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Grausame Tat

TMordprozess vor Stader Landgericht: Polizisten schildern Einsatz in Gyhum

Vor dem Stader Landgericht sagten am vierten Verhandlungstag des Gyhum-Mordprozesses Polizisten aus, die vom Tatort und den Ermittlungen berichteten

Vor dem Stader Landgericht sagten am vierten Verhandlungstag des Gyhum-Mordprozesses Polizisten aus, die vom Tatort und den Ermittlungen berichteten. Foto: Hilken

Ein 34-jähriger Mann aus Gyhum soll seine Lebensgefährtin vergewaltigt, getötet sowie eine Brandstiftung begangen haben. Polizisten berichten in Stade vom Fund der Leiche und der Auswertung der Handydaten.

Von Thorsten Kratzmann Donnerstag, 09.04.2026, 05:50 Uhr

Stade. Der Angeklagte aus Gyhum muss sich vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts wegen der ihm vorgeworfenen Straftaten verantworten, die sich in der Nacht zum 24. September 2025 ereignet haben. Die Beziehung zwischen ihm und seiner Lebensgefährtin soll zum Zeitpunkt der Tat beendet gewesen sein, obwohl sie räumlich noch in einer Doppelhaushälfte zusammenwohnten.

Am Vormittag des vierten Verhandlungstages spielt die Beziehung des Opfers zu ihrem Lebensgefährten keine Rolle. In den Zeugenstand ruft der Vorsitzende Richter einen jungen Polizisten, der mit seiner Kollegin in der Tatnacht zum Ort des Brandes in der Gyhumer Königsallee ausrückte. Als die Beamten aus Zeven nach 2 Uhr am 24. September dort eintrafen, sei die Feuerwehr bereits im Einsatz gewesen. Die Scheune im hinteren Bereich des Hofgrundstücks habe in Vollbrand gestanden, sagt der Polizist aus.

Er habe erste Zeugen befragt und Fotos angefertigt. Als er mit seiner Kollegin im Dienstwagen mit der Abfassung des Berichts begonnen hatte, seien sie zum Tatort im Hülsenbusch in Gyhum beordert worden. Das war gegen 3.30 Uhr. Der Beschuldigte hatte sich kurz zuvor auf der Wache in Zeven gestellt und auf den Tatort verwiesen.

Polizist schlug am Tag der Tat ein Fenster ein, um ins Haus zu gelangen

Er habe geklingelt, sei ums Haus gegangen, die Seiteneingangstür sei verschlossen, die Rollläden seien heruntergelassen gewesen. Von einem Sanitäter habe er eine Axt erhalten. Mit der habe er ein Fenster zerschlagen, sei in die Küche gelangt und habe die Haustür geöffnet, um seine Kollegin und die Sanitäter ins Haus zu lassen.

Im Obergeschoss im Schlafzimmer sei er auf den Leichnam der 30-Jährigen gestoßen, die hinter dem Bett auf dem Fußboden lag. Er habe ein Foto gemacht und den Notarzt an den leblosen Körper herantreten lassen, sagt der Zeuge aus. Der Notarzt habe den Tod der Frau festgestellt, und dann hätten allesamt das Haus verlassen. Er habe den Tatort abgesperrt und mit seiner Kollegin auf das Eintreffen der Spurensicherung gewartet.

Hinweise auf Kampfspuren seien ihm nicht aufgefallen, ebenso wenig ein Messer oder anderes mögliches Tatwerkzeug. Indes Blut und Blutspuren. Das gibt der Polizist auf Nachfrage zu Protokoll.

Angeklagter stand zur Tatzeit nicht unter dem Einfluss von Alkohol

Einen ausführlichen Bericht der mit dem Fall betrauten Ermittler gibt die Hauptsachbearbeiterin gegenüber dem Gericht ab. Bei ihr, die den Tatort nicht aus eigener Anschauung kennt, liefen die Fäden zusammen. Ihrer Aussage zufolge stand der Beschuldigte zur Tatzeit nicht unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen Drogen. Er habe sich auf dem Zevener Kommissariat kooperativ gezeigt, sein Handy bereitwillig entsperrt und offenbart, wo das Mobiltelefon des Opfers zu finden ist.

Bei der rechtsmedizinischen Untersuchung des Leichnams sei im Vaginalabstrich Sperma nachgewiesen worden. Ferner habe das Landeskriminalamt DNA-Spuren sowohl des Opfers als auch des Beschuldigten auf einem am Tatort sichergestellten Cuttermesser und einer abgebrochenen Klinge nachgewiesen.

Anhand der beiden Handys war es den Ermittlern möglich, die Standortdaten auszulesen und Nachrichten zu lesen. Daraus ergibt sich ein genaues Bewegungsprofil sowohl des Opfers als auch des Beschuldigten. Beide radelten demnach gemeinsam gegen 18.30 Uhr am 23. September zum Pferdestall am Dammersmoorweg. Der Beschuldigte fuhr bald zurück, bestieg sein Auto, fuhr zur Tankstelle in Gyhum und von dort weiter zu einem Discounter in Zeven. Anschließend ging es weiter zu einer Pizzeria und von dort zu einem Supermarkt in Selsingen. Gegen 20.30 Uhr traf der Beschuldigte wieder zu Hause ein. Das Opfer befand sich ebenfalls im Haus.

Hinweise auf Suizidabsichten des 34-jährigen Angeklagten gefunden

Gegen 21 Uhr brach die junge Frau erneut zum Pferdestall auf und kehrte gegen 21.30 Uhr zurück. Nachvollziehen können die Ermittler, dass sie ins Obergeschoss ging. Gegen 21.45 setzte sie eine Chatnachricht an eine Freundin ab, in der sie ankündigte, duschen und schlafen zu wollen und sich wünsche, dass ihr Partner endlich Ruhe geben möge. Der Beschuldigte war zu dieser Zeit und bis 23 Uhr mit seinem Handy auf einer anderen sozialen Plattform eingeloggt.

Nach Mitternacht bewegte sich der Beschuldigte „ziellos durch Gyhum“, wie die Zeugin sagt. Gegen 1.45 Uhr befand sich das Handy an der Scheune, deren Brand kurz darauf bemerkt wurde. Um 2.03 Uhr verband sich das Mobiltelefon wieder mit dem WLAN-Netz des Wohnhauses am Hülsenbusch. Anschließend weist das Profil wiederum Bewegungen durch das Dorf aus. Ein etwa halbstündiges Telefongespräch zwischen dem Beschuldigten und seinem Cousin legt die Tatsache nahe, dass beide Mobiltelefone miteinander verbunden waren. Gegen 3.20 Uhr erschienen beide Männer auf der Wache in Zeven.

Zum Abschluss wird auf Nachfrage öffentlich, dass der Beschuldigte offenbar Suizidabsichten hegte. Entsprechende Hinweise haben Ermittler auf dem Mobiltelefon entdeckt.

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