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Ehrenamt

TPassion Voltigieren: Diese Horneburgerin lebt für den Pferdesport

Brigitte von Maercker lebt für den Pferdesport.

Brigitte von Maercker lebt für den Pferdesport. Foto: Buchmann

Brigitte von Maercker lernte früh, Pferde mit Respekt zu behandeln. Für das Voltigieren gab die Trainerin alles. Was sie erlebt hat und wie sie von Köln nach Horneburg kam.

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Von Steffen Buchmann
Freitag, 01.05.2026, 11:50 Uhr

Horneburg. Wenn Brigitte von Maercker den Blick durch die Horneburger Reithalle schweifen lässt, schleicht sich ein Lächeln auf ihr Gesicht. Unzählige Stunden hat sie in den letzten 30 Jahren hier verbracht, um Kinder und Pferde im Voltigieren zu trainieren - mit Geduld und Verstand.

„Die Kinder müssen so Voltigieren lernen, dass sie dem Pferd möglichst wenig schaden“, erklärt von Maercker mit ruhiger Stimme. Im Gegensatz zu leblosen Turngeräten geben die Tiere nämlich Feedback.

Heimlich zu den Pferden schleichen

Für die 75-Jährige ist der Voltigiersport eine Zeitreise durch ihr eigenes, bewegtes Leben. Aufgewachsen in Köln in der Nähe des Stadtwaldes, kam sie durch ihre Familie schon früh mit Pferden in Kontakt. „Meine Mutter ist geritten und hat mich mit in den Stall genommen“, erinnert sie sich. In Junkersdorf gab es einen Reitplatz und die Pferde kamen auf dem Weg dorthin an ihrem Wohnhaus vorbei.

Die eleganten Tiere faszinierten Brigitte von Maercker und ihre Geschwister. „Einmal schlichen wir heimlich den Pferden hinterher und beobachteten sie durch den Zaun“, sagt sie. Ihrer Mutter hatten sie das jedoch nicht verraten. Die machte sich Sorgen. „Sie hat dann die Polizei gerufen“, erinnert sich von Maercker und lacht.

Voltigieren wird immer professioneller

Der Pferdesport begleitet Brigitte von Maercker schon ihr Leben lang. Mit neun Jahren begann sie mit dem Voltigieren, noch bevor sie reiten lernte. „Meine Mama hat gesagt, ich soll das machen“, sagt sie. Damit war es beschlossen. Das Voltigieren war in ihrer Kindheit anders als heute, der Umgang mit den Tieren strenger.

Das Turnen am Pferd hat sich verändert. „Die Übungen heute sind wesentlich schwieriger als die, die ich als Kind trainiert habe“, sagt sie. Sie selbst habe noch die „Röckchenzeit“ miterlebt, heute gibt es moderne Turnanzüge.

Erinnerungen an Hohenhameln

Auch als die Arbeit sie fort von Köln führte, blieben Pferde ein Teil ihres Lebens. Ihren gelernten Beruf als biologisch-chemische Assistentin gab sie auf, um in den 70er-Jahren Sport in Hildesheim zu studieren. Von 1974 bis 1977 übernahm sie ihre erste Gruppe unweit entfernt an der Voltigierschule in Hohenhameln. Rund 50 Jahre später, im Juni 2004, holte sie genau dort mit der Horneburger Voltigiergruppe die Bronzemedaille der Kategorie C für den Bezirk Stade.

Ein besonderer Moment für Voltigier-Trainerin Brigitte von Maercker (vorne links mit Kollegin Nicole Brauner): Der Eintrag in das Horneburger Ehrenbuch 2007.

Ein besonderer Moment für Voltigier-Trainerin Brigitte von Maercker (vorne links mit Kollegin Nicole Brauner): Der Eintrag in das Horneburger Ehrenbuch 2007. Foto: TAGEBLATT-Archiv

Das Arbeiten mit Kindern lag Brigitte von Maercker schon immer, weshalb sie als Grundschul- und Hauptschullehrerin unterrichtete. Ihre Fächer: Bio, Chemie und natürlich Sport. „Das Unterrichten hat sich mit dem Voltigieren ergänzt“, sagt sie: Kinder in Bewegung bringen, den Gleichgewichtssinn schulen, Selbstbewusstsein schaffen.

Der Weg führt nach Horneburg

1977 verschlug es Brigitte von Maercker und ihren Ehemann zufällig ins Alte Land. Der Grund: „Es gab in Süd-Niedersachsen nicht genügend Lehrerstellen“, erklärt sie. Sie trat eine Stelle in Jork an, die Familie lebte zwischenzeitlich in Buxtehude und Guderhandviertel. Voltigieren unterrichtete sie in dieser Zeit natürlich auch. Den Weg zum Reitverein Horneburg fand sie 1994 über Eltern, die sie privat darauf ansprachen. „Es war klar für mich, dass ich das machen will“, sagt von Maercker heute.

Die erfahrene Trainerin verstärkte fortan das Horneburger Team und trug durch ihr Engagement dazu bei, das Voltigieren im Ort wiederzubeleben. Jede freie Minute neben Beruf und Familie verbrachte sie auf dem Reitplatz, auch dank der Unterstützung ihres Mannes. Lediglich wegen ihrer kleinen Tochter musste sie kurz pausieren. Bis 1999 wuchs die Voltigiersparte auf sechs Gruppen mit knapp 70 Kindern an.

Kitzelige Pferde taugen nicht zum Voltigieren

„Voltigieren steigt und fällt mit dem Pferd“, erklärt Brigitte von Maercker. Körper und Wesen müssen zum Turnen geeignet sein. Bockige oder kitzelige Pferde fallen deswegen raus. „Und sie dürfen nicht zu lang sein“, ergänzt sie lachend. Sie selbst habe sich immer weitergebildet, „Sachwissen ist zwingend notwendig als Trainerin.“ Ein No-Go beim Üben: Aufs Handy schauen, „das lenkt nur ab“.

Die Voltigier-Trainerin als Zuschauerin in der Horneburger Reithalle.

Die Voltigier-Trainerin als Zuschauerin in der Horneburger Reithalle. Foto: Buchmann

Bis heute denkt sie gerne an die Hannoveraner-Stute Weltdame zurück, gerät beim Erzählen über das anmutige Tier ins Schwärmen. Im Sommer 2006 musste der Reitverein krankheitsbedingt von Weltdame Abschied nehmen. „Es dauerte lange, bis wir ein neues Voltigierpferd fanden“, sagt von Maercker.

Die Liebe zum Pferd hört nicht auf.

Brigitte von Maercker

In den letzten gut 30 Jahren hat Brigitte von Maercker Höhen und Tiefen mit dem Horneburger Reitverein durchlebt. Inzwischen geht die Rentnerin es ruhiger an. „Man muss auch wissen, wann es gut ist“. Ihr Körper habe ihr das gesagt.

Trotzdem packt sie im Hintergrund weiterhin mit an, wo helfende Hände gebraucht werden. „Es gibt im Ehrenamt vieles, wo viele nicht gleich hier schreien“, sagt sie. Wer Brigitte von Maercker sucht, findet sie weiterhin am Reitplatz: „Die Liebe zum Pferd hört nicht auf.“

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