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Landespokal

T„Mission Finale“: D/A will in Oldenburg erneut Geschichte schreiben

Vor zehn Jahren feierte D/A einen 2:1-Sieg beim VfB Oldenburg, zog ins Pokalfinale ein und gewann dort gegen Egestorf.

Vor zehn Jahren feierte D/A einen 2:1-Sieg beim VfB Oldenburg, zog ins Pokalfinale ein und gewann dort gegen Egestorf. Foto: Berlin

Es war ein Spiel, das in die D/A-Geschichte einging: Der Pokalfight in Oldenburg vor zehn Jahren. Dem heutigen Trainer Oliver Ioannou gelang ein Coup, der nachhallt.

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Von Daniel Berlin
Mittwoch, 01.04.2026, 05:50 Uhr

Drochtersen. Es geschieht am 26. März 2016. Marschwegstadion in Oldenburg. Regionalligaaufsteiger SV Drochtersen/Assel schlägt vor mehr als 6000 Zuschauern den bis dato schier übermächtigen VfB mit 2:1 im Halbfinale des Landespokals.

Ein wegweisender Sieg in der Vereinshistorie: Unter Trainer Enrico Maaßen belegte D/A als Aufsteiger Platz vier in der Regionalliga. Das 2:1 gegen den VfB im Pokal war der erste von vielen Erfolgen.

Ein wegweisender Sieg in der Vereinshistorie: Unter Trainer Enrico Maaßen belegte D/A als Aufsteiger Platz vier in der Regionalliga. Das 2:1 gegen den VfB im Pokal war der erste von vielen Erfolgen. Foto: Berlin

D/A zieht ins Finale ein, schlägt auch noch Egestorf im Endspiel und darf dann die große Bühne DFB-Pokal erstmals betreten. Dieses Halbfinale in Oldenburg hat etwas gemacht mit D/A. Der damalige Torschütze zum 2:0 und heutige Trainer, Oliver Ioannou, ist sich da sicher.

„Es war ein prägendes Spiel für den Verein. Es war die Grundlage für alles, was danach kam“, sagt Ioannou heute. Zehn Jahre nach dem Triumph von Oldenburg steht die Neuauflage des Halbfinals an. D/A spielt am Samstag, 4. April, ab 18 Uhr erneut am Marschweg. Und will wieder auf die große Bühne.

Die Geburtsstunde der Mentalitätsbestien

„Seit diesem Spiel wussten wir, dass wir jeden schlagen können“, sagt Ioannou. Es sei alles möglich im Fußball. Der damalige D/A-Trainer Enrico Maaßen nannte seine Spieler einst „Mentalitätsbestien“. Der 26. März 2016 könnte die Geburtsstunde der Mentalitätsbestien gewesen sein.

Aus dem TAGEBLATT-Spielbericht vom Pokaltriumph 2016: In den ersten 25 Minuten begegneten die Gastgeber den Drochtersern mit einer Wucht in den Zweikämpfen, die den mehr als tausend mitgereisten Fans Angst und Bange werden ließ. Knochen krachten in den Luftduellen auf Knochen. Jeder Zweikampf sollte den Kehdingern Schmerzen bereiten. Als die Wogen abebbten, schlug D/A zu, traf zweimal und versetzte den großen Favoriten in eine Schockstarre, aus der er sich nicht mehr löste.

Ioannou mit Hüftschwung nach dem 2:0

Mittelfeldspieler Stefan Wolk erzielte das erste D/A-Tor. Oliver Ioannou das zweite. Der heute 36-Jährige markierte in 168 Spielen für D/A 13 Treffer. Das in Oldenburg war das wichtigste. „Das Tor ist bei Youtube immer mal wieder aufgeploppt. Auch das Tänzchen an der Eckfahne“, sagt Ioannou. Inklusive Hüftschwung. Ioannou erzählte gern davon.

Der Verein fuhr eine erfolgreiche Personalpolitik. In der Regel haben die Verantwortlichen Charakterköpfe verpflichtet, die auch Fußball spielen können. Keine Stinkstiefel. Keine Quertreiber. Selten Selbstdarsteller. Eher Teamplayer. Diese Philosophie der Kaderplanung bescherte schließlich Punkte. Und einen speziellen Ruf in der Liga. Bis heute spielt kein Gegner gern im Kehdinger Stadion, weil es „eklig“ werden könnte.

Zwei Oldenburger Stinkefinger für den Heimweg

Aus dem TAGEBLATT-Spielbericht vom Pokaltriumph 2016: Noch auf dem Spielfeld beginnt die Party, die erst spät im Vereinsheim in Drochtersen ihr Ende findet. Busfahrer Reinhard „Bontsche“ Ahrens schließt die Türen, dreht noch eine Ehrenrunde über den Parkplatz vor dem Stadion. ... Mannschaftskapitän Sören Behrmann trommelt von innen an die Scheiben, als der Bus an der Oldenburger Fankneipe vorbeifährt. Eine Frau und ein Mann verabschieden die Drochterser mit dem ausgestreckten Mittelfinger. ... Kurz vor Ende der Fahrt liegen sich Spieler, Trainer und Präsident selig in den Armen.

D/A-Präsident Rigo Gooßen weinte nach dem Halbfinalsieg in Oldenburg Freudentränen.

D/A-Präsident Rigo Gooßen weinte nach dem Halbfinalsieg in Oldenburg Freudentränen. Foto: Berlin

Zehn Jahre später gehört D/A in der Regionalliga Nord längst zum Inventar. In der laufenden Saison spielt die Mannschaft sogar um die Meisterschaft. Für den DFB-Pokal qualifizierte sich das Team 2016, 2018 und 2019. In den vergangenen Jahren wurde es eher ruhig in Sachen Pokalwettbewerb. Das soll sich wieder ändern.

„Das Finale ist das Ziel“, sagt Oliver Ioannou. Er möchte sich „auf jeden Fall“ für den DFB-Pokal qualifizieren. Das bringe erneut Aufmerksamkeit für den Verein. Und eine Bühne für den mit 36 Jahren noch jungen Trainer?

In der Liga schlägt D/A den VfB 4:3

Oliver Ioannou wehrt ab. Für sich persönlich benötige er keine Bühne. „Wenn sich ein Verein für mich interessiert, dann nicht wegen eines Spiels, sondern wegen einer konstanten Leistung der Mannschaft in vielen Spielen“, sagt der D/A-Trainer. Aber lieber redet Ioannou über „das Hier und Jetzt“.

„Es zählen nicht die Tore von früher“, sagt er. Am Montag nach dem letzten Punktspiel beim Bremer SV regenerierte die Mannschaft und genoss noch mal den Moment des späten 3:2-Sieges.

Am Mittwoch beginnt die Vorbereitung auf das Pokalspiel in Oldenburg. Vielleicht zeigt Ioannou seiner Mannschaft noch ein paar Sequenzen aus dem Ligaspiel gegen den VfB, bewegte Bilder vom 4:3-Auswärtssieg. Aber Ioannou wird vor dem Halbfinale „nichts Besonderes“ machen. Davon sei er kein Freund. Lieber arbeiten. Lieber liefern.

1000 Fans begleiteten D/A vor zehn Jahren ins Marschwegstadion nach Oldenburg und erlebten den Pokaltriumph gegen den vermeintlichen Übergegner hautnah mit.

1000 Fans begleiteten D/A vor zehn Jahren ins Marschwegstadion nach Oldenburg und erlebten den Pokaltriumph gegen den vermeintlichen Übergegner hautnah mit. Foto: Berlin

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