D/A-Trainer Oliver Ioannou. Vereinspräsident Rigo Gooßen meint, die Tore müsse man erst mal so machen. „Das haben wir selten im Kehdinger Stadion so gesehen“, sagt Gooßen. Und Kapitän Nico von der Reith: „Die Qualität, die die Jungs vorne haben, ist schon einmalig. Das zweite Tor machen höchstens zehn Prozent der Spieler genau so.“
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