TNeuer Hausarzt in Ahlerstedt zwischen Euphorie und Sorge
Seit Frühjahr der neue Hausarzt in Ahlerstedt: Max Plötzke (links) mit Bürgermeister Uwe Arndt. Foto: P. Meyer
Er fühlt sich wohl in Ahlerstedt: Hausarzt Max Plötzke eröffnete im Frühjahr die Praxis A3. Doch ein kürzlich in Kraft getretenes Gesetz bereitet ihm Sorge.
Ahlerstedt. Mit der Hausarztpraxis A3 hat Ahlerstedt einen neuen Allgemeinmediziner - den dritten im Ort. Seit Frühjahr kümmert sich Max Plötzke gemeinsam mit seinem Team um die Bürgerinnen und Bürger der Geest-Gemeinde. Den Grundstein dafür legte diese bereits vor rund acht Jahren.
Vision umgesetzt: Ahlerstedt war früh dran
„2018 haben wir angefangen, über einen derartigen Gesundheitscampus nachzudenken“, erinnert sich Ahlerstedts Bürgermeister Uwe Arndt. 2020 seien die Pläne konkret geworden. Am Großen Damm 5 sei die Vision dann Stück für Stück umgesetzt worden: unter anderem mit einer Physiotherapiepraxis, einem ambulanten Pflegedienst und nun auch der neuen Hausarztpraxis. „Für eine dörfliche Region ziemlich gut“, freut sich Arndt.

Seit Frühjahr der neue Hausarzt in Ahlerstedt: Max Plötzke. Foto: P. Meyer
Gefunden hat die Gemeinde Max Plötzke über Umwege. Eigentlich sollte ein anderer Hausarzt seine Praxis hier eröffnen, doch der sprang ab und zog sich im Zuge der Corona-Pandemie aus Ahlerstedt zurück. Max Plötzke übernahm 2022 dessen Patienten unter dem Dach der Praxis Dr. med. Nicole Lenzi-Sommer. Ein ganz neues Gesicht ist der gebürtige Hamburger also nicht in Ahlerstedt.
Zuvor absolvierte Plötzke eine Ausbildung zum Rettungsassistenten in Buxtehude und anschließend das Medizinstudium. Im Februar hat Plötzke seine erste eigene Niederlassung bezogen.
Vorsorge im Fokus
Das Angebot der Praxis A3 verfolgt ein ganzheitliches, vorsorgebasiertes Konzept, für Patienten von jung bis alt. „Wir haben hier diagnostisch alle Möglichkeiten“, erklärt Max Plötzke. Als Allgemeinmediziner sei er der erste Ansprechpartner seiner Patienten.
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Von der Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen über kleinere chirurgische Eingriffe bis hin zu Langzeit-EKG, Hautkrebs-Screening oder Lungenfunktionsdiagnostik kann Plötzke vieles anbieten. Damit würden den Patienten Wege erspart - denn eine Überweisung zum Facharzt sei nicht immer notwendig, und auch Rettungsdienste und Krankenhäuser könnten so entlastet werden, erklärt Max Plötzke.
„Wir begleiten als Hausarztpraxis ganze Familiendynamiken“, sagt Plötzke. „Und wir wollen, dass die Leute lange fit bleiben.“ Das sei gerade auf dem Land wichtig, damit die Gemeinschaft funktioniere: Schließlich sei hier die Zahl der pflegenden Angehörigen besonders hoch. „Wir haben einen riesigen Mehrwert durch die neue Praxis“, betont auch Uwe Arndt.
Hausärzte sorgen sich um neues Gesetz
Aktuell ist Max Plötzke, neben zwei Angestellten, der einzige Arzt in der Praxis A3. Für mehr wäre Platz - auch die Genehmigung für zwei Auszubildende habe er. „Das Potenzial hier ist enorm“, so Plötzke. Weiter in die Zukunft zu planen, sei derzeit aber schwierig: Kürzlich ist das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz in Kraft getreten. Das bereitet ihm Sorgen.
Darum ist die Koordination zwischen Arztpraxen so schwierig
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Das Gesetz soll die Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen stabilisieren. Dafür zielt die Reform auch auf die Vergütung im Gesundheitswesen: Steigen die Einnahmen der Krankenkassen nur wenig, dürfen auch die Honorare der Ärzte nur wenig steigen, selbst wenn die laufenden Praxiskosten durch die Inflation deutlich stärker zulegen.

Seit Frühjahr ist die Hausarztpraxis A3 Am Großen Dann geöffnet. Foto: P. Meyer
Für Max Plötzke ist das eine besorgniserregende Entwicklung. Denn die Einnahmen der Praxis müssen unter anderem auch Personal, Miete, Geräte, Wartung, Versicherungen, EDV und Labor decken. Nur was übrig bleibe, bilde das Gehalt des Praxisinhabers - von dem dann noch Steuern, Kranken- sowie Rentenversicherungsbeiträge bezahlt werden müssen.
Steigen die Kosten schneller als die Vergütung, könnten Hausarztpraxen zunehmend unter Druck geraten, erklärt Plötzke. Er befürchtet, dass zukünftig deutlich weniger Leistungen vergütet werden könnten und Praxen ihr Angebot daher einschränken müssen.
Hausarzt geht 2027 in den Ruhestand: Nachfolge noch offen
Dabei ist der Bedarf gerade auf dem Land groß. Praxisneugründungen gibt es heute bereits immer weniger. Weniger Einnahmen bei steigenden Kosten würden es zukünftig nur schwerer machen, junge Ärzte für eine Niederlassung auf dem Land zu gewinnen. Auch in Ahlerstedt steht 2027 ein Generationswechsel bevor: Dr. Matthias Parpart wird im Frühjahr in den Ruhestand gehen. Für seine Nachfolge gebe es bereits gute Gespräche, erklärt Uwe Arndt. Spruchreif sei allerdings noch nichts.
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Abschrecken lassen will Max Plötzke sich von dem neuen Gesetz trotzdem nicht. Er wolle lange in Ahlerstedt bleiben, betont der junge Arzt. Und er hat noch eine gute Nachricht: „Wir nehmen auch noch Patienten auf.“
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