Zähl Pixel
Brücken gesperrt

TLandwirte sind sauer – plötzlich ausgebremst

In der Gemeinde Wurster Nordseeküste sind plötzlich vier Brücken über den Grauwall-Kanal gesperrt worden.

In der Gemeinde Wurster Nordseeküste sind plötzlich vier Brücken über den Grauwall-Kanal gesperrt worden. Foto: Iven

Dutzende Bauern im Kreis Cuxhaven sind auf Zinne: Betonklötze versperren ihre Wege über Brücken. Warum wurden sie nicht informiert?

Von Jan Iven 24.10.2026, 11:35 Uhr

Wurster Nordseeküste. Das Problem ist spätestens seit Februar 2025 bekannt. Damals musste die erste Feldweg-Brücke über den Grauwall-Kanal am Sievener Specken in der Gemeinde Wurster Nordseeküste wegen Baufälligkeit gesperrt werden. Schon damals war klar, dass auch drei weitere Brücken über den Kanal früher oder später saniert werden müssen. Doch passiert ist seitdem nichts.

Warum ist die Sperrung der Brücken besonders problematisch?

Wenig überraschend: Nun hat es auch die drei weiteren Brücken erwischt. In den vergangenen Tagen wurden sie mit dicken Beton-Steinen gesperrt, weil sie als nicht mehr verkehrssicher gelten. Und das ist für die Landwirte besonders problematisch. Denn gerade muss die Maisernte eingeholt werden, die aufgrund der guten Wetterverhältnisse in diesem Jahr bisher vielversprechend ausfällt. Nun müssen sie einiges an Umwegen in Kauf nehmen, um zu ihren Feldern zu gelangen.

Betroffen sind die Brücken an den Feldwegen Norderwischweg, Alter Helmer II und Eickerspecken. Und: Viele der Landwirte haben zwar ihre Felder in der Gemeinde Wurster Nordseeküste. Ihre Höfe liegen aber teilweise in Langen in der benachbarten Stadt Geestland.

Was die Landwirte besonders ärgert: Ihren Angaben zufolge wurden sie nicht rechtzeitig über die Sperrungen informiert. Genauer gesagt: überhaupt nicht. Ein Landwirt, der lieber anonym bleiben möchte, berichtete der „Nordsee-Zeitung“ („NZ“), dass er von den Sperrungen erst zufällig erfahren habe, als er die Mitarbeiter der Gemeinde zufällig beim Aufstellen der Absperrungen beobachtete und ansprach.

Was sagt die Gemeinde zu der Sperrung der Brücken?

Bei der Gemeinde Wurster Nordseeküste kann man die Aufregung nicht so richtig verstehen. Schließlich sei die Brückensperrung frühzeitig angekündigt worden. Und zwar in einem „NZ“-Artikel vom 21. Februar 2025 – also vor mehr als 19 (!) Monaten. Aktuell gab es zumindest keine direkte Mitteilung an die Landwirte mehr.

„Wir haben die Brücken so lange offen gehalten, wie es möglich war“, versicherte Bürgermeister Jörg-Andreas Sagemühl (CDU). Zumindest die erste gesperrte Brücke am Sievener Specken soll ab dem kommenden Jahr erneuert werden. „Wir schlagen für den Doppelhaushalt 2027/2028 Planung und Neubau der bereits bislang gesperrten Brücke Wremen 11 vor“, so der Bürgermeister.

Tatsächlich ist das Problem der Politik bereits seit mehr als zehn Jahren bekannt: „Im Rahmen der regelmäßig durchgeführten Brückenprüfungen wurde 2015 festgestellt, dass die vier Brücken über den Grauwallkanal in Wremen in einem sanierungsbedürftigen Zustand sind ... Stand- und Verkehrssicherheit sind mittelfristig nicht gegeben“, heißt es in einem Antrag, der bereits 2020 im Gemeinderat beschlossen wurde.

Und: „Der Rat der Gemeinde Wurster Nordseeküste beschließt den Abriss und den Neubau der Brücke Wremen 11 über den Grauwallkanal am Sieverner Specken sowie den ersatzlosen Abriss der Brücke Wremen 8 am Norderwischweg. Die Baukosten hierfür belaufen sich auf rd. 950.000,00 Euro.“

Trotz des Beschlusses ist seitdem nichts passiert. Denn die von der Kommune bereits bereitgestellten 1,5 Millionen Euro für alle vier Brücken reichen bei Weitem nicht aus. Und Fördermittel lassen weiter auf sich warten.

Für die Landwirte ist das völlig unverständlich. Aus ihren Reihen wurde auch vorgeschlagen, statt einer neuen Brücke ein günstigeres Rohrsystem zu verlegen, durch das das Wasser abfließen sollte.

Doch der Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände hat bereits abgewunken. Denn wenn der Grauwallkanal über das Wedderwarder Siel entwässert wird, muss das Wasser vor allem bei Starkregen ungehindert und möglichst schnell abfließen können. Enge Rohre würden das Wasser zu sehr stauen.

Wann und wie wurden die Brücken an den Feldwegen gebaut?

Die Brücken wurden in den 1960er-Jahren als dreifeldrige Konstruktionen mit einem Stahlbetonüberbau auf Stahlrammpfählen errichtet. Sie sind für Fahrzeuge bis zwölf Tonnen bei Tempo 10 vorgesehen. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass sie auch von schwereren landwirtschaftlichen Fahrzeugen überquert wurden.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel

T Abzocke? Der Trick mit den Trödel-Experten

Eine letzte große Reise - dafür würde eine 76-jährige Cuxhavenerin sogar ihr Meißener Porzellan verkaufen. Ein Flyer scheint die passende Gelegenheit zu bieten. Doch Angehörige sind misstrauisch.

Ein „Seehund“ für die Oste

Neues Schiff - bekannter Name: Das vorherige Schubboot von 1976 hat ausgedient. Was die MS „Seehund“ entlang der Oste leistet.