TNordkehdinger Schule verbannt Social Media vom Schulhof
Schulleiter Torben Zimpel will seine Schule von Social Media befreien. Foto: Helfferich
Immer mehr Schulen im Landkreis Stade entwickeln Konzepte zum Umgang mit dem Handy. Die GOBS Nordkehdingen geht weiter: Sie will eine Social-Media-freie Klasse einführen.
Freiburg. „Mit diesem neuen Angebot reagieren wir auf die wachsenden Herausforderungen, die soziale Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen mit sich bringen“, sagt der Schulleiter Torben Zimpel. Die Grund- und Oberschule (GOBS) Nordkehdingen sei die erste Schule im Landkreis, die ein solches Modell anbietet. In Niedersachsen arbeite eine weitere Schule, das Osnabrücker Ratsgymnasium, am Thema, aber ohne Eltern. Beim Nordkehdinger Modell sollen gerade Eltern das Zepter wieder in die Hand nehmen.
Immer mehr Familien sähen die Gefahren der sozialen Medien. Das Kinderzimmer sei schon lange kein geschützter Raum mehr. Kriminelle, Mobber und Sexualstraftäter hätten online freien Zugang zum Kinderzimmer und würden häufig erst viel zu spät entdeckt. „Ich will, dass der Jugendschutz wieder umgesetzt wird“, so Zimpel.
Die Verrohung auf dem Schulhof ist sichtbar
Selbst wenn Schülerinnen und Schüler nur passiv beobachteten, wie ihre Mitschüler in einer Chatgruppe gemobbt würden, führe das zur Verrohung und zu einem Verlust der Empathiefähigkeit. „Sie sehen die Gewalt und haben Angst, selbst Opfer zu werden“, so der Familienvater. Dass der Artikel eins des Grundgesetzes, die Unantastbarkeit eines jeden Menschen, in der Realität nicht mehr gelte, sei ein Skandal.Unterrichtsversorgung
T Wie eine Schule in Nordkehdingen dem Lehrermangel begegnet
Zudem beobachteten Lehrkräfte seit Jahren, dass die Algorithmen von Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat zunehmend Einfluss auf Konzentrationsfähigkeit, Lernverhalten und das soziale Miteinander nehmen. Das Lernniveau nehme immer weiter ab.
Cybermobbing, permanenter Vergleichsdruck, sexualisierte Inhalte sowie die schnelle Verbreitung von Falschinformationen stellten insbesondere jüngere Schülerinnen und Schüler vor große Herausforderungen. Der Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule sei dabei eine besonders sensible Phase.
Konflikte werden in die Schule getragen
„Das Verbieten von Handys, Smartphones und Co. in der Schule reicht da schon lange nicht mehr aus“, so Schulleiter Torben Zimpel, Vater von zwei Grundschülern. „Viele Konflikte, die in der Schule ausgetragen werden, sind in der Freizeit in den sozialen Medien entstanden. Oft knallt es dann, wenn die Schülerinnen und Schüler in der Schule aufeinandertreffen“, so Zimpel weiter.

Die GOBS Nordkehdingen in Freiburg. Foto: Helfferich
Die Schule habe dabei kaum Handlungsoptionen, denn Handys seien Privatbesitz und deren Inhalt unterliege dem Datenschutz. Auf der anderen Seite hätten es Eltern schwer, wenn sie ihren Kindern keinen Zugang zu den sozialen Medien gewähren wollen. Damit würden sie ihre Kinder zu Außenseitern machen. „Ein Handeln der Regierung ist notwendig und längst überfällig“, fordert der Schulleiter.
Wieder mehr Platz fürs Lernen schaffen
Mit der „Social-Media-freien Klasse 5“ möchte die Schule Familien ein freiwilliges Angebot machen, das einen bewusst geschützten Lern- und Entwicklungsraum schaffe. Schülerinnen und Schüler dieser Klasse verzichteten dabei auf die Nutzung sozialer Medien, auch in ihrer Freizeit.
Grundlage wird eine verbindliche Vereinbarung zwischen Schule und Elternhaus sein, die ausdrücklich auch den außerschulischen Bereich umfasse. Zu Beginn gelte ein klares Regelwerk, das Orientierung und Verlässlichkeit biete. Gleichzeitig würden die Eltern aktiv eingebunden. In regelmäßigen Elternabenden könnten die Regelungen gemeinsam diskutiert, überprüft und weiterentwickelt werden.
Ausstieg aus dem Projekt jederzeit möglich
Ziel sei nicht ein generelles Technikverbot, betont Zimpel, sondern eine bewusste und altersangemessene Medienentwicklung. „Wichtig ist uns, dass wir nicht einfach ein Verbot aussprechen, sondern dass es uns darum geht, den Jugendschutz zurückzugewinnen.“
Mit dem neuen Konzept hätten die Eltern das Sagen, indem sie in einem demokratischen Verfahren die Regeln aufstellen und ständig anpassen. Parallel zur Social-Media-freien Klasse wird es weiterhin eine herkömmliche fünfte Klasse geben. Falls eine Familie aus dem Projekt aussteigen möchte, kann sie das jederzeit tun. Die Teilnahme sei freiwillig, die Wahlfreiheit der Eltern bleibe uneingeschränkt bestehen.
Die Landesschulbehörde hat die Umsetzung des Projektes bereits genehmigt. Weitere Informationen erhalten interessierte Eltern am Kennenlern-Nachmittag am Donnerstag, 16. April, ab 16 Uhr. Weitere Informationen unter 04779/92340 oder www.oberschule-nordkehdingen.de
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.