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Hortschließungen

TKritischer Blick auf den Ganztag: Spart Stade an falscher Stelle?

Ana Lena Winter hat für ihre Facharbeit Eltern, Kinder und Hortmitarbeiter der Grundschule Campe befragt.

Ana Lena Winter hat für ihre Facharbeit Eltern, Kinder und Hortmitarbeiter der Grundschule Campe befragt. Foto: Stehr

Die Stadt Stade sollte im Ganztag nicht an Fachkräften sparen, findet Ana Lena Winter. Sie bricht eine Lanze für den Erzieherberuf und gibt Kindern eine Stimme.

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Von Lena Stehr
Mittwoch, 18.02.2026, 14:15 Uhr

Stade. Ana Lena Winter aus Hollern-Twielenfleth möchte den Erzieherberuf sichtbar machen und Kinder zu Wort kommen lassen. In ihrer Facharbeit wirft die angehende Erzieherin deswegen auch einen kritischen Blick auf die Ganztagsbetreuung in Stade und die damit verbundenen Hortschließungen im Sommer dieses Jahres - für viele Eltern ein hochemotionales Thema.

Hortschließung: Bei einigen Eltern flossen Tränen

Seit anderthalb Jahren macht Ana Lena Winter an der Grundschule Campe ein Praktikum - parallel dazu besucht sie die Berufsschule in Bremervörde. Zwei Tage in der Woche kümmert sich die 26-Jährige gemeinsam mit fünf weiteren Fachkräften um insgesamt 40 Hortkinder, die auf zwei Gruppen aufgeteilt sind. Sie war auch dabei, als bei einigen Eltern angesichts der bevorstehenden Hortschließung Tränen flossen.

Für ihre Facharbeit hat Ana Lena Winter die Antworten von 32 Camper Familien ausgewertet. Viele hätten die Sorge, dass die Kinder durch den Wegfall von Fachpersonal Nachteile haben. Außerdem fühlten sich die Eltern schlecht von der Stadt über die neue Ganztagsbetreuung und die Hortschließungen informiert.

Betroffen sind in ganz Stade 350 Hortkinder an allen zwölf Grundschulen, die im kommenden Schuljahr in die Ganztagsbetreuung wechseln. Dort kommen dann - aus finanziellen Gründen - keine ausgebildeten, erfahrenen Erzieherinnen und Erzieher mehr zum Einsatz. Stattdessen sollen die Kinder am Nachmittag vor allem von deutlich günstigeren pädagogischen Mitarbeitern und Ehrenamtlichen betreut werden.

Die Stadt sollte nicht an der falschen Stelle sparen

„Die können den Ganztag zwar bereichern, aber keine Fachkräfte ersetzen. Erzieher sind unverzichtbar und aus den multiprofessionellen Teams an den Schulen nicht wegzudenken“, sagt Ana Lena Winter. Weil pädagogische Fachkräfte speziell dafür ausgebildet seien, Kinder nicht nur zu betreuen, sondern sie emotional, individuell und ganz gezielt auf ihrem Entwicklungsweg zu begleiten und gleichzeitig zu fördern. „Kinder sind doch unsere Zukunft, und die Stadt Stade sollte hier nicht an der falschen Stelle Geld sparen“, sagt Ana Lena Winter.

„Kinder sind unsere Zukunft. Sie brauchen mehr als nur Betreuung“, sagt Ana Lena Winter, hier mit dem Kuscheltier Sternchen aus dem Hort der Camper Grundschule.

„Kinder sind unsere Zukunft. Sie brauchen mehr als nur Betreuung“, sagt Ana Lena Winter, hier mit dem Kuscheltier Sternchen aus dem Hort der Camper Grundschule. Foto: Stehr

Um möglichst viel Aufmerksamkeit zu bekommen, hat die angehende Erzieherin einen Kurzfilm gedreht. Vertreter der Hansestadt Stade sind in dieser Woche zu einer kleinen Premiere eingeladen. Im Anschluss soll der achtminütige Clip auf den sozialen Kanälen der Stadt veröffentlicht werden. Zu Wort kommen Hortmitarbeiter und Camper Grundschulkinder.

Deutlich wird dabei vor allem, dass der Wegfall der Horterzieher eine Lücke reißen wird. Außerdem erzählen Jungen und Mädchen, was sie sich in einer Nachmittagsbetreuung wünschen. Vor allem, dass die Erwachsenen Zeit für sie haben. Zeit zum Spielen und zum Trösten, wenn es ihnen mal nicht gut geht. Und dass es nicht immer neue Gesichter sind, die vor Ort sind.

Das könnte künftig insbesondere bei der Ferienbetreuung schwierig werden. Die wird wie berichtet ab den Herbstferien 2026 vom städtischen Team der Kinder- und Jugendarbeit organisiert. Voraussichtlich wird es nicht an allen Grundschulen eine Ferienbetreuung geben.

Kinder wollen gesehen und gehört werden

„Kinder wollen gesehen und gehört werden und brauchen Erwachsene, die ihnen eine Stimme geben“, sagt Ana Lena Winter. Sie will auf jeden Fall bis zum letzten Tag im Hort in Campe bleiben. Danach möchte sie Pädagogik studieren und parallel in einer Kita arbeiten. „Egal, wo ich danach lande - ich möchte mich für Kinder einsetzen“, sagt sie.

Die anderen Erzieher der drei städtischen Horte haben die Möglichkeit, in eine städtische Kita oder in die Jugendarbeit zu wechseln.

Hintergrund: Ab dem 1. August 2026 bietet die Stadt keine Hortplätze mehr an. Dafür gibt es an allen zwölf Stader Grundschulen ein - teilweise verpflichtendes - kostenloses Ganztagsangebot bis 15.30 Uhr. Die Planungen für eine kostenpflichtige Betreuung bis 17 Uhr laufen.

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