T„Nur Deutsch“: Dieses Schild sorgt für Rassismus-Vorwürfe
„Wir sprechen leider nur Deutsch!“ Eine ungewöhnliche Begrüßung am Eingang zum Gewoba-Kundencenter in Bremerhaven. Foto: Scheschonka
Im Internet wird heiß diskutiert, über ein Empfangsschild der Gewoba in Bremerhaven. Das Wohnungsunternehmen erklärt sich.
Bremerhaven. „Wir sprechen leider nur Deutsch!“, steht auf einem Schild vor einem Gewoba-Kundencenter im Columbus-Center in Bremerhaven. Daneben findet sich derselbe Hinweis auf Englisch: „Sorry, we only speak German!“
Was für manche wie eine sachliche Information über die Sprachkenntnisse der Mitarbeiter wirkt, hat im Internet eine kontroverse Diskussion ausgelöst. „Ist das Rassismus?“, fragt ein Nutzer auf der Plattform Threads. Unter seinem Beitrag gehen die Meinungen auseinander – von Verständnis für den Hinweis bis hin zu deutlicher Kritik an der Botschaft.
Einige Nutzer bezweifeln zunächst sogar die Echtheit des Fotos. Nach Überprüfung durch die „Nordsee-Zeitung“ steht jedoch fest: Das Schild steht tatsächlich vor der Gewoba-Filiale im Columbus-Center. Innerhalb kurzer Zeit sammeln sich unter dem Beitrag fast 800 Kommentare.
Auch kein Englisch? Vorwürfe und „Likes“
Viele Kommentierende sehen in dem Schild keinen Anlass für Rassismusvorwürfe. „Es dient lediglich als Info, dass die niemanden dort haben, der andere Sprachen spricht“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer reagiert auf die Debatte mit der Frage: „Du weißt schon, was Rassismus ist?“ Auch die Auffassung, Deutsch müsse in Deutschland die selbstverständliche Sprache im Kundenkontakt sein, findet Zustimmung. „In Deutschland wird Deutsch gesprochen, und das ist richtig“, heißt es in einem Kommentar.
Andere Nutzer stören sich dagegen an der Formulierung. „Englisch sollte ja wohl Standard sein. Oh Mann“, schreibt einer. Ein weiterer kritisiert: „Englisch ist die Weltsprache, wenigstens die sollte auch in Deutschland Standard sein.“ Auch der Vorwurf, die Botschaft sei ungeschickt formuliert, steht im Raum: „Der PR-Berater oder Ersteller dieses Plakates versteht leider sein Handwerk nicht.“ Ein anderer Nutzer bewertet das Schild grundsätzlich anders: „Die ganzen Kommentare hier sind wohl ein Witz? Ich fasse es auch als Rassismus auf.“
Das sagt die Gewoba zum „Nur Deutsch“-Schild
Aber was sagt die Gewoba selbst zu dem Schild, das im Netz die Meinungen spaltet? „Das Schild wurde angebracht, um Besucherinnen und Besucher bereits beim Betreten unseres Kundenbüros darüber zu informieren, dass unsere Beratung auf Deutsch erfolgt“, erklärt Sylvia Schikker, Sprecherin der Gewoba. Als Anlass nennt sie einzelne Situationen, in denen sich die Verständigung schwierig gestaltete – etwa bei Anliegen, die eine genauere oder fachliche Erklärung erforderten.
Solche Situationen haben auf beiden Seiten zu Unzufriedenheiten geführt. Ergänzend zu dem Schild liegt zudem ein mehrsprachiges Informationsblatt aus. „Sie bittet Besucherinnen und Besucher in ihrer jeweiligen Sprache, eine übersetzende Person zum Gespräch mitzubringen, damit wir ihr Anliegen ausführlich und verständlich besprechen können“, so Schikker. „Uns ist bewusst, dass die Situation nicht optimal ist und sprachliche Verständigung auch auf andere Weise unterstützt werden kann.“
Schild soll nicht ausschließend wirken
Derzeit werde zudem die Mieter-App optimiert und überprüft, ob man diese mehrsprachig anbieten könne. Auch der geplante Einsatz von KI soll dabei unterstützen, Anfragen in verschiedenen Sprachen zu bearbeiten.
„Die Englischkenntnisse unserer Mitarbeitenden sind unterschiedlich ausgeprägt“, erklärt Schikker weiter. „Eine verlässliche englischsprachige Beratung, vor allem von vertraglichen Fragen wie etwa zum Mietvertrag, können wir derzeit jedoch nicht durchgehend anbieten. Das Schild soll keinesfalls unfreundlich oder ausschließend wirken, sondern transparent über die verfügbaren Sprachmöglichkeiten informieren.“
Die Gewoba (GEWOBA Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen) ist ein großes Wohnungsunternehmen mit Sitz in Bremen. Sie ist mehrheitlich kommunal geprägt und vermietet Wohnungen in Bremen und Bremerhaven. Neben der Vermietung und Verwaltung von Wohnraum engagiert sich das Unternehmen auch im Wohnungsbau und in der Stadtentwicklung.
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