TNach DRK-Ausstieg: Auch DLRG stellt Altkleidersammlungen im Kreis Stade ein
Müll landet im DLRG-Altkleidercontainer in Horneburg. Foto: Vasel
Volle Windeln, blutige Schaffelle und nicht brauchbare Textilien: Der DLRG reicht es, sie baut ihre Altkleidercontainer ab. Bezirkschef Rainer Bohmbach nennt die Gründe.
Landkreis. In den kommenden Monaten wird auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Landkreis Stade ihre Altkleidersammlungen einstellen. Daher werden die rund 120 Sammelcontainer in den Städten und Gemeinden nach und nach bis spätestens 31. März 2026 abgebaut. Damit folgt die DLRG dem Vorbild des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das wie berichtet ebenfalls diesen Weg geht.
DLRG-Gruppen verlieren wichtige Einnahmequelle
Die DLRG begründet ihre Entscheidung mit dem massiven Rückgang des Erlöses für die einzelnen Ortsgruppen. Diese hatten mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Altkleider ihre ehrenamtliche Arbeit im Rettungsdienst, im Katastrophenschutz, in der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung sowie der Jugendarbeit jahrzehntelang unterstützen können. „Wir verlieren einen mittleren fünfstelligen Betrag“, rechnet der stellvertretende DLRG-Bezirksleiter Rainer Bohmbach vor. Diese Summe müsse jetzt über Spenden kompensiert werden.
Die internationalen Marktpreise für Altware sind derzeit im freien Fall. Anfang 2024 seien laut DRK für eine Tonne Altkleider noch 250 Euro bezahlt worden, aktuell seien es 50 Euro und weniger. Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2023 zwei Kilogramm Kleidung pro Kopf entsorgt. Insgesamt waren das 55 Prozent mehr Textil- und Bekleidungsabfälle als vor zehn Jahren. 175.000 Tonnen Altkleider warfen Privathaushalte 2023 in die Container.

Blick auf die Altkleidercontainer der DLRG vor einem Supermarkt in Horneburg. Foto: Bohmbach
Ein Ende des Preisverfalls sei laut Bohmbach nicht absehbar, der Absatz der Ware werde immer schwieriger. Afrika sei kein Markt mehr. Die Qualität von Fast Fashion von Unternehmen wie dem chinesischen Online-Händler Shein hätten den Altkleidermarkt kaputtgemacht. Vieles lande in der Müllverbrennung - auch, weil die Textilien wegen unterschiedlicher Kunstfasern häufig nicht mehr wiederverwertet werden könnten. „Etwas wehmütig bin ich schon“, sagt Bohmbach. „Immerhin haben wir 45 Jahre die Altkleiderspenden der Bürgerinnen und Bürger dankbar angenommen.“
Volle Windeln und blutige Schaffelle weggeworfen
Bohmbach kritisierte die „Rücksichtslosigkeit vieler Menschen“. Über die Jahre sei der Müllanteil in den Behältern auf fast 40 Prozent angestiegen. So seien die Sammelbehälter oft auch einfach als Müllcontainer missbraucht worden. Hausmüll, gebrauchte Katzenstreu und benutzte Windeln seien eingeworfen worden. Bohmbach: „Auch ein abgezogenes Schaffell war schon mal darunter. Damit wird dann die restliche Ware im Behälter auch oft verschmutzt und muss entsorgt werden.“
Altkleidersammlung
T Notstand: DLRG sperrt alle Kleidercontainer im Kreis Stade
Des Weiteren hätten viele Bürger ihre Säcke einfach an den vollen Containern abgestellt, anstatt diese wieder mit nach Hause zu nehmen. Vor den Behältern seien diese häufig auf der Suche nach guter Kleidung durchwühlt worden.
Unaufgeräumte und vermüllte Sammelplätze hätten zu einem erheblichen Imageverlust für die DLRG geführt. Bohmbach spricht von einem hohen Organisationsaufwand, um zu erreichen, dass der Vertragspartner der Wasserretter sich um den Müll kümmerte. Zusätzlich werde es immer schwieriger, Personal für die Sammlungen einzustellen.

Blick auf einen vermüllten Altkleidercontainer der DLRG. Foto: Bohmbach
Sollte der Erlös im Jahr 2026 - wie von der Entsorgungsfirma angekündigt - gegen null gehen, mache die Fortführung keinen Sinn mehr. Bohmbach: „Die Entscheidung, die Sammlungen einzustellen und aus dem Vertrag auszusteigen, ist den Ortsgruppen nicht leichtgefallen. Wir sehen aber leider derzeit keine Perspektive für eine Fortführung unter den jetzigen Voraussetzungen.“
Der Landkreis Stade springt in die Bresche, um die DRK- und DLRG-Container zu ersetzen. Er hat in seinen Abfallwirtschaftszentren sowie auf den Wertstoffhöfen und Kompostierplätzen - verteilt auf acht Standorte - jetzt insgesamt 28 Altkleidercontainer aufgestellt.
Copyright © 2025 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.