TOldendorf und die Stromspeicher: Warum der Standort so gefragt ist
Die Luftaufnahme zeigt einen der Solar215-Batteriespeicher. Ein ähnliches Projekt will das Unternehmen auch in Oldendorf im Gewerbegebiet verwirklichen. Foto: Solar215
Oldendorf ist begehrt. Denn Oldendorf hat ein Umspannwerk - und direkt daneben das Gewerbegebiet. Ideal, um große Batteriespeicher zu bauen. Ein Projekt ist schon sehr konkret.
Oldendorf. Das Umspannwerk in Oldendorf an der Sunder Straße ist das einzige in der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten. Es bescherte der Gemeinde etwa zwei Dutzend Anrufe möglicher Investoren, so Thorsten Liebeck von der Verwaltung.
Die Investoren haben Oldendorf als Standort für Batteriespeicher im Blick. Mitunter sei auch viel „heiße Luft“ dabei, sagt Liebeck. Denn: Persönlich vorgestellt haben bisher nur zwei Interessenten ihr Projekt. Eins davon hat bereits eine Baugenehmigung vom Landkreis. Trotzdem wird es noch dauern, bis die Speicher auf einer Gewerbefläche installiert werden.
Acht Container mit Speichermodulen
Warum das so ist, erklärt Christian Bernau. Er ist Geschäftsführer des Unternehmens Solar215 (Solar - Zwo, eins, fünf) aus Hamburg. Das will in Oldendorf einen Batteriespeicher mit 18 Megawatt bauen. Das sind acht Speichermodule in Containergröße, die auf Betonfundamente gesetzt werden.
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Die Speicher werden gebraucht, um die bundesweite Wende zu erneuerbaren Energien abzusichern. Im Prinzip leisten die großen Speicher das, was auch kleine Speicher privater Photovoltaikanlagen machen: Sie sichern überschüssigen Strom, um bei Bedarf darauf zurückgreifen zu können.
Bernau schildert eine solche „Lastspitze“: An einem sonnigen Tag mit Wind liefern Solaranlagen und Windenergie mehr Strom als gebraucht wird. „Der fließt dann in den Speicher. Das entlastet auch das Netz. Abends, wenn die Haushalte dann wieder mehr Strom benötigen, als produziert werden kann, wird der Strom aus dem Speicher eingespeist.“
Günstiger Strom aus Lastspitzen
Daraus resultiert auch das Geschäftsmodell: Der sehr günstige Strom aus den Lastspitzen wird später teurer eingespeist. „Die Differenz ist dann die Marge“, erklärt Bernau, warum sich der Bau von Batteriespeichern für Unternehmen lohnt. Profitieren kann auch die Gemeinde: „Wir können immer nur rückwärts betrachten, aber bei einer Speichergröße von fast 20 Megawatt liegt die Gewerbesteuer im sechsstelligen Bereich“, sagt Bernau.
Gesetzlich geregelt sei dabei, dass 90 Prozent der Gewerbesteuer in der Kommune vor Ort, am Standort des Speichers, bleiben. Zehn Prozent fließen an den Firmensitz. Allerdings sei auch die Gründung einer Projektgesellschaft möglich, so Bernau. Dann könnten auch die restlichen zehn Prozent Gewerbesteuer vor Ort bleiben.
Frühestens Mitte 2027 in Betrieb
Bis Strom in den Speicher und Steuern in die Kasse fließen, wird es aber noch dauern. Bestenfalls „Mitte 2027“ könnte das Projekt fertig sein. „Dafür muss es aber perfekt laufen“, so Bernau. Denn mit der Baugenehmigung ist es nicht getan - vorher muss der Netzzugang genehmigt werden.
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Der Batteriespeicher wird über das Umspannwerk an das Mittelspannungsnetz angeschlossen. Für die Genehmigung ist die EWE zuständig. Der Netzzugang ist beantragt. Aber Bernau weiß, dass die EWE derzeit mit Anfragen überhäuft wird. Für die Stabilität der Netze sind die Speicher allerdings förderlich, weil sie für eine kontinuierliche Entlastung sorgen.
Modul ist so groß wie ein Aktenordner
In den Speichern werden Batteriezellen in Modulen zusammengeschaltet. „Ein einzelnes Modul ist kaum größer als ein Aktenordner, doch viele Hundert aneinandergeschaltet können ganze Dörfer kurzfristig versorgen“, so Solar215.
Die Batterien arbeiten mit Gleichstrom. Damit der ins Netz eingespeist werden kann, wird er in Wechselstrom umgewandelt. Je nach Spannungsebene des Netzanschlusses muss der Strom über einen Trafo auf Mittel-, Hoch- oder Höchstspannung „umgespannt“ werden.
Laut Solar215 versorgt ein Batteriespeicher mit 100-MW-Leistung und 200 MWh Kapazität rechnerisch rund 175.000 Drei-Personen-Haushalte zwei Stunden lang mit Strom.
Ein anderes Speicherprojekt im Kreis Stade
In Ahlerstedt baut die EWE-Tochter be.storaged einen 30-Megawatt-Speicher, den sie mit der Partnerfirma Terra One betreibt. Nach Auskunft einer be.storaged-Sprecherin soll dieser Großspeicher noch in diesem Monat in Betrieb und ans Netz gehen.

Ein symbolischer Stecker steht auf dem Gelände eines neuen Batteriegroßspeichers in Bollingstedt. Wesentlich kleiner ist das Projekt, das die Firma Solar215 in Oldendorf bauen will. Foto: Frank Molter/dpa
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