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Hospiz-Patient

TNoch einmal aufs Meer: Der letzte große Wunsch von Thomas Lippert

Wünschewagen-Fahrgast Thomas Lippert mit Bezugspflegerin Kathrin Buck.

Wünschewagen-Fahrgast Thomas Lippert mit Bezugspflegerin Kathrin Buck. Foto: ASB Wünschewagen

Thomas Lippert (66) aus Bremervörde ist schwer an Krebs erkrankt. Ihm bleibt vermutlich nicht mehr viel Zeit. Mit dem Kutter „Claudia“ ging es hinaus aufs Meer.

Von Redaktion Donnerstag, 11.06.2026, 08:00 Uhr

Bremervörde. Der ASB-Wünschewagen hat es dem Palliativpatienten ermöglicht, noch einmal in See zu stechen. Mit dem Kutter „Claudia“ ging es für Thomas Lippert entlang der Wurster Nordseeküste. Eine wahrlich maritime Wunschfahrt.

Meeresluft macht hungrig – die alte Weisheit wird an diesem besonderen Tag mehr als bestätigt: Kaum steuert die „Claudia“, der wunderschöne Holzkutter, wieder den Wremer Hafen an, hat Palliativpatient Thomas Lippert richtig Kohldampf. Er will unbedingt etwas essen. Das sieht am Morgen seiner Wunschfahrt noch ganz anders aus. Da nämlich mag er nichts, aber auch wirklich gar nichts zum Frühstück.

Bezugspflegerin Kathrin trägt Thomas‘ Wunsch an den ASB

Thomas Lippert bringt keinen Bissen herunter. So aufgeregt ist er. Voller Vorfreude! Schließlich kann er sich noch einen ganz, ganz großen Herzenswunsch erfüllen: Wenigstens einmal im Leben mit einem echten Kutter fahren. Davon träumt der 66-Jährige schon lange. Er konnte sich diesen Wunsch aus verschiedenen Gründen nie erfüllen.

Thomas Lippert mit Crew und Wunscherfüllerinnen vor dem Kutter „Claudia“.

Thomas Lippert mit Crew und Wunscherfüllerinnen vor dem Kutter „Claudia“. Foto: ASB Wünschewagen

Jetzt, wo er im Hospiz zwischen Weser und Elbe lebt, hat er seiner Bezugspflegekraft Kathrin Buck von seinem Traum erzählt. Die zögert nicht lange, sondern holt den Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes Niedersachsen (ASB) buchstäblich mit ins Boot.

Innerhalb weniger Tage organisiert das Wünschewagen-Team aus Hannover eine Kutterfahrt, heuert mit René Schmidt und seiner Mannschaft von „Direkt vom Kutter“ an der Wurster Nordseeküste eine großartige Crew an. Exklusiv legt die „Claudia“ schließlich mit Thomas ab. Der Pott geht auf eine zweistündige Tour bis zu den Containerschiffen in Bremerhaven.

Eine Flaschenpost als Gruß von einem Traumtrip

Vorbei am Leuchtturm „Kleiner Preuße“ und an Krabbenkuttern geht es gleitend durch die plätschernden Wellen. Die Gischt spritzt dem schwerstkranken Hospizgast ins Gesicht. Der genießt jeden Moment in vollen Zügen. Thomas Lippert schaut aufs Wasser. Zum Horizont. Er hat einen zutiefst zufriedenen Gesichtsausdruck. Dann schreibt er mit den beiden ehrenamtlichen ASB-Wunscherfüllerinnen Steffi Täubert und Bärbel Harjes eine Flaschenpost.

Die beiden ASB-Frauen begleiten ihn auf seinem Traumtrip. Sie kümmern sich um seine medizinisch-pflegerische Versorgung. Er lässt sich von ihnen ein Taschentuch für die Freudentränen reichen – und in den Arm nehmen, als die Gefühle übermächtig werden. „Hoch im Norden“ von der Band Santiano ertönt dazu aus den Lautsprechern der „Claudia“. Ein echter Gänsehautmoment.

Ins Restaurant „Wremer Fischstube“ geht es nach der Kutterfahrt noch. Der Gastronomiebetrieb öffnet extra für die besondere Reisegruppe. Schließlich macht Meeresluft hungrig. Und ein erfüllter letzter Wunsch glücklich. (st)

ASB-Wünschewagen

Thomas Lipperts Reise war bereits die 716. Wunschfahrt des niedersächsischen ASB-Wünschewagens. Seit 2017 erfüllen die Samariter mit ihrem Ehrenamtsprojekt die letzten Wünsche von Sterbenden. Die Touren führen die besonderen Reisenden auf letzte Wunschwege – wenn der gesundheitliche Zustand es erfordert, auch im Rollstuhl oder mit Beatmungsgerät und Magensonde.

Das Fahrzeug ist ein „Krankenwagen in gemütlich“ und gänzlich auf die speziellen Bedürfnisse der Gäste konstruiert: Ausgestattet ist er unter anderem mit notfallmedizinischer Ausstattung, speziellen Stoßdämpfern, einer Musikanlage und einem harmonischen Arrangement aus Licht und Glas, das die „Reise“ zum Wohlfühl-Erlebnis werden lässt.

Das Projekt finanziert sich ausschließlich über Spenden und ASB-Mitgliedsbeiträge und wird ermöglicht durch das Engagement freiwilliger Wunscherfüllerinnen und Wunscherfüller – qualifizierte medizinische Fachkräfte –, die die Fahrten begleiten. Reisenden und ihren vertrauten Begleitpersonen entstehen keine Kosten.

Mehr unter www.wünschewagen-niedersachsen.de

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