TPlatt in Hammah: Rampensau nach 30 Jahren wieder auf der Bühne
Sie wollen ihr Geld retten: Jörn-Hinnerk Abbe als Waldemar, Günter Schlüter als Markus und Werner Langen als Dieter (von links). Foto: Helfferich
Günter Schlüter weiß, auf was er sich als Schauspieler eingelassen hat: Es kostete ihn 40 Proben, Zeit und Nerven. Jetzt freut er sich auf die Premiere.
Hammah. „Ich wusste, auf was ich mich als Schauspieler einlasse“, sagt er. Von Anfang Juli bis Ende Oktober wird das Stück sechs Mal gespielt.
Günter Schlüter steht in diesem Jahr das erste Mal seit Jugendtagen wieder auf einer plattdeutschen Theaterbühne. Im neuen Stück der Theater- und Volkstanzgruppe Hammah - „Klaut wi doch glieks de ganze Bank“ - hat er eine der drei Männerrollen und steht fast ununterbrochen auf der Bühne.
Noch ist die Welt in Ordnung: Angela Schwerdts (Sabine), Jörn Hinnerk Abbe (Waldemar), Günter Schlüter ((Markus), Angelika Loock (Luise), Werner Langen (Dieter) und Susanne Maruhn (Anita, von links). Foto: Helfferich
„Ich bin mit Theater aufgewachsen“, erzählt der 62-Jährige. Er stammt aus Fahrendorf, einem 250-Seelen-Ort bei Gnarrenburg. Als Schlüter noch Kind war, lebten fast alle Einwohner von der Landwirtschaft. „Das Dorf war zu klein für einen Sportplatz, aber wir hatten den Gemeinschaftsraum über der Feuerwehr und dort konnten wir Theater spielen.“
Theatertournee kurz nach dem Mauerfall
Damals seien die 30-Jährigen nicht weggezogen, so wie heute. Sie blieben und kümmerten sich nicht nur um den Hof, sondern auch um die Jüngeren und führten Regie, erzählt Schlüter weiter. Mit zwölf Jahren durfte er mitkommen, wenn die älteren Geschwister zum Theaterspielen loszogen. Es wurde gemeinsam geprobt und viel gelacht, und wenn das Stück so weit war, wurde es an verschiedenen Orten aufgeführt.
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Der Höhepunkt seiner frühen Theaterarbeit war kurz nach dem Mauerfall eine Tournee durch Brandenburg. Ganz kurzfristig seien sie auf Tour gegangen und seien überall sehr herzlich aufgenommen worden. Sie wurden in Familien untergebracht und redeten bis in die Nacht. „Das war alles sehr authentisch, wir hatten tolle Gespräche und konnten einen Grenzturm und die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, die LPGs, besichtigen.“
Schlüter spielte noch einige Jahre im Hesedorfer Heimatverein plattdeutsches Theater. Doch dann stieg er aus familiären und beruflichen Gründen aus der Theaterarbeit aus, bis er 2002 nach Stade zog.
„Ich wollte mich nicht überreden lassen, sondern wollen“
Die Liebe zum Theater schlummerte gut 30 Jahre in seinem Herzen, bis gute Freunde aus Hammah sie im vergangenen Jahr wieder erweckten. „Ich war schon weiter theaterinteressiert, besuchte Vorstellungen in Hamburg, gerne auch Stand-up-Comedy und Improvisationstheater, und guckte mir auch immer wieder plattdeutsches Theater an“, erzählt der 62-Jährige. „Die Leidenschaft war da, aber es reichte nicht für die Bühne.“

Jörn-Hinnerk Abbe als Waldemar, Günter Schlüter als Markus und Werner Langen als Dieter (von links) im Morgenplausch. Foto: Helfferich
Bis er Angela Schwerdts kennenlernte, die in der Theater- und Volkstanzgruppe Hammah mitspielt. Noch zögerte Günter Schlüter: „Ich wollte mich nicht überreden lassen, ich musste wollen.“ 2025 war es so weit. Er stellte sich der Theatergruppe vor und bot seine Unterstützung an.
Was ihn begeisterte, war die Ausstattung des 2022 erbauten Hammaher Dorfgemeinschaftshauses. „Es hat eine tolle Bühne und alle Technik, die man braucht.“ Anfänglich half er bei der Regie. Bei den Rollen hielt er sich noch zurück. „Ich wollte niemanden verdrängen. Aber das Gegenteil war der Fall: Es gab einen Mangel an Männern.“ Das änderte sich mit seiner Zusage.
Das sollten Laienschauspieler mitbringen
Auf die Frage, was man als Schauspieler mitbringen muss, sagt Günter Schlüter spontan: „Spaß! Spaß vor Gruppen zu sprechen und zu spielen.“ Vorteilhaft sei auch, das Gen für die Rampensau mitzubringen. Außerdem nennt er Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Auswendiglernen und Kreativität. „Wir haben nur das Drehbuch, was wir daraus machen, ist unsere Sache.“
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Beim Textlernen kennt der 62-Jährige zwei Methoden: Zum einen den Text inhaltlich lernen und ein Stichwort für die Einsätze fokussieren. Zum anderen die gesamte Rolle aufs Handy sprechen und bei jeder Gelegenheit abspielen.
Günter Schlüter lernt den Text nach Stichworten. 176 Einsätze hat er während des ganzen Stückes. Werner Lange, der im Stück Dieter heißt, folgt ihm mit 167 Einsätzen.
Darum geht es und hier gibt es die Karten
„Klaut wi doch glieks de ganze Bank“, so heißt das Stück, das am 23. Oktober Premiere hat. Drei befreundete Paare fahren gemeinsam in den Campingurlaub. Während die Frauen Sonne, Erholung und gute Laune genießen wollen, braut sich für die Männer eine finanzielle Katastrophe zusammen: Ein gemeinsamer Aktien-Invest wandelte sich zum Börsencrash. Doch ein Rettungsplan wandelt sich zu einem turbulenten Chaos voller überraschender Wendungen und skurriler Situationen.

Günter Schlüter freut sich auf sein Comeback auf der Bühne des Dorfgemeinschaftshauses Hammah. Foto: Helfferrich
Der Vorverkauf läuft. Karten gibt es für 8 Euro bei der Spar- und Kreditbank, Bahnhofstraße 43 in Hammah. Von den sechs Vorstellungen sind die Samstage, 24. Oktober und 7. November, noch nicht ausverkauft. Kontakt: 04144/616861.
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