TNeues Zuhause gesucht: Veterinäramt versteigert 26 beschlagnahmte Pferde
26 Pferde, Ponys, Esel und Mulis werden vom Landkreis Rotenburg nach einer Beschlagnahmung versteigert. Foto: Kreib
Nach einer Fortnahme lässt der Landkreis Rotenburg 26 Pferde, Ponys, Esel und Mulis versteigern. Das Verfahren wird in den sozialen Medien hitzig diskutiert.
Landkreis Rotenburg. Um 8.30 Uhr fahren am Dienstag, 15. September, auf einem Hof in der Gemeinde Scheeßel Mitarbeiter des Veterinäramts Rotenburg, sechs Polizisten und vermutlich noch viele andere Akteure vor. Als sie wieder abziehen, sind 26 Pferde, Ponys, Mulis und Esel verladen. Die werden am kommenden Freitag, 9. Oktober, auf einer Auktion versteigert. Das Veterinäramt hält sich in diesem laufenden Verfahren bedeckt. In den sozialen Medien geht es dagegen hoch her: Die Reaktionen reichen von „hoffentlich bekommen die Tiere eine Chance“ bis zu Attacken auf den Landkreis, weil die Beschlagnahmung nicht legal gewesen sein soll.
Jenseits aller emotionalen Aussagen auf Facebook ist eins Fakt: Bevor ein Veterinäramt Tiere beschlagnahmt – noch dazu in so großer Zahl –, muss es eine lange Vorgeschichte geben. „In allen Fällen, bei denen es zu einer Fortnahme von Tieren kommt, überlegt sich das Team im Veterinäramt genau, ob diese Maßnahme zu diesem Zeitpunkt als notwendig und angemessen erachtet wird. Alle angeordneten Maßnahmen unterliegen im Fall einer Klage der gerichtlichen Prüfung“, heißt es auf Nachfrage der „Mediengruppe Kreiszeitung“ von der Pressestelle des Landkreises Rotenburg. Die Pferdeszene in der Region ist untereinander gut vernetzt. Dort ist informell zu hören, dass diese Entwicklung keine große Überraschung gewesen sein soll.
26 Tiere stehen auf der Liste für die Auktion
Und so kommt es, dass am Freitag in Hamersen Hannoveraner, Freiberger, Rheinländer, Haflinger, Lipizzaner, Tinker, aber auch Esel und Mulis gegen das höchste Gebot versteigert werden. Insgesamt 26 Tiere stehen auf der Liste für die Auktion. Größtenteils handelt es sich um ältere Pferde oder Ponys. Für manche liegt ein E-Pass vor, für andere nicht, sondern wird beantragt. Eigentumsurkunden gibt es für kein Pferd, keinen Esel und kein Pony. Bei einigen der Tiere sind Alter und Abstammung bekannt, bei anderen nicht. Die Auktionsliste weist bei manchen auch auf Beeinträchtigungen hin: Kissing Spines, ein schmerzhaftes Problem der Brust- und Lendenwirbelsäule, oder in einem anderen Fall Cushing, eine Stoffwechselerkrankung beim Pferd. Welchen Ausbildungsstand die 26 haben, ist den Unterlagen nicht zu entnehmen. Mutmaßlich dürfen sie auf ein gutes Leben als Beisteller hoffen.

Warum die Tiere beschlagnahmt wurden, sagt der Landkreis nicht. Ihre lebensnotwendige Versorgung, etwa mit Heu oder Heulage, dürfte vermutlich nicht optimal gewesen sein. Foto: Kreib
Dass diese Beschlagnahmung gänzlich unterschiedlich gesehen und bewertet wird, überrascht im Veterinäramt nicht: „Dass es hierbei zwischen den Parteien unterschiedliche Ansichten gibt, liegt in der Natur der Sache“, schreibt die Pressestelle. Jede Aktion sei letztlich anders und bedürfe einer individuellen Vorbereitung. „Wie viele Tiere sind es? In welchem Zustand befinden sie sich? Wo können sie erst einmal artgerecht untergebracht werden? Welche Transportkapazitäten werden benötigt?“
Die Polizei leistete Amtshilfe
Zur Vorbereitung gehörte in diesem Fall auch, dass die Polizei Amtshilfe geleistet hat. Mit sechs Einsatzkräften sei die Polizei vor Ort gewesen, erklärt die Pressestelle der Polizei Rotenburg. Zuerst seien die Betroffenen „uneinsichtig“ gewesen, hätten dann aber beim Verladen geholfen, so der Einsatzbericht. Probleme hat es nicht gegeben. Dass die Polizei von Anfang an hinzugezogen worden ist, begründet der Landkreis mit der emotional sehr belastenden Situation für die betroffenen Halter. Die Pressestelle erinnert daran, dass 2017 ein Amtstierarzt im Kreis Cuxhaven bei einer solchen Aktion niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt worden ist. Bei allen Fortnahmen wird daher die Polizei hinzugezogen.
Die Versteigerung wird von Wiegand & Wegener vorgenommen. Auf Nachfrage der Redaktion erklärt Katharina Wiegand, dass eine solch große Zahl an Tieren auf einer Auktion nach einer Beschlagnahmung eher selten sei. Grundsätzlich sei geplant, dass die neuen Besitzer direkt nach dem Kauf die Tiere verladen und mitnehmen. In Einzelfällen sei vielleicht eine Absprache möglich, ob die Ponys und Pferde noch eine kurze Zeit lang auf dem Hof in Hamersen bleiben können. Wiegand betont auch, dass alle Tiere bis zu einem erfolgreichen Verkauf im Eigentum des Landkreises sind und bleiben.
Wenn nicht alle Pferde verkauft werden, bleiben sie erst einmal in Hamersen. „In der Unkalkulierbarkeit einer Zukunft ist natürlich nicht klar, ob alle Pferde am nächsten Freitag ein neues, angemessenes Zuhause finden werden. Ist das nicht der Fall, werden sich Möglichkeiten finden. Erst einmal könnten die Tiere bleiben. Es wird dann individuell geschaut, wo ein Problem lag und wie und wo man gezielt für dieses Tier nach einem neuen Besitzer schauen kann“, sagt der Landkreis. Wichtig für Interessenten: Die Möglichkeiten einer Untersuchung (kleine AKU) im Rahmen der Besichtigung sind eingeschränkt möglich, teilt die Kreispressestelle mit.
Pferdeversteigerung sorgt für Diskussionen
In den sozialen Medien sorgt die Ankündigung der Pferdeversteigerung gegen Höchstgebot für eine kontroverse Diskussion. Zahlreiche Nutzer äußern die Sorge, die Tiere könnten nach der Versteigerung in die Hände von Händlern oder Schlachtern gelangen. Kritisiert werden zudem das Höchstgebotsverfahren sowie angeblich fehlende Kontrollen der künftigen Halter. Andere Kommentatoren betonen dagegen, dass die Tiere aus einer verwahrlosten Haltung stammen sollen, und begrüßen das Eingreifen des Veterinäramts.
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Ferner werden in den Kommentaren Zweifel an den Eigentumsverhältnissen einzelner Tiere sowie an der Rechtmäßigkeit des Verfahrens geäußert. Belege für diese Vorwürfe werden jedoch nicht vorgelegt. Viele Nutzer wünschen sich stattdessen eine Vermittlung der Tiere über Tierschutzorganisationen und eine stärkere Kontrolle der neuen Besitzer.
Kontrolle findet statt, heißt es vom Landkreis: „Hinsichtlich potenzieller neuer Besitzer schaut sich das Veterinäramt an, um wen es sich handelt. Dieser muss eine Selbstauskunft ausfüllen, in der er unter anderem versichert, dass eine tierschutzkonforme Unterbringung ermöglicht werden kann, er über die finanziellen Mittel verfügt und das Tier auch zukünftig versorgen kann. Da Papier sprichwörtlich geduldig ist, wird der Landkreis Rotenburg die Veterinärämter der Landkreise der neuen Besitzer über den Kauf informieren.“ Bleibt zu hoffen, dass Wanda, Socke, Struppe, Bibi und ihre Artgenossen ein gutes, neues Zuhause bei erfahrenen Pferdemenschen finden. (RK)
Die Auktion
Die Versteigerung findet am Freitag, 9. Oktober, in Hamersen am Leischweg 4 statt. Die Pferde können ab 14 Uhr besichtigt werden, die Auktion beginnt um 16 Uhr. Eine Registrierung ist im Vorfeld notwendig. Entweder am Tag der Versteigerung oder vorab per Mail unter mail@wiegand-wegener.de. Name, Adresse und ein Scan des Personalausweises sind dafür erforderlich. Die Versteigerung erfolgt gegen Barhöchstgebot oder Sofortüberweisung.
Weitere Informationen über den Termin und die Tiere unter www.wiegand-wegener.de.
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