Zähl Pixel
Geschäftswelt

TNachfolger für Iwersen Kaffee: Nach dem Feuerlöschen geht‘s zum Rösten

Irina und Alexander Becker führen die Buxtehuder Kaffeerösterei Iwersen fort.

Irina und Alexander Becker führen die Buxtehuder Kaffeerösterei Iwersen fort. Foto: Weselmann

Die bekannte Buxtehuder Kaffeerösterei von Olaf Iwersen lebt weiter. Für die Nachfolger ist die Übernahme des Unternehmens ein echter Balanceakt.

author
Von Fenna Weselmann
Freitag, 13.03.2026, 17:24 Uhr

Buxtehude. Das einstige Ladengeschäft am Ostfleth gibt es schon länger nicht mehr. Aber die Kaffeerösterei Iwersen existiert noch immer. Mittlerweile sind neue Eigentümer am Werk. Irina und Alexander Becker aus Neu Wulmstorf führen das von Olaf Iwersen gegründete Unternehmen fort. Ohne jede Vorkenntnis haben sie sich in ein berufliches Abenteuer gestürzt.

Die Nachfolger lernen die Rösterei als Kunden kennen

In Buxtehude lernt sich das Paar kennen und lieben. So entdecken die beiden Iwersen Kaffee zunächst einfach als Kunden. „Beim Schlendern durch die Altstadt stießen wir auf das Geschäft am Fleth“, erzählt Irina Becker. Und die zwei sind sofort begeistert von den in Buxtehude gerösteten Bohnen.

Mehr zu Buxtehuder Unternehmen:

Im Zuge der Corona-Pandemie setzt Olaf Iwersen verstärkt auf den Onlinehandel. Im Frühjahr 2024 schließt der Kaffeeröster seine Räume am Fleth schließlich komplett. „Auf einmal war der Laden nicht mehr da“, erinnert sich Alexander Becker an den traurigen Verlust ihrer regelmäßigen Anlaufstelle. Ihren Kaffee bestellen sie trotzdem weiter bei der Buxtehuder Rösterei.

Als ihnen klar wird, dass Iwersen eine Nachfolge sucht, nehmen sie das Herz in die Hand und schreiben eine Bewerbungsmail. Sie wollen nicht, dass so ein unternehmerisches Kleinod verloren geht. Und siehe da, irgendwann kommt das Angebot, sich doch mal zusammenzusetzen.

Olaf Iwersen hat sein Wissen weitergegeben

„Olaf Iwersen war wichtig, dass die Rösterei in seinem Sinne weitergeführt wird“, erklärt Irina Becker. Das Gespräch fruchtet auf Anhieb. Ihre klare Ansage, noch keinerlei Erfahrung zu haben, ist kein Hindernis. „Menschlich passte einfach alles“, so Alexander Becker. Im Mai 2025 werden die beiden deshalb stolze Nachfolger von Olaf Iwersen und seiner Frau Renate Behncke.

Das Anlernen ist fest einbezogen. „Olaf Iwersens Hilfe ist aber weit darüber hinausgegangen. Wir können ihn noch immer anrufen, und er ist sofort zur Stelle“, betont Irina Becker. Denn in der Theorie lässt sich zwar alles einstellen, am Ende macht es aber die Erfahrung.

Beim Rösten sind alle Sinne gefragt.

Beim Rösten sind alle Sinne gefragt. Foto: Weselmann

„Knöpfedrücken reicht nicht. Man muss ein Gespür für das Rösten entwickeln und mit allen Sinnen dabei sein - hören, fühlen, riechen, schmecken, sehen“, sagt Alexander Becker. Während seine Frau erst einmal das geschäftliche Drumherum im Fokus hat, konzentriert er sich auf die Kaffeeproduktion. „Am Anfang stand ich tagelang mit Olaf Iwersen am Röster. Er hat uns so viel mitgegeben, wie er konnte“, erzählt der 36-Jährige.

Ein Spagat zwischen Feuerwehr und Rösterei

Für das Neu Wulmstorfer Ehepaar ist der Schritt in die Selbstständigkeit ein echter Spagat. Neben der Kaffeerösterei sind die beiden nämlich noch anderweitig berufstätig: Alexander arbeitet Vollzeit bei der Feuerwehr Hamburg, Irina in Teilzeit im Einzelhandel.

Am Anfang hat Alexander Becker tagelang zusammen mit Olaf Iwersen am Röster gestanden. Jetzt weiß er, wie aus den rohen Bohnen guter Kaffee wird.

Am Anfang hat Alexander Becker tagelang zusammen mit Olaf Iwersen am Röster gestanden. Jetzt weiß er, wie aus den rohen Bohnen guter Kaffee wird. Foto: Weselmann

Außerdem haben sie zwei Kinder im Alter von vier und acht Jahren. Zu wuppen ist das nur mit ganz viel Hilfe. „Oft packen wir abends um 23 Uhr noch Pakete“, erzählt Irina Becker von dem alltäglichen Balanceakt. Gleichzeitig erfüllt sich für sie ein ungeahnter Traum. „Kaffee hat uns gesucht und gefunden“, sagt die 36-Jährige voll Glück. Ihre Hoffnung ist, dass sie irgendwann von der Selbstständigkeit ihr Auskommen hat.

Iwersen Kaffee läuft. Obwohl es kein Ladengeschäft mehr gibt, ist die Buxtehuder Rösterei weiter in Heimbruch ansässig. Das Unternehmen ist lokal ausgerichtet. Es hat Stammkunden in ganz Deutschland, die meisten Bestellungen kommen aber aus der Region.

Buxtehuder Rösterei setzt auf das gewohnte Sortiment

Eine Auswahl gibt es außerdem lose bei Tante Trude in Buxtehude sowie im Stader Fachmarkt. Kunden können ihre Kaffee-Bestellung auch in den Lose-Laden im Stackmann-Haus liefern lassen statt per Versand. Ihren Neu Wulmstorfer Kunden bringt Irina Becker den Kaffee sogar per Rad an die Tür. Beckers wollen es klein und familiär halten.

Die Kunden bekommen das gewohnte Sortiment, nur die Verpackung hat sich geändert.

Die Kunden bekommen das gewohnte Sortiment, nur die Verpackung hat sich geändert. Foto: Weselmann

Die Nachfolger haben nichts verändert. Nur die Verpackung ist neu. Das fast vollendete erste Jahr stand im Zeichen des Kennenlernens der Sorten und Mischungen. An der Qualität des Rohkaffees wollen sie auf keinen Fall rütteln. Iwersen setzt dabei auf Direkt-Fair-Importe, die Kaffeebauern auch bessere Handelsbedingungen ermöglichen.

Vorrangiges Ziel ist, Kaffee-Liebhaber vor Ort zu versorgen. „Die Leute sollen einfach wissen, dass es weiter Iwersen Kaffee aus Buxtehude gibt und der immer noch so gut schmeckt wie gewohnt“, so Irina Beckers Wunsch.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel