TKritiker sehen das Holzkraftwerk-Projekt in Stade als Mogelpackung
Direkt neben den Anlagen der AOS mit dem roten Bauxit soll das Holzkraftwerk der Hansekraft entstehen. Foto: Hansekraft
In Stade soll das größte Altholzkraftwerk Deutschlands gebaut werden. Doch Kritiker sagen, es werde vor allem das schädlichste. Auch die Holzwerkstoffindustrie hat Einwände.
Stade. Wie berichtet, hat die Hansekraft Stade GmbH den Genehmigungsantrag für den Bau des Altholzkraftwerks in Stade eingereicht. Ab 2031 soll der Regelbetrieb starten. Jedes Jahr will Hansekraft 500.000 Tonnen Altholz verheizen, um Dampf für die Industrie, Wärme und Strom zu erzeugen.
Holzwerkstoffindustrie protestiert
Dabei soll Altholz der Klassen A1 (naturbelassen) bis A4 (mit Holzschutzmitteln behandelt) aus dem europäischen Ausland, aber auch aus Deutschland verbrannt werden. „Aber Altholz der Klasse A1 ist das Filet Mignon unserer Branche“, sagt Anemon Strohmeyer, die sich als Geschäftsführerin des Verbands der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie zu Wort meldet. Altholz, auch solches der Klasse A2, könne problemlos in der Span- und Faserplatten-Produktion weiterverwendet werden und sei eine in ganz Europa gefragte Ressource.
„Bei uns wird so etwas zerkleinert, gewaschen, aufbereitet - und dann werden daraus neue Möbelstücke oder ganze Häuser“, sagt die Verbands-Geschäftsführerin. Sie verstehe, dass es nötig sei, für die Industrie alternative Energiequellen aufzutun. Bei Holz, das nicht stofflich verwertet werden kann, sei das sinnvoll - nicht aber bei Holz der Klassen A1 und A2: „Es ist nun einmal nicht genug Altholz für alle da. Und wir wollen doch Kreislaufwirtschaft fördern und weniger Abfälle produzieren.“
Paschedag spricht von „Mogelpackung“
Wie berichtet, hatte die Umweltorganisation Robin Wood der Hansekraft aus diesen Gründen „Greenwashing“ vorgeworfen, also die Pflege eines umweltfreundlichen Images ohne substanzielle Taten.
Ähnliche Vorwürfe erhebt nun auch Udo Paschedag, ehemaliger Verwaltungsrichter und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Umweltplanung Niederelbe (AUN), und spricht von „Nebelkerze“ und „Mogelpackung“. Ihm geht es dabei auch um die geplante CO₂-Abscheidungsanlage.
Bürgerinitiative: Klage gegen Altholzkraftwerk Bützfleth absehbar
Beim zuständigen Gewerbeaufsichtsamt in Lüneburg hat Paschedag dazu eine Auskunft eingeholt. Seinen darauf basierenden Berechnungen nach können mit der eingeplanten Abscheidungsanlage nur etwa 10.000 Tonnen CO₂ im Jahr abgeschieden werden. Angesichts der geplanten 500.000 Tonnen Holz, die verbrannt werden sollen, sei das eine sehr kleine Menge, denn das Umweltbundesamt rechne bei der Verbrennung von Holz im Durchschnitt mit einem Ausstoß von 1,7 Tonnen CO₂ pro Tonne Holz.
Die Bürgerinitiative (BI) Bützfleth haut in die gleiche Kerbe. Sie befürchtet „fatale ökologische Folgen“. „Auf überregionaler Ebene ist industrielle Holzverbrennung für Wärmeproduktion ein Schritt zurück in die Steinzeit und absolut klimaschädlich“, teil BI-Sprecher Jan Witt mit. Holz setze bezogen auf den Brennwert sogar mehr CO₂ frei als Steinkohle und Gas.
Wie berichtet, hat die Hansekraft allerdings angegeben, im Hinblick auf die CO₂-Abscheidung nachgebessert zu haben. Da die Gesetzeslage sich geändert hat, wurde die Anlage so konzipiert, dass eine CO₂-Abscheidung in größerem Maßstab später einmal angeschlossen werden könnte. Von Stade aus könnte CO₂ dann direkt in Richtung Nordsee verschifft werden, zur Einlagerung unter dem Meer.
Bützflether schon jetzt überstrapaziert
Die BI Bützfleth fürchtet auch mögliche Emissionen. „Die Lebensqualität der Bützflether wird bereits jetzt überstrapaziert und rechtlich mit Füßen getreten“, schreibt die BI. Beim Lärm würden Grenzwerte seit Jahren deutlich überschritten. Die Mindestabstände von Störfallbetrieben - ein solcher wäre auch das Holzkraftwerk - zur Wohnbebauung würden erheblich unterschritten. Eine Bauleitplanung, die der Gemengelage von Industrie und nahem Wohngebiet Rechnung trägt, fordert die BI seit Jahren.
Luftschadstoffe seien jetzt schon ein Problem. Durch Staub - beispielsweise roten Bauxitstaub der AOS - komme es regelmäßig zu starker Belastung: „Es darf kein weiteres Kraftwerk dieser Dimension in Betrieb gehen - das Maß ist schon lange mehr als voll.“ Die BI werde die fachlichen Kriterien für eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz mit eigenen Energieexperten parallel zum Gewerbeaufsichtsamt prüfen.
BI Bützfleth will Stader Rat in die Pflicht nehmen
„Die Politik im Stader Rat darf sich nicht wegducken und sollte endlich ihre Hausaufgaben für die Grundlagen jeder Planung und jeder weiteren Ansiedlung im Industriegebiet machen und einen vernünftigen Bebauungsplan für das Industriegebiet aufstellen“, sagt Dr. Jan Witt. Die Stadt nehme ihre Verantwortung zum Schutz der Bützflether schon lange nicht mehr wahr.
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