TNach Timmys Freilassung: „Fortuna B“ liegt unter Polizeischutz in Cuxhaven
Die „Fortuna B“ liegt im Hafen von Cuxhaven. Foto: Kai Moorschlatt/dpa
Ortungssignal aus, Hafen abgeriegelt: Die „Fortuna B“ ist nach der Walmission mit „Timmy“ unter Begleitung von Küstenwache und Wasserschutzpolizei in Cuxhaven eingelaufen.
Cuxhaven. Was sich in der Nacht vor Cuxhaven abgespielt hat, wirkt wie ein Krimi auf offener See: Nach Informationen der „Nordsee Zeitung“ ist das Schiff „Fortuna B“ kurz nach Mitternacht von der Küstenwache bis in den Hafen begleitet worden.
Brisant: Offenbar war das Ortungssignal des Schiffes zwischenzeitlich deaktiviert. In den Trackingdaten wurde die „Fortuna B“ noch bei Helgoland angezeigt – tatsächlich lag sie zu diesem Zeitpunkt bereits in Cuxhaven.
Die Wasserschutzpolizei eskortierte das Schiff in den Hafen, der Bereich wurde großräumig abgesperrt und zum Sicherheitsgebiet erklärt. Offizielle Angaben zu den Hintergründen machte die Polizei zunächst nicht.
Zwischen Mitgefühl und Kritik
Einige Schaulustige harren aus, wollen die Einfahrt des Schiffes verfolgen. Darunter auch Felix (20), angehender Schiffbauer: „Das Schicksal des Wals hat mich sehr berührt“, sagt er. Andere sehen die Situation kritischer. Eine junge Frau meint: „Es wurde zu viel Wirbel um das Tier gemacht. Das hat ihm eher geschadet.“
Warum die „Fortuna B“ zuvor kurzfristig Kurs auf Wilhelmshaven genommen hatte, ist bislang unklar. Auch mögliche Auswirkungen eines Unwetters auf See sind nicht bestätigt.
An Bord befand sich nach Medienberichten die Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies von einer Wal-Initiative. Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen die Crew. So soll der Wal „Timmy“ ohne Abstimmung freigelassen worden sein. Gegenüber Medien sagte Tönnies, das Tier sei „rausgezogen“ worden. Zudem berichtete sie von Auseinandersetzungen mit dem Kapitän. Auch der Umgang mit Filmaufnahmen und der Einsatz eines Trackers am Tier werfen Fragen auf. Eine unabhängige Bestätigung dieser Vorwürfe liegt bislang nicht vor.
Reederei spricht von „Erfolg“
Die Gegenseite bewertet die Aktion offenbar völlig anders. Die Betreiber des Begleitschiffes „Robin Hood“ sprechen laut dpa von einer erfolgreichen Freilassung. Diese sei in Abstimmung mit allen Beteiligten erfolgt. Die „Robin Hood“ befand sich zuletzt vor der Westküste Dänemarks.
Der Buckelwal „Timmy“ – auch „Hope“ genannt – war Anfang März in die Ostsee geraten und mehrfach in flachen Gewässern gestrandet. Ende April wurde das Tier in einer groß angelegten Aktion geborgen und in die Nordsee transportiert. Am vergangen Samstag, 2. Mai, wurde der Wal schließlich freigelassen.
Die Diskussion um den Umgang mit Buckelwal „Timmy“ hatte zuletzt bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Unklar ist auch noch, inwieweit der Peilsender des Wals funktioniert.
Streit eskaliert: Geldgeber gehen auf Distanz
Der Konflikt um die Aktion spitzt sich weiter zu. Die beiden Hauptfinanziers, Unternehmerin Karin Walter-Mommert und Walter Gunz, distanzieren sich nun öffentlich. In einem Schreiben erklären sie, an der Freilassung nicht beteiligt gewesen zu sein. Zugleich weisen sie die Verantwortung für mögliche Folgen der Crew der beteiligten Schiffe zu.
Wörtlich heißt es demnach: „Wir distanzieren uns ausdrücklich von den Geschehnissen und der Art und Weise, welche zur Aussetzung des Wals führten.“
Auch Experten sehen offene Punkte. Ein Greenpeace-Sprecher betont, dass nur funktionierende Trackingdaten Aufschluss darüber geben könnten, ob sich der Zustand des Wals stabilisiert. Denn: „Timmy“ wurde ausgerechnet in einem stark befahrenen Schifffahrtsgebiet ausgesetzt. Die kommenden zwei Wochen gelten als entscheidend. Überstehe der Wal diese Phase, würden seine Überlebenschancen deutlich steigen, heißt es. (mr/mw/stn/dbl/mit dpa)
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.