TOhne sie geht nichts: Das würde in Horneburg ohne Ehrenamtliche fehlen
Geballtes Ehrenamt: Rund 135 Engagierte aus der Samtgemeinde haben sich für eine Fotoaktion getroffen. Foto: Freiwilligenzentrum SG Horneburg
Demokratie ohne engagierte Menschen funktioniert nicht. Der Ehrentag am 23. Mai feiert genau diese Menschen. Was Ehrenamt in Horneburg ausmacht, verrät Louisa Hielscher vom Freiwilligenzentrum.
TAGEBLATT: Es gibt ja unendlich viele Ehrenämter. Was genau macht ein Ehrenamt denn aus?
Louisa Hielscher: Zunächst ist es eine unentgeltliche und uneigennützige Tätigkeit für das Gemeinwohl. Im Ehrenamt geht es vorrangig darum, sich aktiv einzubringen. Dazu zählt natürlich die Mitarbeit in Vereinen oder Initiativen.

Ein Paradebeispiel für das Ehrenamt ist die Nottensdorferin Elisabeth Alpers-Janke, die für ihr Engagement kürzlich das Bundesverdienstkreuz erhielt. Foto: Landkreis Stade / Nina Dede
Viele wissen gar nicht, dass sie ein Ehrenamt ausüben. Etwa wenn jemand Kuchen für das Vereinsfest backt, ist das ein Ehrenamt.
Gibt es eine bestimmte Lebensphase, in der sich Menschen besonders oft fürs Ehrenamt entscheiden?
Ehrenamt hat etwas damit zu tun, dass Menschen etwas zurückgeben wollen. Beispielsweise, wenn sie ein gutes Leben hatten und es ihnen im Alter finanziell und gesundheitlich gut geht. Mich erreichen im Freiwilligenzentrum viele Anfragen von Menschen, die nach einem Ehrenamt suchen.
Wie viele Menschen engagieren sich aktuell in der Samtgemeinde Horneburg?
Es gibt gut 100 Vereine und Initiativen in der ganzen Samtgemeinde, in denen sich bestimmt 1000 Menschen engagieren. Ich gehe aber von noch weit mehr abseits der Vereine aus.
Am 9. Mai hatte das Freiwilligenzentrum zu einer besonderen Fotoaktion aufgerufen. Was war die Absicht dahinter?
Mit der Aktion sollte ganz bewusst eine Botschaft vermittelt werden: Ehrenamt muss nicht perfekt sein. Entscheidend ist, dass Menschen sich einbringen – mit ihrer Zeit, ihren Ideen und ihrer Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Genau dieses Engagement stärkt Gemeinschaft, Gemeinwohl und Demokratie.
Gleichzeitig bot die Fotoaktion eine schöne Gelegenheit, die Vielfalt des Ehrenamtes sichtbar zu machen. Die Teilnehmenden engagieren sich in ganz unterschiedlichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, sogar mit mehreren Ehrenämtern gleichzeitig.
Immer wieder hört man aus Vereinskreisen, dass sie Probleme haben, Nachwuchs zu finden. Woran liegt das?
Ich sehe aktuell eine Tendenz, dass sich insbesondere jüngere Menschen eher kurzfristig bei Projekten engagieren. Beruf und Familie bringen viel Belastung mit sich.
Dann noch ein zeitintensives Ehrenamt zu übernehmen, ist für viele nicht mit ihrer Work-Life-Balance vereinbar. Höchstens sporadisch, wenn irgendwo mal ein Kuchen gebraucht wird. Aber nichts Verbindliches.
Was hat das für Auswirkungen für die Vereine?
Vereine haben große Schwierigkeiten, Vorstände zu besetzen. Das könnte an der Verbindlichkeit liegen, die solch ein Amt mit sich bringt.
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Es gibt aber auch noch viele Menschen, die als stabiler Kern aktiv bleiben. Nach meiner Erfahrung bleiben Ältere länger treu.
Ehrenamt begegnet uns im Alltag überall. Würden Sie sagen, es ist selbstverständlich, dass Menschen sich engagieren?
Ehrenamt darf man nicht für selbstverständlich nehmen. Es sind immer Menschen, die mehr machen als für ihre eigenen Belange und die wollen, dass ihr Ort besser und interessanter wird. Ehrenamt ist ja immer mit Anstrengung verbunden.
Macht es einen Unterschied für einen selbst, ob Familie oder Freunde ehrenamtlich tätig sind?
Das Vorleben etwa in der Familie hat definitiv einen großen Einfluss darauf, ob man sich selbst engagiert. Wenn sich etwa die Eltern beim Kuchenverkauf oder im Verein einbringen, werden die Kinder erfahrungsgemäß meist auch aktiv.
Stellen Sie sich vor, ab morgen würden alle Ehrenämter plötzlich stillstehen. An welchen Stellen würden das die Menschen bemerken?
Überall. Bei jedem Fest, bei öffentlichen Cafés wie im MGH. Es gäbe keine Sporttrainer, keine Vorlese-Oma. Aber auch beispielsweise die Feuerwehren würden wegfallen. Alles, was unsere Gesellschaft liebens- und lebenswert macht, würde fehlen.
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