TNach den tödlichen Schüssen in Stade: Trauer zeigen, Danke sagen
Kerzen und Blumen zeugen von Trauer, Anteilnahme, aber auch von Dank an die Einsatzkräfte. Foto: Strüning
Betroffenheit und Trauer sind groß. In Stade wird mit vielen Formaten Trauer, Dank und Anteilnahme ausgedrückt. Anlass sind die tödlichen Schüsse am Montag in der Dankersstraße.
Stade. „Stade ist in Trauer“, sagte Markus Westermann, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Bremen-Nordniedersachsen, am Freitagnachmittag vor dem Polizeigebäude in der Teichstraße. Die Gewerkschaften Verdi und GdP hatten zu einem stillen Treffen aufgerufen. Die Begrüßungsworte fielen entsprechend knapp aus. Anschließend ging es zum Tatort, der nur wenige hundert Meter von der Polizei entfernt liegt.
Die Trauergäste zogen von der Polizei zum Tatort: links vorn Regina Jänichen (GdP), daneben Markus Westermann (Verdi). Foto: Strüning
Stades Polizeichef Jan Kurzer war mit Kolleginnen und Kollegen dabei, Rettungskräfte vom DRK, Vertreter der Gewerkschaften, SPD-Bürgermeisterkandidat Kai Koeser. Etwa 60 Menschen kamen zusammen, um ihre Trauer und Anteilnahme auszudrücken, angesichts der kaum zu fassenden Tat mit sechs Todesopfern, aber auch um Danke zu sagen an alle Einsatzkräfte, die am Montag am Tatort waren.

Auch Polizeichef Jan Kurzer legte am Tatort eine Rose nieder. Foto: Strüning
Ob Polizisten, Rettungssanitäter, Notärzte, Notfallseelsorger, die Beschäftigten im Elbe Klinikum oder die Feuerwehrleute, sie alle werden Spuren davon tragen nach den schrecklichen Ereignissen. Psychologische Hilfe für die betroffenen Beamten der Polizei lief schnell an, sagte Regina Jänichen, stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei.
Das grausame Geschehen ist kaum zu begreifen
Bewusst haben die Initiatoren auf längere Redebeiträge verzichtet. „Diese Geschichte hat ein Ausmaß angenommen, dass wir es alle noch nicht richtig begreifen können“, sagte Regina Jänichen. Es sei noch keine Zeit, politische Forderungen zu stellen als Ableitung des grausamen Geschehens. Eines wurden allen klar: Es gibt keine 100-prozentige Sicherheit.
Trauer nach Bluttat in Stade: „Ein Schutzort wurde zum Tatort“
Worte, so die einhellige Meinung, können dem, was am Montagmittag in der Dankersstraße geschah, kaum gerecht werden. Ein 45-Jähriger aus Hannover hat sechs Menschen erschossen, alles Mitarbeitende der öffentlichen Jugendhilfe. Es ging um einen Sorgerechtsstreit.
Am Tatort legten die Trauernden Rosen nieder
Dem Unbegreiflichen Raum zu geben, gemeinsam das kaum Erträgliche zu verarbeiten, das war Ansatz des Treffens mit Trauermarsch am Freitagnachmittag. Am Tatort legten die Teilnehmenden Blumen nieder, hielten kurz inne und stellten sich schweigend vor das rote Klinkerhaus. Einige weinten, einige trugen schwarz. Alle hatten eine Rose in der Hand, Vertreter des DGB legten einen Kranz nieder.
T „Das nimmt mich richtig mit“: Nachbarn im Kopenkamp sind schockiert
Vor dem Haus Dankersstraße 29 werden seit Tagen Blumen und Kerzen abgelegt. Ein rot-weißes Flatterband der Polizei sperrt das Grundstück ab. Davor liegen Trauerkarten, eine HSV- und eine Hamburgfahne. Auf zwei Zetteln, die an der Einfriedung des Grundstücks festgeklebt wurden, steht: „In stillem Gedenken an die Opfer dieser schrecklichen Tat. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Familien, Freunden und allen Betroffenen.“ Weiter steht geschrieben: „Für alle Einsatzkräfte: Danke für eure Arbeit. Danke, dass ihr für alle da seid. „IHR SEID HELDEN.“
T Gewalttat in Stade: Welle der Hilfsbereitschaft nach Spendenaufruf
Das ist ganz im Sinne der Aktion vom Freitag gewesen, die unspektakulär verlief, aber doch viel aussagt. „Stade steht zusammen“, sagte Markus Westermann. Die Gedanken gingen an die Opfer und deren Angehörige. Es wurde zudem an Zurückhaltung und Pietät appelliert, damit die Ermittlungsbehörden das Tatgeschehen in Ruhe aufarbeiten können.
Beschäftigte haben Angst, fühlen sich nicht mehr sicher
Was die Trauernden besonders umtreibt: Dass es die getroffen hat, die anderen Menschen helfen wollten. „Viele Beschäftigte haben jetzt Angst, weil sie sich nicht mehr sicher fühlen“, so Markus Westermann. Er sagte aber auch in Richtung heftiger Kommentare gerade in den Sozialen Medien: „Hass hilft nicht, Hass heilt nicht.“
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.