TMit Tinte und Feder: Kalligraphin veredelt Luxusprodukte
Mit ruhiger Hand führt die Künstlerin Zuzana Gajdosikova die Feder und gibt eine Probe ihres schreiberischen Könnens. Foto: Scheschonka
Zuzana Gajdosikova weiß mit Feder und Tinte so gut umzugehen, dass wunderschöne Schriftzüge entstehen. Luxusmarken greifen auf ihre Fertigkeit zurück.
Kührstedt. Geschwungene Bögen und extra Schleifen verzieren die Buchstaben. Jedes Wort ist einzigartig. Ob ein Initial, ein Satz oder ein Brief: Es ist handgeschrieben. Zuzana Gojdosikova sitzt am Schreibtisch und führt mit ruhiger Hand die in schwarze Tinte getauchte Feder über das Papier. Sie ist konzentriert auf die Schrift und absolut fokussiert. „Ich kann dabei entspannen“, sagt sie.
Die Faszination für das Schreiben beginnt früh. „Als ich in die Schule kam, wurde noch Schönschrift geübt. Zuerst mit dem Bleistift“, erzählt die Slowakin, die in der Nähe von Bratislava aufgewachsen ist.
Schon in der ersten Klasse wird auf die Sitzhaltung geachtet. Auf die richtige Haltung des Stifts in der Hand kommt es an. Als sie nach ein paar Monaten einen Füller erhält, ist sie so fasziniert, dass sie ihn bis heute nicht losgelassen hat. „Tinte begleitet mich, seit ich klein bin“, sagt sie.
Konzentriert schreibt Zuzana Gajdosikova in ihrem Atelier in Kührstedt mit Feder und Tinte auf feinem Papier. Foto: Scheschonka
Problemloser Wechsel nach Geestland
Zusammen mit ihrem Mann ist Zuzana Gajdosikova im Dezember 2025 von Nordrhein-Westfalen in den Landkreis Cuxhaven gezogen. Sie lebt in einem Haus mit Atelier in Kührstedt. Durch einen Auftrag während ihres Fotografie-Studiums hat sie Cuxhaven kennengelernt.
Durch Urlaube in Wremen und Otterndorf hat sich das Paar in die Weite der Landschaft verliebt. „Hier kann man mit Licht und Zeit spielen.“ Die Gezeiten, das Watt, aber auch das sich schnell verändernde Wetter in Marsch und Geest faszinieren die Künstlerin. „Es erinnert mich ein wenig an meine Heimat“, sagt sie mit Blick auf die Weiden.

Die Sammlung an Tintenfässern wird auch noch benutzt. Foto: Scheschonka
„Warum alles auf später verschieben?“, fragt sie sich. Der Entschluss reift schnell, mit ihrem Mann von Wuppertal an die Küste zu ziehen. Hauptberuflich arbeiten beide im sozialen Bereich.
Sie sind ins Risiko gegangen. Zum 31. Dezember haben sie ihre Jobs gekündigt, sind nach Geestland gezogen und hatten bereits am 1. Januar eine neue Anstellung in einer Kindertagesstätte in Bremerhaven.
Beruflicher Weg vom Kreuzfahrtschiff zur Jugendhilfe
Ihre künstlerische Ader hat die 45-Jährige früh entdeckt. Zuerst erst hatte es ihr Wollfilz angetan. „Meine Oma hat viel gestrickt und Tischdecken bestickt“, erzählt sie. Das Handarbeiten ist ein Ausgleich. Nach dem Abitur und einer kaufmännischen Ausbildung jobbt sie zunächst auf Flusskreuzfahrtschiffen in Holland. Ein Au-pair-Jahr in Deutschland folgt darauf. So entwickelt sich ihr Berufswunsch, im sozialen Bereich zu arbeiten.
Mit Kreativität gelingt es ihr, einen Zugang zu Kindern und Jugendlichen zu finden. „Was mit den Händen zu machen, ist gerade durch die viele Zeit am Handy so wichtig“, sagt sie. Etwas Schönes zu gestalten ist eine Ablenkung, aber auch ein Effekt zu spüren, was mit den Händen möglich ist. So gewinnen sie Freude, selbst zu schreiben.

Zuzana Gajdosikova ist eine vielseitige Künstlerin, die mit Federn, Farben, Pinsel und Blattgold meisterlich umgehen kann. Foto: Zuzana Gajdosikova
Künstlerisch vom Wollfilz über Fotografie zur Kalligraphie
Parallel zu ihrem Beruf hat Zuzana Gajdosikova ein Fotografie-Studium absolviert. „Nach zehn Jahren hatte ich mich mit Wollfilz ausgetobt“, erzählt sie. Die Fotografie sollte etwas sein, was sie nur für sich selbst macht. „Wenn ich durch die Linse schaue, sehe ich anders“, beschreibt sie ihren Fokus. Menschen auf Straßen, aber auch Landschaften und Stillleben hat sie abgelichtet. Auch Foodfotografie, also Essen ins Licht zu rücken, hat sie gelernt. Die Kenntnisse helfen ihr nun, ihre kalligraphischen Werke in Szene zu setzen.
Sie ist mittlerweile eine Meisterin ihres Fachs - auch wenn es einen offiziellen Titel in der Kalligraphie nicht gibt. Sie hat sich im Selbststudium den britischen Schriftstil Copperplate beigebracht. Während der Coronazeit bildet sie sich in Online-Workshops weiter und lernt Experten aus aller Welt kennen.
Dass sie ein besonderes Talent für Schönschrift hat, wird ihr bewusst, als sie hört, dass die selbst gestalteten Karten auch von Kindern in Ehre gehalten werden.
Luxusmarken buchen Zuzana Gajdosikova für Gravur-Events
Aus dem Umfeld wollten immer Menschen ihre besonderen Karten haben. „Ich wollte nicht nur für die Schublade arbeiten“, sagt sie und meldet 2021 ein Gewerbe an. Wie gut sie ist, zeigen ihre namhaften Auftraggeber.

Auch Flaschen werden mit Zeichnungen aufgewertet. Foto: Zuzana Gajdosikova
Luxusmarken aus der Kosmetik- und Modewelt wie Guerlain, Calvin Klein oder Lacoste buchen die Kalligraphin, um Parfumflakons, Karten oder Flaschen eine persönliche Note zu geben. Gerade die Gegensätze zwischen Kindergarten und Atelier machen ihre Arbeit so spannend. „Jede Welt eröffnet mir neue Perspektiven.“ Die Festanstellung in der Kita gibt ihr Sicherheit und gleichzeitig die Freiheit, nicht jeden Auftrag annehmen zu müssen.
Doch was bedeutet ihr selbst Luxus? „Die Schönheit der Natur erleben und genießen zu dürfen, die Freiheit zu haben, Kunst zu erschaffen, meiner Kreativität Raum zu geben und Menschen mit meiner Arbeit zu berühren - dies bedeutet für mich und meine Seele Luxus.“
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.