TPsychische Probleme? Der Verein Die Brücke in Stade gibt Hilfe und Halt
Zeigen, was es im Lädchen Am Hagedorn alles für kleines Geld zu kaufen gibt: Brücke-Geschäftsführerin Simone Schulte (links) und Annette Bisping. Beide haben eine sozialpsychiatrische Ausbildung. Foto: Stehr
Ob Kaffeestube, Second-Hand-Café, Kochen oder Lachyoga: Die Brücke unterstützt Menschen mit psychischen Erkrankungen. Hier engagieren sich Ehrenamtliche und Fachkräfte.
Stade. Mitten in Stade gibt es - in unmittelbarer Nachbarschaft vom Landgericht und der St. Wilhadi-Kirche - seit 40 Jahren eine Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Erkrankungen. An der weißen Fassade des Altbaus in der Schiefen Straße leuchtet ein blaues H. Durch den Buchstaben verläuft eine geschwungene Brücke. Das Logo des Vereins Die Brücke - Hilfe und Halt.
Im geschützten Raum gemeinsam aktiv sein
Der Name ist Programm. Entstanden aus einer Selbsthilfebewegung engagieren sich heute 40 sogenannte EMIs bei der Brücke. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen sich selbst und anderen, indem sie niedrigschwellige Freizeit- und Gruppenangebote auf die Beine stellen oder sich einfach in der Kaffeestube treffen.
Die ist täglich außer freitags und sonntags durchgehend von 9.30 bis 17 Uhr geöffnet. Regelmäßig wird unter dem Dach der Brücke unter anderem getöpfert, gemalt, an einer Zeitung geschrieben, gebastelt, Lach-Yoga angeboten oder gesungen.

Zum Team des Vereins Die Brücke gehören neben vielen Ehrenamtlichen auch die hauptamtlichen Fachkräfte Simone Schulte (rechts) und Annette Bisping (links dahinter). Foto: Stehr
Viele EMIs sind selbst psychisch beeinträchtigt oder haben Angehörige, die unter Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen leiden. „Bei uns können sie sich in einem geschützten Raum austauschen, gemeinsam etwas unternehmen und dadurch Halt und Struktur finden“, sagt Jens Willbrandt, Führungskraft bei der Sparkasse Stade-Altes Land. Er gehört seit fünf Jahren zum ehrenamtlichen Vorstandsteam der Brücke und hat seit einem Jahr den Vorsitz.
Dienstags bis freitags gibt es Mittagstisch
Jens Willbrandt ist überzeugt: Viele Menschen mit psychischen Erkrankungen würden ohne die Kontaktstelle vereinsamen. Bei der Brücke können sie Freundschaften schließen, sich beschäftigen und ausprobieren. Zum Beispiel beim Kochen für den Mittagstisch. Der wird dann für kleines Geld dienstags bis freitags um 13 Uhr in der Schiefen Straße serviert. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Laut Robert Koch-Institut wurde 2024 in Deutschland bei zwei von fünf Erwachsenen eine psychische Störung diagnostiziert. Offen mit einer psychischen Erkrankung umzugehen, falle aber immer noch vielen Betroffenen schwer, sagt Simone Schulte. Sie ist seit sechs Jahren Geschäftsführerin der Brücke und eine von sechs hauptamtlichen Kräften, die über den Landkreis Stade finanziert werden.

Das Lädchen Am Hagedorn gibt es seit 23 Jahren. Annette Bisping (links) und Simone Schulte schauen gern vorbei. Foto: Stehr
Um Menschen zu erreichen, setzt die Brücke auf Mundpropaganda und soziale Medien sowie auf Netzwerkarbeit. Der Verein arbeitet zum Beispiel mit der Tagesstätte Stade zusammen, einer Einrichtung für Menschen mit seelischen Behinderungen. Zudem machen Patientinnen und Patienten der Stader Tagesklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik regelmäßig Ausflüge zur Brücke.
Der Verein erreicht Menschen aber auch Zuhause. Vier Sozialarbeiterinnen helfen über die Assistenz beim Wohnen Betroffenen im gesamten Landkreis Stade. Unter anderem bei der Erstellung einer Tagesstruktur, im Umgang mit Behörden und Institutionen sowie bei der Entwicklung einer realistischen Berufsperspektive. Und dann ist da noch das Lädchen.
Seit 23 Jahren servieren EMIs in dem Café Am Hagedorn günstige Getränke und Selbstgebackenes. Außerdem finden Gäste hier allerlei Second-Hand-Artikel - von Kleidung über Bücher und Spiele bis zu Krimskrams. „Das Lädchen trägt sich fast von selbst, aber auch hier sind wir auf Spenden angewiesen, gerne nehmen wir auch Sachpenden an“, betont Annette Bisping, eine der hauptamtlich Angestellten mit sozialpsychiatrischer Ausbildung.
Neue Sprechzeiten und Frühstücksbuffet
Zusammen mit Simone Schulte bietet sie ab Montag, 13. April, immer montags, dienstags und mittwochs von 10 bis 11 Uhr Sprechzeiten in der Kaffeestube in der Schiefen Straße an. Vorher gab es die Sprechstunden nur in den Büroräumen in der ersten Etage. „Wir hoffen, dass wir noch mehr Menschen erreichen, wenn wir unten sitzen“, sagt Simone Schulte.
Neu bei der Brücke ist auch, dass die Kaffeestube donnerstags jetzt immer bis 19 statt bis 17 Uhr geöffnet ist. Zudem gibt es jeden Montag von 10 bis 11.30 Uhr ein Frühstücksbuffet für 3 Euro. Ehrenamtliche sind immer willkommen und sind eingeladen, vorbeizuschauen. Kontakt: www.die-bruecke-stade.de, Telefon 04141/2747

Im Gespräch: Jens Willbrandt (links) und Susanne Frost (rechts) vom ehrenamtlichen Vorstandsteam der Brücke in der Kontakt- und Begegnungsstelle in der Schiefen Straße. Foto: Stehr

Simone Schulte (links) und Annette Bisping arbeiten hauptamtlich für den Verein Die Brücke. Foto: Stehr
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