TProzess: Brutaler Überfall und eine halbe Million Euro Beute in Stade
Das Landgericht Stade verhandelte den brutalen Überfall auf einen Stader Senior in seiner Wohnung. Foto: Vasel
Sie hielten ihm eine Zange an den Zeh und drohten, ihn abzuknipsen: Der Überfall, den ein 73-jähriger Stader im März 2023 in seiner Wohnung erlebte, war brutal. Gegen einen der Täter erging jetzt ein Urteil.
Stade. Der Überfall am 10. März 2023 war brutal und offenbar auch gut geplant. Wie das TAGEBLATT tags darauf berichtete, gaben die Täter sich als Paketboten aus, um im Harschenflether Weg in Stade in die Wohnung eines 73-Jährigen einzudringen. Sie zwangen ihn unter Schlägen und Drohungen, seinen Tresor zu öffnen. Gegen einen der drei Täter, einen heute 30-jährigen Schweden, erging jetzt am Stader Landgericht das Urteil.
Aus der Schilderung des Vorsitzenden Richters der 2. Großen Strafkammer Dr. Zazoff ergibt sich folgender Tathergang: Der Angeklagte war schon tags zuvor aus Schweden angereist, um die Tat mit seinen beiden Komplizen in Stade vorzubereiten und eine Uniform zu besorgen, mit der sich einer von ihnen als DHL-Paketbote verkleiden konnte.
Erst die Brechstange - dann eine List
Mit einer Brechstange hebelten sie die Eingangstür des Mehrfamilienhauses im Erdgeschoss auf. Oben im 8. Stock klingelte der als DHL-Bote verkleidete Mann dann direkt an der Tür des 73-Jährigen. Die anderen beiden stellten sich so hin, dass sie durch den Türspion nicht sichtbar waren. Als der Mann öffnete, traten sie dazu, bedrohten und schlugen ihn - mit Fäusten und auch mit der Brechstange.
Tipps gegen Einbrecher
Einbruchsschutz: Haustür nachrüsten - das rät die Polizei
Der bedrängte 73-Jährige zeigte ihnen seinen Tresor und wollte ihn öffnen. Doch in der Aufregung gelang ihm das nicht. Darauf klemmte ihm einer der Täter mit einer Zange einen Zeh ein und drohte, ihn abzukneifen, um den Druck zu erhöhen. Schließlich gelang es dem Senioren, den Safe zu öffnen.
Mit einer Hundeleine im Badezimmer gefesselt
Die drei Männer fesselten ihn im Badezimmer mit einer Hundeleine an die Badewanne. Sie entkamen mit Schmuck, Bargeld und Bankkarten im Wert von mehr als 500.000 Euro. Allein die Patek-Philippe-Armbanduhr, die sie dem 73-Jährigen abnahmen, wird auf 50.000 Euro geschätzt.
Schon kurz darauf konnte der Überfallene sich befreien. Er wartete aber einen Moment ab, um sicher zu sein, dass seine Peiniger nicht mehr in der Nähe waren und holte dann eine Nachbarin zur Hilfe, die die Polizei rief - und den Rettungsdienst, der den Verletzten direkt ins Elbe Klinikum brachte.
Angeklagter wächst in schwierigen Verhältnissen auf
Die Kammer ist überzeugt, dass der angeklagte 30-Jährige derjenige der drei Täter ist, der am brutalsten und aggressivsten auftrat, sagte der Vorsitzende Richter. In Schweden geboren, sei er dort mit fünf Geschwistern in schwierigen Verhältnissen groß geworden. Eine Ausbildung habe er nicht.
Seit dem Alter von 13 Jahren war er durch Cannabis-Konsum aufgefallen, später seien Kokain, Crack und diverse andere Betäubungsmittel hinzugekommen. In Schweden ist der Angeklagte schon mehrfach wegen Raub und Wohnungseinbruchsdelikten vorbestraft.
Angeklagter mit Suchtproblemen
Ein vom Landgericht hinzugezogener psychologischer Gutachter bescheinigte ihm eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und eine Suchtproblematik. Die ist so erheblich, dass die Kammer keinen Aufenthalt in einer Entzugseinrichtung empfiehlt, weil erhebliche Zweifel an den Erfolgsaussichten bestehen. Einen Maßregelvollzug in Schweden habe er abgebrochen.
Der Mann, der den Überfall erleiden musste, ist inzwischen verstorben. Weil er nicht mehr als Zeuge dazu befragt werden konnte, sei nicht zu klären gewesen, ob der Angeklagte derjenige war, der die Zange anlegte, sagte der Vorsitzende Richter. Der 73-Jährige habe ihn aber als denjenigen beschrieben, der mehrfach drohte, ihn zu töten.
Ein Täter ist noch auf der Flucht
Ohnehin müssten alle drei Täter sich die Taten zurechnen lassen. Einer von ihnen ist bereits verurteilt worden, einer noch flüchtig. Eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit des Angeklagten sei trotz der Drogenproblematik nicht zu erkennen, da der Überfall einen gut geplanten und geordneten Eindruck mache.
Der 30-jährige Angeklagte, dem neben seinem Pflichtverteidiger auch ein schwedisch-deutscher Übersetzer zur Seite stand, wurde wegen schweren Raubes, gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu einer Haftstrafe von 7 Jahren und 9 Monaten verurteilt. Einer seiner Komplizen war zuvor wegen derselben Delikte bereits zu einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren und 3 Monaten verurteilt worden.
500.000 Euro Beute bleiben verschwunden
Einen geordneten Eindruck habe auch die Flucht mit der Beute im Wert von 500.000 Euro gemacht, sagte der Vorsitzende Richter. Von der Beute gibt es keine Spur. Der dritte Täter ist flüchtig. Laut Gericht hat er Deutschland verlassen. Für die Rückzahlung wird der Verurteilte voll verantwortlich gemacht. Die Aussichten, dass er die Schuld jemals abzahlt, dürften gering sein.
Lesen Sie auch den TAGEBLATT-Bericht von 2023: 73-jähriger Stader in Wohnung überfallen und ausgeraubt.

Blick auf das Landgericht Stade. Foto: Hilken
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.