TNeues Wasserwerk im Kreis Stade: Antworten auf die wichtigsten Fragen
Spatenstich für den Neubau des Wasserwerks des Trinkwasserverbands Stader Land in Dollern: Jörg Meyer, Knut Willenbockel, Ralf Burghartz, Hans-Werner Hinck, Kai Seefried und Vanessa Fischer greifen zur Schaufel (von links). Foto: Vasel
Der Trinkwasserverband Stader Land steckt Millionen in ein neues Wasserwerk in Dollern. Das TAGEBLATT beantwortet die wichtigsten Fragen.
Dollern. Fast 30 Millionen Euro wird der Trinkwasserverband (TWV) in Dollern unter anderem in ein neues Wasserwerk am Immengrund investieren. Symbolisch griffen TWV-Geschäftsführer Ralf Burghartz und TWV-Verbandsvorsitzender Hans-Werner Hinck am Donnerstag mit Jörg Meyer vom Ingenieurbüro Lührs aus Bremen und Bauleiterin Vanessa Fischer von Beton- und Monierbau aus Nordhorn zur Schaufel. Landrat Kai Seefried (CDU) und Samtgemeindebürgermeister Knut Willenbockel assistierten.
Blick auf den Neubau des Wasserwerks in Dollern im Jahr 2029. Foto: Lührs
Der Neubau sichere die Wasserversorgung, so Seefried. Die Hitzetage werden aufgrund des Klimawandels zunehmen. Der Bedarf wächst - vor allem durch mehr Einwohner.
Laut Wasserbedarfsprognose müsste der TWV mittelfristig bis zu elf Millionen Kubikmeter fördern, eine Million mehr als aktuell. Die drei Wasserwerke - neben Dollern sind das Himmelpforten und Heinbockel - versorgen knapp 136.000 Menschen im Kreis Stade, mit Ausnahme der Kernbereiche der Hansestädte Stade und Buxtehude, mit Trink- und Betriebswasser.
1. Was plant der Trinkwasserverband?
Südlich des 1958/1959 errichteten Wasserwerks entsteht am Immengrund ein 25 Millionen Euro teurer Neubau. Damit nicht genug. Fünf weitere Brunnen werden gebohrt. Aktuell gibt es 23 Trinkwasserbrunnen entlang des Geesthanges - zwischen Dollern und Agathenburg und im Agathenburger Moor. Wasser wird aus einer Tiefe von bis zu 80 Metern gefördert. Hinzu komme ein neues Schlammbecken.
Außerdem wird ein Notstromaggregat für rund 1,6 Millionen Euro installiert. Der TWV will für Stromausfälle gerüstet sein.
Einige der Tiefbrunnen in Dollern sollen mit Blick auf den Kriegs- und Katastrophenschutz sowie Stromausfall nach Unwettern wie Stürmen, Gewittern, heftigem Schneefall oder Cyberangriffen (Blackout) an die Notstromversorgung angeschlossen werden.
2. Was ist am Immengrund bereits zu sehen?
Das Bauschild steht. Aktuell wird eine Baustraße durch die Feldmark gebaut - von der B73 bis zur Baustelle. Der Wald ist bereits gerodet.

Die Baustraße führt von der B73 zur Baustelle am Immengrund. Foto: Vasel
Ein 6000 Quadratmeter großer Wald wird als Ausgleich bei Heinbockel angelegt.
3. Wie lange dauerte die Planung?
2018/2019 gab es Versorgungsengpässe. In Harsefeld und Apensen sind deshalb erste Speicherbehälter ans Netz gegangen, um auf der Stader Geest durch ausreichend Druck und Wasser - seit 2025 - die Versorgung der Haushalte und der Gewerbebetriebe zu sichern.
Trinkwasserverband
T Wald weicht Technik: Bau des Wasserwerks in Dollern steht kurz bevor
Im Jahr 2020 beschloss der Verbandsausschuss, ein neues Wasserwerk in Dollern zu errichten. Anfang 2022 beauftragte der Verband das Ingenieurbüro Lührs mit der „hochkomplexen Planung“. Unter anderem musste das Grundwasser untersucht werden, um die richtige Aufbereitungstechnik installieren zu können. Im Dezember 2024 lag der Entwurf vor.
Der Verbandsvorsitzende Hans-Werner Hinck lobt bei dem Spatenstich die „zügige Bearbeitung des Bauantrags“ im Kreishaus. Dieser war im Januar 2025 vom TVW gestellt worden, bereits im Januar 2026 lag die Baugenehmigung vor.
4. Wie ist der Zeitplan?
2000 Kubikmeter Oberboden werden jetzt abgetragen. Das Wasserwerk wird in Massivbauweise entstehen.

Blick in die Anlagen des neuen Wasserwerks in Dollern. Foto: Lührs
Der Rohbau soll 2027 stehen, danach werden Anlage- und Elektrotechnik installiert. Laut TWV-Geschäftsführer soll das neue Werk voraussichtlich Ende 2028 fertig sein.
Anfang 2029 soll laut TWV die Inbetriebnahme und die „Einlaufphase“ des neuen Werkes erfolgen. Die „Biologie“ in den Filtern müsse sich einstellen. Somit könne das neue Wasserwerk im dritten Quartal 2029 ans Trinkwassernetz gehen.
5. Was leistet das neue Wasserwerk?
Im Volllastbetrieb können in Zukunft fast 950 Kubikmeter in der Stunde zu Trinkwasser aufbereitet werden - um die 20.000 Kubikmeter am Tag. Das ist das Doppelte des Tagesbedarfs. Die Menge lässt sich über das geltende Wasserrecht abbilden.

2000 Kubikmeter fasst der neue Reinwasserbehälter des Trinkwasserverbands Stader Land. Foto: Lührs
Im Untergeschoss wird ein riesiger Wasserbehälter eingebaut - aus wasserundurchlässigem WU-Spezialbeton. Das Volumen beträgt 2000 Kubikmeter. Insgesamt könnten so 10.000 Kubikmeter, die alten Behälter werden weitergenutzt, am Standort Dollern zwischengespeichert werden.
6. Wie funktioniert die Aufbereitung?
In Dollern wird sehr altes, reduziertes Grundwasser mit einem hohen Anteil an Eisen, Mangan, Ammonium und auch Methan gefördert. Das Grundwasser wird deshalb zuerst durch die Umgebungsluft mit Sauerstoff angereichert und dann mittels Quarzsand in einer offenen Filteranlage gefiltert - bestehend aus sechs parallelen Filterstraßen.
7. Gibt es eine Förderung für den Neubau?
Ja. Das Bundesumweltministerium honoriert die Energieeinsparungen durch den Neubau. Für die neue Wasseraufbereitungsanlage gibt es 5,4 Millionen Euro aus Berlin.

Blick auf das alte und neue Wasserwerk in Dollern. Foto: Vasel
Die neue Anlage benötige mehr als 20 Prozent weniger Energie. Der Clou: Das Rohwasser wird im Neubau „im Freigefälle“ durch Filter- und Belüftungsanlagen ohne Einsatz von Zwischenpumpen fließen. Das spare viel Energie. Auf dem Gründach wird eine 130-kWp-Photovoltaikanlage installiert.
8. Ist Dollern für eine Cyberattacke oder Stromausfall gerüstet?
Trotz modernster Technik kann die Anlage bei Ausfall der Steuerungstechnik per Hand betrieben werden. Burghartz: „So wird die Wasserversorgung auch in einem Katastrophenfall sichergestellt.“

Landrat Kai Seefried (CDU) überreicht TWV-Geschäftsführer Ralf Burghartz einen Bauhelm mit Landkreis-Stade-Wappen (von rechts). Foto: Vasel
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