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Bauausschuss

TProjekt der Superlative im Kreis Stade: Leben in Bokel bald 68.000 Hühner?

In Teilen dieser Hofstelle in Bokel könnten in ein paar Jahren 68.000 Hühner leben.

In Teilen dieser Hofstelle in Bokel könnten in ein paar Jahren 68.000 Hühner leben. Foto: P. Meyer

Täglich 65.000 Eier könnten zukünftig in Bokel produziert werden. Das plant ein Investor. Bevor der Rat aber entscheidet, geht es noch um Steuern und Gestank.

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Von Pauline Meyer
26.09.2026, 07:50 Uhr

Ahlerstedt. Es ist ein Projekt der Superlative - zumindest für die Gemeinde Ahlerstedt und den Landkreis Stade: In Bokel könnte in ein paar Jahren eine Legehennenhaltung mit knapp 68.000 Tieren entstehen. So zumindest der Plan von Investor Jürgen Terhorst aus dem Landkreis Emsland, der diesen jüngst dem Bauausschuss der Gemeinde Ahlerstedt vorstellte.

Ehemaliger Kuhstall soll umfunktionert werden

In dieser Größenordnung gibt es noch keinen derartigen Betrieb in der Umgebung. Zum Vergleich: In der Samtgemeinde Harsefeld gibt es Legehennenställe mit bis zu 15.000 Hühnern. Das Vorhaben von Investor Jürgen Terhorst ist um ein Vielfaches größer: Hierfür hat der 39-Jährige eine derzeit unbewirtschaftete landwirtschaftliche Hofstelle der Familie zum Felde in Ahlerstedt-Bokel ins Auge gefasst.

Hier wurden früher einmal Kühe gehalten - für die geplante Legehennenhaltung soll sie nun umgenutzt werden. Konkret geht es um zwei verschiedene nebeneinanderliegende Ställe, die mit 40.000 Hühnern in Freilandhaltung und 27.880 Hühnern in Bodenhaltung vorgesehen wären. Damit kämen auf jeden Bokeler Bürger etwa 227 Hühner.

Investor Jürgen Terhorst (links) und Architekt Reiner Kieckbusch stellten dem Ausschuss ihre Pläne vor.

Investor Jürgen Terhorst (links) und Architekt Reiner Kieckbusch stellten dem Ausschuss ihre Pläne vor. Foto: P. Meyer

Bei der Freilandhaltung sind pro Huhn vier Quadratmeter Auslauf vorgeschrieben. Für die 40.000 Legehennen ist daher eine Fläche von 16 Hektar hinter dem großen Stall als Freiluftgehege geplant. Zudem ist die Errichtung eines Wintergartens für die Hühner vorgesehen. Im Inneren würde ein mehrstöckiges Volierensystem des Typs Bolegg Terrace errichtet werden.

Geplante Legenhennenhaltung schafft Arbeitsplätze

Jürgen Terhorst ist selbst gelernter Landwirt und seit 2009 in der Hühnerhaltung tätig. An sieben Standorten in Deutschland hält sein Unternehmen rund 763.000 Hühner. „Wir stehen für eine moderne und professionelle Eiererzeugung“, erklärt der Familienvater.

Viele der Abläufe - vom Kotband bis zum Eierpacker - sind in seinen Betrieben bereits automatisiert. Trotzdem soll der geplante Betrieb Arbeitsplätze schaffen: Zwei Vollzeit- und etwa vier Teilzeitkräfte würden künftig benötigt werden.

Für die Umnutzung der Hofstelle spreche laut Jürgen Terhorst die Nutzung bestehender Gebäude ohne eine Neuversiegelung von Flächen. Der Landwirt sieht auch in der Regionalität seiner Produkte einen großen Pluspunkt. Aktuell sind nur etwa 72 Prozent der in Deutschland verbrauchten Eier aus regionaler Herstellung - der Rest wird importiert.

Eine Mitarbeiterin stellt Eier in ein Regal in einem Supermarkt. (Symbolbild)

Eine Mitarbeiterin stellt Eier in ein Regal in einem Supermarkt. (Symbolbild) Foto: Marcus Brandt/dpa

Bei der Größenordnung der geplanten Legehennenhaltung in Bokel könnten rund sechs Paletten mit je 10.800 Eiern täglich produziert werden, erklärt Jürgen Terhorst. Das wären insgesamt rund 64.800 Eier pro Tag. Einen Teil davon könnte auch in die Direktvermarktung gehen, so Terhorst. Seine „Emsland-Eier“ seien etwa bei Edeka gelistet und auch mit dem Betrieb von Verkaufsautomaten habe er Erfahrung.

Steuern und Gestank: Rat interessiert Fakten

Bei einem Vorhaben dieser Größenordnung kam während der Sitzung auch schnell das Thema Steuern auf den Tisch: Auf Nachfrage von Ratsmitglied Lüder Pott (CDU) erklärt Jürgen Terhorst, dass der Sitz des Betriebes auch in Ahlerstedt angesiedelt werden könnte und die steuerlichen Abgaben demnach der Gemeinde zugute kämen.

Ein wichtiger Punkt waren die zu erwartenden Geruchsimmissionen. Den ersten Einschätzungen des Sachverständigenbüros Prof. Dr. Oldenburg GmbH nach, sei nicht mit wesentlichen oder gar unzulässigen Beeinträchtigungen für die Anwohner zu rechnen. Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens müsse aber noch ein vertieftes Gutachten erstellt werden. „Die geplante Legehennenhaltung würde weniger Immissionen ausstoßen, als zuvor die dort betriebene Rinderhaltung“, sagt auch Jürgen Terhorst.

Hühner stehen in einem Stall eines Betriebes. (Symboldbild)

Hühner stehen in einem Stall eines Betriebes. (Symboldbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Was die Nutzungsintensität der geplanten Legehennenhaltung angeht, würden Lkw etwa zwei- bis dreimal in der Woche die produzierten Eier abholen. Das Kotlager müsste zudem alle drei bis vier Wochen geleert werden. Hierbei betont Jürgen Terhorst auch mögliche Synergien mit örtlichen Landwirten.

„Es war für uns wichtig, dass das Vorhaben keine Auswirkungen auf unsere städtebauliche Entwicklung hat“, sagt Ahlerstedts Bürgermeister Uwe Arndt (FWG). Bokel könne sich zukünftig in diesem Bereich erweitern. Auf die Vorabprüfung habe man daher besonderen Wert gelegt. „Ansonsten hätten wir das Projekt nicht vorangetrieben.“

Der Ausschuss stimmte dem Beschlussvorschlag einstimmig zu: Zwecks Realisierung des Vorhabens soll ein Bebauungsplanverfahren mit der Festsetzung eines Sondergebietes für die genannte Nutzungsart und Größe durchgeführt werden. Bis und ob die 68.000 Legehennen tatsächlich nach Bokel ziehen, dürfte es aber noch einige Jahre und viele Verfahrensschritte dauern.

Auf Teilen dieser Hofstelle in Bokel könnten in ein paar Jahren 68.000 Hühner einziehen.

Auf Teilen dieser Hofstelle in Bokel könnten in ein paar Jahren 68.000 Hühner einziehen. Foto: P. Meyer

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