T„Psychoterror“: Hochhaus-Mieter aus Stade soll seine Wohnung räumen
Das Hochhaus in der Grünendeicher Straße 2 wird im Auftrag der MMK Grundbesitz saniert - ohne Rücksicht auf die Mieter. Foto: Stehr
Die Lage in der Grünendeicher Straße 2 verschärft sich weiter. Ein Stader Anwalt vertritt inzwischen mehrere Mieter. Wie er gegen die MMK Grundbesitz vorgehen will.
Stade. Mario Geppert ist mit den Nerven am Ende. „Der Psychoterror des Vermieters hat seinen Höhepunkt erreicht“, sagt der 51-Jährige. Er soll seine Wohnung in dem Hochhaus in der Grünendeicher Straße Nummer 2 in Stade bis zum 6. Februar räumen. Die MMK Grundbesitz aus Ahrensburg hat ihm fristlos gekündigt. Wasser und Heizung funktionieren unterdessen weiter nicht.
Mieter werden gezielt unter Druck gesetzt
„Ich soll gegen den Betriebsfrieden verstoßen haben“, sagt Mario Geppert. Ihm werden „massive verbale Entgleisungen“ gegenüber einer Mitarbeiterin vorgeworfen, bei der er sich telefonisch über die unzumutbaren Zustände in dem Hochhaus beschwert hatte. Eine vorherige Abmahnung sei aufgrund der Schwere der Pflichtverletzungen sowie der bestehenden Wiederholungsgefahr entbehrlich, schreibt Mergim Krasniqi von der MMK Grundbesitz.
Mario Geppert wird inzwischen - so wie mehrere seiner Nachbarn auch - von Damon Djobel juristisch vertreten. Der Fachanwalt für Strafrecht aus Stade ist auf Mietrecht spezialisiert. Er kennt viele ähnliche Fälle, bei denen Mieter gezielt unter Druck gesetzt werden, damit sie ausziehen.
Altländer Viertel
T Keine Heizung und kein Wasser: Verzweifelte Mieter in Stade brauchen Hilfe
Altländer Viertel
T Leben ohne Heizung in Stade: So reagiert der Hochhaus-Eigentümer
Altländer Viertel
T Eis im Treppenhaus und verstopfte WCs: Lage im Stader Hochhaus spitzt sich zu
Es sei davon auszugehen, dass auch die MMK Grundbesitz darauf spekuliere, dass die wenigen noch verbleibenden Mieter sich neue Wohnungen suchen. Seien dann die laufenden Sanierungsarbeiten abgeschlossen, könnte das Haus teurer weiterverkauft beziehungsweise die Mieten angehoben werden.
Gerichtsvollzieherin ist eingeschaltet
Eine Gerichtsvollzieherin aus Ahrensburg sei inzwischen eingeschaltet, sagt Damon Djobel. Sie könne jetzt Handwerker beauftragen, die die Versorgung mit Wasser und Heizung auf Kosten des Vermieters wieder herstellen. Aufgrund des insgesamt schlechten Zustands des Hauses mit eingefrorenen Wasserleitungen und kaputten Rohren geht der Anwalt allerdings nicht davon aus, dass sich schnell etwas an der Situation ändern wird. Im Auftrag der MMK seien ja auch schon die ganze Zeit Handwerker im Haus.
Wohnungsmarkt
T Hochhaus-Ärger: Was macht die Wohnstätte Stade anders?
Altländer Viertel
T Hochhaus ohne Heizung: Mieter suchen verzweifelt Wohnungen in Stade
Im nächsten Schritt will Damon Djobel einen Antrag beim Stader Amtsgericht auf Zwangsgeld oder Zwangshaft stellen. Stimmt der Richter oder die Richterin dem zu, droht dem Vermieter eine Strafe von bis zu 250.000 Euro oder eine Haftstrafe. Der Stader Anwalt wolle auch prüfen, ob der Vermieter Schadenersatz oder möglicherweise sogar Schmerzensgeld an seine Mieter zahlen muss.
Gegen die fristlose Kündigung von Mario Geppert hat Damon Djobel Widerspruch eingelegt. Sie sei nicht haltbar. Geppert fürchtet dennoch, dass der Vermieter seine Schlösser austauschen und die Wohnung räumen lässt. Das könne aber nicht passieren, sagt der Anwalt. Vorher müsste die MMK Grundbesitz eine Räumungsklage beim Gericht einreichen. So ein Verfahren könne sich hinziehen.
„Der Vermieter sieht uns als Hindernis“
Mario Geppert möchte inzwischen lieber einen Schlussstrich ziehen und vorübergehend bei einem Arbeitskollegen unterkommen. „Der Vermieter sieht uns als Hindernis an. Wir müssen verschwinden, damit er in Ruhe sanieren kann. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Was wird wohl als Nächstes kommen?“, fragt sich Geppert. Er hätte sich gewünscht, dass in solchen Fällen ein schnelleres Eingreifen möglich gewesen wäre. Es gebe keine klare und eindeutige Gesetzgebung, um Vermieter wie die MMK schnell zur Rechenschaft ziehen zu können.
Damon Djobel rät Betroffenen, sich Hilfe bei einem Mieterschutzverein oder einem Anwalt zu holen. „Unser Mietrecht ist gut, man muss sich bloß auskennen“, sagt er.
Wie berichtet, leben die Mieter in der Grünendeicher Straße 2 bereits seit Anfang Dezember 2025 ohne Heizung und fließend Wasser in ihren Wohnungen. Sie wohnen teilweise schon lange und zu sehr günstigen Mieten in dem Hochhaus. Woanders müssten sie allerdings mit Mietsteigerungen von 30 bis 40 Prozent rechnen, sagt Damon Djobel. Das kann sich nicht jeder leisten.
Von der MMK Grundbesitz ging bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme ein.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.