TOsteland: Genossenschaftler fürchten Gegenwind aus Wirtschaftsministerium
Sie feiern den Meilenstein von 100 Millionen Kilowattstunden (von links): Rainer Hawmann, Dr. Wolf Polenz, Peter Wortmann, Lina Bäumchen, Dr. Lutz Bötcher und Gisbert Stange. Foto: BürgerEnergie Osteland
Silvester 2017 konnte die Windkraftanlage der Bürgerenergie Osteland ans Netz gehen. Fast neun Jahre später stehen 100 Millionen Kilowattstunden auf dem Zähler.
Oldendorf. Es war schon sehr spannend am Ende des Jahres 2017. Die Genossen der Bürgerenergie Osteland waren sehr erleichtert, als die Windkraftanlage am Silvestertag doch noch ans Netz gehen konnte. Seitdem produziert sie in jedem Jahr mehr Strom als erwartet.
Am 19. August 2026 standen dann 100.000.000 Kilowattstunden auf dem Zähler. Dieser Wert sei nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern auch für mathematische Überlegungen, heißt es in der Pressemitteilung der Genossenschaft. So habe Peter Wortmann, Mitglied des Aufsichtsrates der Genossenschaft, ausgerechnet, dass diese Leistung rund 40.000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen könne.
87.000 Euro wurden bereits ausgeschüttet
Den Genossinnen und Genossen habe der Vorstandsvorsitzende Axel Degwitz während der Generalversammlung auch im neunten Jahr des Windkraftbetriebes ein positives Ergebnis mitgeteilt: „Für alle Beteiligten ist diese Anlage ein gutes Investment.“
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Es profitierten aber nicht nur mehr als 130 Bürger, die als Genossen Anteile gezeichnet hätten, sondern auch viele Menschen in den umliegenden Gemeinden. Ein Prozent des Ertrages flössen jedes Jahr in einen Windfonds. „Auf Antrag verschiedenster Initiativen, Vereine und Organisationen aus der Region wurden bisher 87.000 Euro ausgeschüttet“, so die Bilanz von Dr. Lutz Bötcher, Geschäftsführer des Bürgerwindparks.
Auch die Gemeinden Kranenburg, Estorf und Oldendorf profitierten bei der Windlotterie: 0,2 Cent für jede produzierte Kilowattstunde würden demnach seit 2023 - über die kommunale Beteiligung - in die Gemeindekassen geweht, mehr als 20.000 Euro pro Jahr. Regional vermarktet werde die Windausbeute von Naturstrom vor Ort. Für Genossen sei dies besonders attraktiv, weil die Genossenschaft einen Bonus auf den Grundtarif gewähre.
Bei zu viel Wind und Sonne droht die Abschaltung
Doch jede Erfolgsgeschichte habe auch Schattenseiten, heißt es weiter in der Pressemitteilung. Aber diese seien eingeplant und teilweise auch eingepreist. So sei im August die Anlage wegen störenden Schattenwurfes oder zum Schutz von Fledermäusen jeweils für kurze Zeit abgeschaltet worden. Auch komme eine Abschaltung immer wieder vor, wenn zu viel Wind und Sonne zeitgleich im Angebot seien. Viele Interessen müssten bereits bei der Planung von Erneuerbare-Energie-Projekten unter einen Hut gebracht werden.
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Die aktuellen politischen Rahmenbedingungen hätten die Suche nach neuen nachhaltigen Projekten erschwert, etwa einer weiteren Windkraftanlage, einer Photovoltaikanlage oder einem Batteriespeicher, wie er für die Gemeinde Oldendorf geplant sei. Denn: Nur wenn neue Projekte umgesetzt würden, könne auch die Genossenschaft wachsen. „Bereits jetzt stehen zahlreiche Interessierte auf der Warteliste“, so Rainer Hawmann, Vorstand der Genossenschaft. Die Genossen der Bürgerenergie Osteland seien zuversichtlich und engagiert, auch bei Gegenwind. „Wir wollen uns nicht auf dem bisher Erreichten ausruhen, sondern die Energiewende in der Region vorantreiben“, so Hawmann.
Die Pläne der Bundesregierung zum neuen EEG und zum Netzpaket machten es zunehmend schwierig bis unmöglich, Projekte zum Ausbau der erneuerbaren Energien zu realisieren. „Es steht zu befürchten, dass die Pläne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche dazu führen, dass der Ausbau der Erneuerbaren in der Elbe-Weser-Region zum Erliegen kommt und der Region somit diese erhebliche wirtschaftliche Wertschöpfung verloren geht“, schließt die Pressemitteilung.
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