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Gemeindefest

TMutige vor: Waghalsige Abseilaktion an der Buxtehuder Petrikirche

Superintendent Martin Krarup hat angeleitet vom Kletterprofi den ersten und schwierigsten Schritt über die Brüstung bewältigt.

Superintendent Martin Krarup hat angeleitet vom Kletterprofi den ersten und schwierigsten Schritt über die Brüstung bewältigt. Foto: Weil

Das war mal was ganz anderes: sich außen an der Petrikirche in Buxtehude abzuseilen. Die Idee fand großen Anklang. So erging es den Teilnehmern.

Von Svenja Weil Sonntag, 07.06.2026, 12:45 Uhr

Buxtehude. „Ich kann’s nur empfehlen und würde mich am liebsten gleich noch mal anstellen“, zeigte sich Superintendent Martin Krarup begeistert. Begleitet von der Musik der Turmbläser war er am Samstagnachmittag der Erste, der sich von der Turmplattform der Petrikirche abseilte.

Unten in der Kirche wächst die Warteschlange

Pastor Chris Hasemann hatte diese aufsehenerregende Aktion als Höhepunkt des Gemeindefests organisiert. Gerne hätte Krarup nach dem ersten Schritt über die Brüstung noch länger verweilt und einfach geschaut. Aber im Wissen um die stetig wachsende Warteschlange unten habe er dann doch nicht trödeln wollen, erzählte er, als er wieder am Boden ankam.

Die Warteschlange zog sich quer durchs Kirchenschiff.

Die Warteschlange zog sich quer durchs Kirchenschiff. Foto: Weil

50 Menschen ab 12 Jahren bekamen die Gelegenheit, die Petrikirche auf sehr spezielle Weise zu erleben. Und noch viel mehr Interessierte standen im Kirchenschiff Schlange. In kleinen Grüppchen ging es die 96 Stufen der engen und steilen Wendeltreppe im Turm hinauf bis zum Umgang rund 20 Meter über dem Boden.

Kletterer am Kirchturm werden professionell begleitet

Von hier führte der Weg zurück nach unten außen an der Mauer hinunter. Die abenteuerlustigen Kletterer wurden dabei professionell betreut, angeleitet und gesichert von zwei Trainern aus der Nordwandhalle in Hamburg-Wilhelmsburg. Die beiden geben dort Kurse und bieten Aktionen draußen auch auf Festivals oder Firmenevents an.

Die Teilnehmer müssen zur eigenen Sicherheit bei der Einweisung vor dem Start konzentriert zuhören können. Außerdem müssen sie die Anweisungen umsetzen und die Abseiltechnik selbstständig bedienen, wozu es einiger Koordination im Bewegungsablauf bedarf. Passives Abseilen durch die Profis sollte nur im Notfall stattfinden, was nicht notwendig wurde.

Heike Baars: abgeseilt, wo sie einst konfirmiert wurde

Heike Baars ist vor Jahrzehnten in St. Petri konfirmiert worden und freute sich in der Warteschlange auf das besondere Erlebnis am historischen Gemäuer. Die Buxtehuderin bringt viel Klettererfahrung mit und war besonders gespannt, welche Sicherungstechnik die Profis nutzen würden.

Vor ihr wartete der zwölfjährige Matthes Ackermann aus Buxtehude und berichtete, dass er bereits in zwei Kletterhallen war, wo er im Toprope-Verfahren bis auf 16 Meter Höhe geklettert sei. Nun freue er sich auf dieses Abenteuer. Geduldig stand er mehr als eine Stunde dafür an.

Nervenkitzel: Der erste Schritt über die Brüstung

Mutter Carolin Ackermann erzählte, dass Matthes und seine Geschwister in St. Petri getauft seien und die Familie sich der Kirche verbunden fühle. Das Gebäude aus einer ganz neuen Perspektive zu erleben, reizte sie besonders an der Aktion. „Ganz oben den ersten Schritt über die Brüstung zu machen, war ein mulmiges Gefühl. Und manchmal musste man nach unten schauen. Das war nicht so angenehm“, fasste Matthes nach seiner Hängepartie zusammen

Stolz und noch etwas aufgeregt musste er erst einmal durchatmen und sich von der Familie beglückwünschen lassen. „Ja, es braucht schon etwas Mut. Der Anfang fühlte sich komisch an und die Technik muss man auch erst mal draufhaben“, bestätigte Antje Wohlers. Die Buxtehuderin ist „schon 69“ und hat sich vorgenommen, wieder mutiger durchs Leben zu gehen.

Wenn man älter werde, verliere man Mut und werde immer zurückhaltender. Dagegen möchte sie aktiv angehen, was ihr mit dem Erlebnis im Klettergurt gut gelungen ist. Alle Kletterer wurden von einem wechselnden, aber stets großen Publikum unten erwartet und für ihr Tun bewundert.

Zuschauer: „Ich würde mich da nicht runtertrauen“

Anna-Luise Wiedemann, seit rund fünf Jahrzehnten Mitglied der Petrigemeinde, war eine von vielen, die sagten: „Ich würde mich da nicht runtertrauen.“ Auch wenn sie nicht selbst teilnehme, lobte sie die von Pastor Hasemann initiierte Aktion ausdrücklich als Publikumsmagnet für die Gemeinde.

Staunende und bewundernde Blicke nach oben bei den Zuschauern.

Staunende und bewundernde Blicke nach oben bei den Zuschauern. Foto: Weil

Drinnen in der Kirche folgte für die Aufstiegswilligen voller Vorfreude in der Warteschlange gegen 16 Uhr die enttäuschende Erkenntnis, dass nicht mehr alle drankommen würden. Mit Einweisung und Anlegen des Klettergeschirrs dauerte jeder Abstieg rund zehn Minuten, und somit reichte die geplante Zeit längst nicht für alle Interessenten.

Das Gemeindeteam hatte offensichtlich nicht mit solch großem Andrang gerechnet. Pastor Hasemann übernahm es, den Wartenden die Lage zu erklären. Er verloste schließlich die letzten sechs Plätze und bot allen anderen vorrangiges Kletterrecht bei einer nächsten Aktion an. Diese stehe noch nicht fest, aber wer seine Kontaktdaten hinterlasse, bekomme dafür eine persönliche Einladung, versprach er.

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