TNach Einbruch: Warum Hubert Lissinna nun ausziehen will
Die Einbruchsspuren an seinem Haus sind nach Hubert Lissinnas Angaben Überbleibsel des Öl-Diebstahls. Foto: Polgesek
Nach vielen Rückschlägen erlebt der 68-Jährige aus Stotel zuletzt erneut einen privaten Dämpfer: Er will jetzt Konsequenzen ziehen. Das ist seine Geschichte.
Stotel. Der Stoteler See an einem Mittwochmorgen im Juli. Ein paar Wolken stehen am Himmel, während bei 22 Grad der Wind leicht über das Wasser weht. Auf der Oberfläche bilden sich kleine Wellen. „Es ist das Ergebnis der Natur. Eines, das jeder umsonst bekommt. Niemand muss etwas dafür bezahlen.“ Wer Hubert Lissinna kennt, weiß, dass seine Worte mehr Tiefe haben als sie den Anschein erwecken.
Denn was der ausgebildete Gärtner da sagt, ist nicht bloß ein leiser Hinweis auf seine Naturverbundenheit. Nein. Es schwingt bei seiner Anspielung auf die „unentgeltliche Umwelt“ auch ein Thema mit, das den gebürtigen Schwaben bereits lange beschäftigt. Und nun zu einer dramatischen Wendung in seinem Leben führen könnte.
Zwischen den alten Bäumen am Stoteler See findet Hubert Lissinna einen Ort, der ihm in schwierigen Zeiten Halt gibt. Foto: Polgesek
Stoteler mit Leidenschaft für Fotografie
Rückblick: Als die „Nordsee-Zeitung“ den Stoteler im Februar dieses Jahres besucht, da erzählt er von seiner lang andauernden Erwerbslosigkeit. Aber auch der schweren Schulterverletzung nach einem Sturz am See, der Scheidung von seiner Frau und der Leidenschaft für die Fotografie. 38.000 Fotos hatte er zu diesem Zeitpunkt von seinem Wohnort und der Umgebung gemacht, wollte die Bilder thematisch zusammenfassen und in 100 Ordnern strukturieren.
„Meine Situation ist schlechter geworden“, stellt er fünf Monate später ernüchtert fest. Nach einem Einbruch im Januar, bei dem der oder die Täter im seinem Haus „nur eine Vase kaputtgemacht haben“, wurde er nach eigenen Angaben im Mai erneut heimgesucht. Lissinna spricht von einer großen Menge Heizöl, die ihm aus dem Vorratstank abgepumpt worden sein soll.
„Im selben Zeitraum höre ich, dass an der Weserstraße in Bremerhaven-Wulsdorf jemand illegal Altöl entsorgt hat“, kann er sich eine Verbindung zu seinem Fall vorstellen.
Beginn der Heizperiode und Auszug fallen wohl zusammen
Fortan sei nur noch kaltes Wasser durch die Heizung gelaufen. Lissinna schildert, finanziell nicht in der Lage zu sein, die Ölreserven wieder aufzufüllen. Zumal ihm sein Vermieter von Reparaturkosten erzählt habe, die für ein kaputtes Rohr anfallen. Weil dies alles nicht durch die „minimale Miete kompensiert werden kann“, wie der Stoteler sagt, steht seine Entscheidung fest. „Ich will das Haus zu Beginn der Heizperiode am 1. Oktober verlassen haben.“ Sein Ziel: Weiterhin in Stotel wohnen.
„Ich habe hier meinen Arzt und meine Verbindungen. Dazu in Nesse die Tafel. Das ist für mich besser als damals in Loxstedt“, bezeichnet er das soziale Hilfsprojekt als einen seiner wenigen Lichtblicke. Eine Wohnung in Ihlienworth, wie sie ihn sein Vermieter angeboten hat, sei hingegen für ihn keine Option. „Was bleibt mir denn da?“, verweist er auf seine Bezüge zur Gemeinde Loxstedt. Seinen Anker, seine zweite Heimat.
Zu Hause, dort wo die Blumen in voller Pracht stehen, bezeichnet Lissinna den Garten als sein „Dschungelbuch“. Wer ihn hier und beim Spaziergang rund um den Stoteler See erlebt, erwischt sich vielleicht dabei, dem 68-Jährigen mehr von solchen Momenten zu wünschen. Augenblicke, die ihm nach eigenen Worten „die unbelastetsten und freiesten Gedanken schenken“.
Begleitet von gesundheitlichen Problemen
Die Realität ist aber nicht immer so. Lissinna erzählt von seiner erfolglosen Wohnungssuche in Stotel und seinem „Nein“ zu einer möglichen Bleibe in Bremerhaven-Wulsdorf. Bei häufig auftretenden Schwindelgefühlen wegen einer Durchblutungsstörung, Wortfindungsstörungen und einem Arm, der nach einem Sturz nicht mehr vollständig beweglich ist, sieht er in Wulsdorf keine Wohnalternative. „Das ist ein anderes Bundesland. Da müsste ich den Antrag auf Grundsicherung nochmal stellen“, beschreibt er einen Prozess, der in seiner gesundheitlichen Situation sehr mühsamen wäre.

Die Ruhe, die Weite: Hubert Lissinna genießt die Zeit am Stoteler See. Foto: Polgesek
Er habe in Erfahrung gebracht, dass es im „Hohen Feld“ Wohnungen geben könnte. Allein: Wer sie anbietet oder vermittelt, wisse er nicht. Eines allerdings schon: „Ich brauche nur ein Zimmer und würde auch mit dem kleinsten Gepäck kommen.“ Platz für sein Fotoprojekt dürfte es aber auch dort geben. Laut dem Stoteler kann es nie fertig werden, da immer neue Motive hinzukommen.
Ein Baum im Winter und Sommer, mit und ohne Blattwerk, bei verschiedenen Lichteinstrahlungen. Für Lissinna tragen die Fotos zur Ortsheimatpflege bei. Aktuell formuliere er den Begleittext, könne aber noch Hilfe bei der Foto-Anordnung gebrauchen.
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