TOste-Ufer sorgt für Streit zwischen Verband und Landkreis
Die einzige Möglichkeit, der wuchernden Weiden entlang der Oste Herr zu werden, ist nach Ansicht des Geschäftsführers des Unterhaltungsverbands der Einsatz eines Schwimmbaggers. Foto: Meyer
Von Jahr zu Jahr hat der Verband Obere Oste mehr Aufwand, um das 543 Kilometer lange Gewässernetz zu unterhalten. Jetzt soll sogar geklagt werden. Die Hintergründe.
Zeven. Auch wenn das Wetter keine Kapriolen geschlagen hat und es nicht zu anhaltendem Hochwasser gekommen ist, so hatte der Unterhaltungsverband Obere Oste im zurückliegenden Jahr doch nicht weniger zu tun. Denn der Aufwuchs in den Gewässern nimmt von Jahr zu Jahr zu. Darauf verwies Verbandsgeschäftsführer Wilhelm Meyer anlässlich der Vorstands- und Ausschusssitzung dieser Tage in Brauel.
Der starke Bewuchs in der Gewässersohle hat zur Folge, dass der Abfluss des Wassers aus Gräben, Bächen und Flüssen behindert wird. Nahezu zehn Prozent der Gesamtgewässerlänge müssen mittlerweile einer zusätzlichen Sommermahd unterzogen werden. Für diese zweite Räumung im Jahr bedarf es einer Ausnahmegenehmigung, die Meyer beim Landkreis als Naturschutzbehörde zu beantragen hat.
Da es im vergangenen Jahr unterdurchschnittlich geregnet hat, sind die Ufer der Gewässer kaum in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Verband hatte weniger Instandsetzungs- und Reparaturarbeiten zu leisten als in niederschlagsreichen Jahren. Auch konnte die Räumung der Verbandsgewässer ab Mitte August ohne witterungsbedingte Unterbrechung vonstattengehen.
69 Prozent der Verbandsgewässer, der Gräben von elf betreuten Wasser- und Bodenverbänden sowie etlicher Privatgräben haben die vier Maschinenführer des Verbandsbauhofs geräumt. Im Auftrag des Unterhaltungsverbands sind zudem Lohnunternehmen, Handräumer sowie Wasser- und Bodenverbände im Einsatz.
Gewässer zugewuchert
T Obere Oste: Immer mehr Grün, immer mehr Kosten
Doppelt so viele Nutrias und Bisamratten erlegt
Die Ausgaben für die Unterhaltung der Verbandsgewässer inklusive des Oste-Hamme-Kanals und der Oste summierten sich im vergangenen Jahr auf rund 910.000 Euro. Davon entfallen 542.000 Euro auf den Betrieb des aufwachsenden Verbandsbauhofs. Geschäftsführer Meyer verwies in seinem Jahresbericht darauf, dass Bisamratten und die größeren Nutrias Schäden an den Gewässern anrichten. 2025 wurden 943 Bisamratten (Vorjahr 597) und 979 Nutrias (Vorjahr 477) erlegt.
Zudem merkte Meyer an, dass die im „Niedersächsischen Weg“- einem vor fast sechs Jahren zwischen Naturschützern, Landwirten und Politik geschlossenen Vertrag für mehr Artenvielfalt - festgelegte Breite von Uferrandstreifen von fünf Metern kaum eingehalten werde. Dieser Hinweis ging an die Adresse des Landkreises, denn die Belange des Unterhaltungsverbands sind erst dann betroffen, wenn der schmalere Räumstreifen für den Bagger nicht frei bleibt.
Apropos Landkreis - mit dem liegt der Verband im Clinch. Gegenstand des Streits ist die naturnahe Oste zwischen Brauel und Sandbostel. Die wird bislang von einem Godenstedter Unternehmen per Boot und zwei Handräumern freigehalten. In den Augen Meyers ist das eine unzumutbare Arbeit und vor allem ein Kampf gegen Windmühlen, denn der wuchernden Weiden wird der Verband mit diesem Vorgehen nicht Herr.
Hilfe verspricht sich der Verband vom Einsatz eines Schwimmbaggers, der über einen Holzkneifer verfügt. Da die Rotenburger Naturschutzbehörde den Holzrückschnitt an der Oste von der Wasserseite aus verlangt und der Schwimmbagger, den Wilhelm Meyer in Ovelgönne aufgetan hat, die Gewässersohle schont, hat der Landkreis den Einsatz des Geräts gebilligt.
Verbandsvorsteher Johann Ropers im Amt bestätigt
Doch das geht ins Geld. Das Amphibienfahrzeug war im vergangenen Jahr an drei Tagen in der Oste bei Godenstedt im Einsatz. Die Kosten dafür beliefen sich auf 14.500 Euro. Im Februar dieses Jahres hat der Schwimmbaggerfahrer an sechs Tagen die Weiden entlang der Oste von Godenstedt bis Rockstedt zurückgeschnitten.
Im Vorstand des Unterhaltungsverbands reift derweil die Idee, sich einen gebrauchten Schwimmbagger zuzulegen. Der niederländische Hersteller hat eine Gebrauchtmaschine für 420.000 Euro im Angebot. Ob und gegebenenfalls wie die Anschaffung zu finanzieren sei, ist ungewiss.
Zwischenzeitlich steht der Unterhaltungsverband vor einem weiteren Problem: Der Landkreis verlangt, dass das Schnittgut jenseits der Grenzen des Naturschutzgebiets Ostetal abgelegt wird. Gegen diese Anordnung hat der Verband Widerspruch eingelegt, den der Kreis umgehend abgewiesen hat. Nunmehr hat Johann Ropers als Verbandsvorsteher einen Anwalt engagiert und damit beauftragt, Klage einzureichen. Kreis und Verband treffen sich vor Gericht wieder.
Auch das kostet. Und so stimmten die Ausschuss- und Vorstandsmitglieder des Unterhaltungsverbands geschlossen für eine Anhebung der Verbandsbeiträge. Der Hebesatz steigt in diesem Jahr um 30 Cent auf 10,40 Euro je Hektar und um 10 Cent auf 4,28 Euro je Einwohner. Bei den anschließenden Vorstandswahlen wurden Johann Ropers aus Sittensen für weitere fünf Jahre zum Vorsteher und Johann-Hinrich Meyer aus Grafel zu dessen Stellvertreter gewählt.
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