TNach Wolfsangriffen: Das sagt Jagdverband-Präsident Dammann-Tamke
Helmut Dammann-Tamke ist seit rund drei Jahren Präsident des Deutschen Jagdverbandes auf Bundesebene. Er sieht in den Vorschlägen zur Änderung des Jagdrechtes bezüglich der Wolfsproblematik gute Ansätze (Archivfoto). Foto: Schröder
Nach Wolfsattacken auf Schafe im Kreis Cuxhaven wird die Debatte um das Jagdrecht hitzig. In Berlin war nun die Regulierung der Wolfsbestände Thema. Mit dabei: Helmut Dammann-Tamke aus dem Kreis Stade.
Landkreis. Nach den tödlichen Attacken von Wölfen auf eine Schafherde in der Börde Lamstedt, bei denen zwei Dutzend Tiere gerissen worden sind oder später eingeschläfert werden mussten, steht die Forderung nach einem „Schnellabschuss“ von „Problemwölfen“ im Raum.
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Welche rechtlichen Hürden es gibt, zeigte sich in dieser Woche auch bei einer Anhörung des Agrarausschusses des Bundestages. Mit am Tisch saß in Berlin Helmut Dammann-Tamke aus dem Kreis Stade. Er leitet auf Bundesebene als Präsident den Deutschen Jagdverband. Mit ihm sprachen die Cuxhavener Nachrichten über seine Einschätzung der Lage.
Wolfsbestände entwickeln sich in Deutschland unterschiedlich
Das Treffen in Berlin hätte aus der regionalen Sicht nicht aktueller sein können. Schließlich ging es um die geplante Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht. Verbunden damit ist die zentrale Frage, ob es bundesweit künftig einen kontrollierten Eingriff in die zum Teil dynamisch wachsenden Wolfsbestände geben soll und wird.
Die Entwicklung - gerade mit Blick auf die Nutztierrisse - ist von Bundesland zu Bundesland völlig unterschiedlich. Im Kreis Cuxhaven ist im vergangenen Jahr die Zahl der getöteten Schafe, Pferde und Rinder im Vergleich zu 2024 deutlich angestiegen.
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Der frühere Landtagsabgeordnete Helmut Dammann-Tamke aus Bargstedt war vor knapp drei Jahren zum neuen Präsidenten des Deutschen Jagdverbands (DJV) gewählt worden und ist nicht erst seit dieser Wahl mit der Wolfsthematik beschäftigt.
Auch schon seine Zeit an der Spitze des Niedersächsischen Jagdverbands war geprägt von dem allgemeinen Richtungsstreit über Grenzen, Vorgaben und Möglichkeiten bei der Eindämmung der steigenden Wolfspopulation.
Möglicherweise bietet sich jetzt die Chance, in der kontrovers geführten Debatte zumindest eine Art Grundkonsens zu finden. Der Deutsche Jagdverband mit seinem Präsidenten Dammann-Tamke sieht durch die angestrebte Jagdrechtsänderung einen vielversprechenden Ansatz: „Artenschutz, Weidetierschutz und dauerhafte Akzeptanz des Raubtiers im ländlichen Raum werden in Einklang gebracht.“
Der Deutsche Jagdverband begrüße es, dass die Bundesregierung ein „Zwei-Säulen-Modell“ umsetzen wolle. Dabei gehe es um „ein wissenschaftlich fundiertes Bestandsmanagement“ sowie eine rechtssichere und schnelle Entnahme von Problemwölfen, die Nutztiere töten.
Die Frage ist nicht, ob wir den Wolf managen, sondern wie
Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbands
„Die Rückkehr des Wolfes ist ein Erfolg für den Artenschutz. Zugleich stellt sie uns in der dicht besiedelten Kulturlandschaft vor neue Herausforderungen. Die Frage ist nicht, ob wir ihn managen - sondern wie“, sagte Dammann-Tamke während der Anhörung im Agrarausschuss des Bundestages.
Wildbiologie müsse die Grundlage des politischen Handelns sein. Die geplante Jagdzeit von Juli bis Oktober sei an eben diesen wildbiologischen Erkenntnissen orientiert und ausschließlich auf Jungwölfe beschränkt. So sprach er davon, dass in der „Jugendklasse“ Handlungsbedarf bestehe.
„Bundesweite Entnahmequote“ von 40 Prozent
Aus seiner Sicht ist es notwendig, bei den noch nicht geschlechtsreifen Wölfen anzusetzen und dort eine „bundesweite Entnahmequote“ von 40 Prozent festzulegen. Dadurch sei gewährleistet, dass der geforderte „günstige Erhaltungszustand“ des Wolfes gewahrt bleibe, aber gleichzeitig die Bestände wirksam reguliert werden. Zudem müsse es Klarheit bei der zügigen „Entnahme von Problemwölfen“ geben, die sich auf Weidetiere spezialisiert hätten; wie bei den jüngsten Fällen in der Börde Lamstedt.
Helmut Dammann-Tamke warb während der Anhörung im Bundestag auch dafür, ein sogenanntes „Monitoring“ zur Grundlage eines Wolfsmanagements zu etablieren. Dies werde seit vielen Jahren in Niedersachsen praktiziert: „Ohne konkrete Zahlen kann es schließlich gar kein Management geben.“
Noch Hürden beim „Schnellabschuss“
Den auch im Landkreis Cuxhaven diskutierten „Schnellabschluss“ eines Wolfs sieht Dammann-Tamke in der aktuellen Form durch dessen juristische Angreifbarkeit als kritisch und praxisfremd an. Ende 2023 hatten sich die Landesregierungen auf einen entsprechenden Vorschlag der damaligen Bundesumweltministerin Steffi Lemke eingelassen.
Das Ziel, „Problemwölfe“ schnell entnehmen zu können, sei wegen der bis dato unsicheren Rechtsgrundlage aber nicht erreicht worden. „Seit dem Beschluss im Jahre 2023 hat es bundesweit gerade einmal drei Entnahmen gegeben.“
Der jetzt vorliegende modifizierte Gesetzentwurf würde dagegen die Möglichkeit eröffnen, bei Schnellabschlüssen wesentlich effektiver und rechtssicher handeln zu können.
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