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TQualvoller Tod droht: Igel in Mausefalle gefangen

Nicola Schulz hat den verletzten Igel Matti zum Glück rechtzeitig entdeckt und konnte ihm schnell helfen.

Nicola Schulz hat den verletzten Igel Matti zum Glück rechtzeitig entdeckt und konnte ihm schnell helfen. Foto: Schulz

Schon der zweite Fall binnen einer Woche: Igelweibchen Hellma läuft mit Schnappfalle am Bein davon, gefilmt über Nacht im Futterhaus. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Von Isabell Wenzel Freitag, 12.06.2026, 14:35 Uhr

Rotenburg. Nicola Schulz ist sichtlich nervös, während sie an diesem Abend zu Hause auf ihrem Sofa sitzt. Immer wieder kontrolliert sie ihr Mobiltelefon, um zu schauen, ob es einen Alarm gibt. Sie hat Angst, eine Benachrichtigung zu verpassen. Sie kann nichts tun, nur warten und hoffen. Denn irgendwo da draußen läuft ein Igel-Weibchen und hat große Schmerzen.

Igel Hellma taucht mit Schnappfalle am Fuß im Futterhaus auf

Die 45-Jährige ist seit einigen Jahren ehrenamtliche Igelpflegerin. In ihrem Garten im Wohngebiet in der Ahe in Rotenburg füttert und beobachtet sie die stacheligen Wildtiere. „Hier leben mindestens zehn bis zwölf Igel, die regelmäßig zum Fressen zu mir kommen“, sagt Nicola Schulz. Ihre Futterhäuser hat sie mit Überwachungskameras ausgestattet, die ein Signal an ihr Smartphone senden, sobald sie Bewegung wahrnehmen.

Igelin Hellma ist schon der zweite Igel mit einer Schnappfalle am Fuß, den Igel-Pflegerin Nicola Schulz in nur wenigen Tagen in ihrem Futterhaus entdeckt hat.

Igelin Hellma ist schon der zweite Igel mit einer Schnappfalle am Fuß, den Igel-Pflegerin Nicola Schulz in nur wenigen Tagen in ihrem Futterhaus entdeckt hat. Foto: Schulz

In der vergangenen Nacht ist das Igel-Weibchen namens Hellma schwer verletzt im Futterhaus von Nicola Schulz aufgetaucht. Das Tier ist mit dem linken Vorderbein in eine Schnappfalle, die eigentlich für Mäuse gedacht ist, getappt. Das zeigen die Videoaufzeichnungen. Leider hat die Igelpflegerin aus Rotenburg das Unglück des nachtaktiven Tieres erst am nächsten Morgen gesehen. Seitdem ist Hellma unauffindbar.

„Sie muss unglaubliche Schmerzen haben. Ich mag es mir gar nicht vorstellen“, sagt Nicola Schulz. Während sie auf ein Lebenszeichen des Igels wartet, schweifen ihre Gedanken immer wieder in Horrorszenarien ab. „Wer weiß, vielleicht ist sie wegen der Falle in einem Maschendrahtzaun oder ähnlichem stecken geblieben und kann sich selbst nicht befreien. Dann wird sie dort qualvoll verenden.“

Diese Schnappfallen werden von den Herstellern als umweltfreundlich bezeichnet, stellen aber draußen eine Gefahr für alle Wildtiere dar.

Diese Schnappfallen werden von den Herstellern als umweltfreundlich bezeichnet, stellen aber draußen eine Gefahr für alle Wildtiere dar. Foto: Schulz

Qualvoller Tod: Schnappfallen sind nicht nur für Igel gefährlich

Gleichzeitig ist die Rotenburgerin wütend, denn es ist innerhalb einer Woche der zweite Igel, den sie mit einer solchen Falle am Fuß in ihrem Garten findet. „Vor ein paar Tagen tauchte das Igel-Weibchen Matti mit genau so einer Falle am Fuß auf der Kamera auf. Das habe ich aber rechtzeitig bemerkt, habe sie sofort gesichert und ihr geholfen“, erzählt Nicola Schulz.

Nicola Schulz fragt sich, warum die Schnappfallen überhaupt draußen im Garten aufgestellt werden. Die Fallen sind nicht verboten, aber eine große Gefahr für alle Tiere, seien es Igel, Eichhörnchen oder Vögel. Die Falle bedeutet für sie schlimmstenfalls einen langsamen und qualvollen Tod.

Die Hersteller, die das Produkt als umweltfreundlich bezeichnen, weisen darauf hin, dass die Fallen an einem gesicherten Ort und unzugänglich für andere Tiere aufgestellt werden sollen. Aber wie soll das im Garten funktionieren? „Die Fallen sollten wenigstens irgendwie befestigt werden, damit die Tiere damit nicht weglaufen, sondern sie schnell gefunden und behandelt werden können“, schlägt Nicola Schulz vor.

Nicola Schulz füttert Igel nicht nur, sondern päppelt sie auch auf

Die Anästhesistin im Rotenburger Krankenhaus füttert die Igel nämlich nicht nur, sie versorgt sie auch bei medizinischen Notfällen und päppelt kranke Tiere wieder auf. Alles natürlich in Absprache mit einer Tierärztin. Nicola Schulz ist selbst seit 2024 Inhaberin eines Sachkunde-Nachweises in der Igelpflege, wie es das Tierschutzgesetz verlangt. Sie besucht regelmäßig Seminare und frischt ihr Wissen über die Igelpflege auf.

Das linke Vorderbein von Igel-Weibchen Matti ist nach dem Kontakt mit der Schnappfalle immer noch geschwollen.

Das linke Vorderbein von Igel-Weibchen Matti ist nach dem Kontakt mit der Schnappfalle immer noch geschwollen. Foto: Wenzel

Sie war außerdem drei Jahre lang beim Verein Igelpflege Rotenburg tätig, bevor sie sich entschied, sich eigenverantwortlich zu engagieren. Den ersten Igel, den sie unter ihre Fittiche nahm, fand sie 2011. „Es war ein Baby-Igel und er war über und über mit Fliegeneiern bedeckt. Die habe ich vorsichtig entfernt und ihn in eine Hilfestation nach Bremen gebracht“, erinnert sie sich. Seitdem ist die Begeisterung für Igel ungebrochen und ihr Engagement für die Stacheltiere stetig gewachsen.

Nächtelang ausharren und Wache halten: auf der Suche nach Hellma

Schon oft hat sie ganze Nächte im Garten ausgeharrt oder Rettungsaktionen für verletzte Igel gestartet. So hält sie nun auch wieder Wache, auf der Suche nach Igel-Fau Hellma mit der Falle am Fuß. „Ich habe mir letzte Nacht alle 15 Minuten einen Wecker gestellt und die Aufnahmen der Kameras kontrolliert“, sagt Nicola Schulz. Aber das kleine Tier bleibt verschwunden.

Hellma ist übrigens die Schwester von Matti, die ebenfalls vor Kurzem mit Falle am Fuß auftauchte. Nicola Schulz kennt beide schon lange. „Sie tauchten erstmals 2024 noch als Babys plötzlich in meinen Futterhäusern auf. Matti habe ich damals schon einmal aufgepäppelt, weil sie fürchterlichen Husten hatte. Als sie wieder gesund war, habe ich sie dann natürlich wieder herausgelassen“, erzählt die leidenschaftliche Igelpflegerin, die die Igel, die aufgrund von Krankheit oder Verletzung schon mal in Obhut waren, zur Identifizierung mit einem kleinen Klecks unauffälligem Nagellack hinten am Stachelkleid markiert. Sie erkennt die Tiere aber auch an ihrer Statur, ihrem Gesicht oder ihrer Art, sich zu bewegen, wieder.

Nun sitzt Matti wieder bei Nicola Schulz in einer Box und wartet auf die Heilung ihres Fußes. „Sie hatte Glück. Ich habe sie schnell gefunden und konnte ihr rechtzeitig helfen“, sagt die Ärztin. „Ich habe die Wunde sofort desinfiziert und sie bei der Tierärztin röntgen lassen. Glücklicherweise war nichts gebrochen. Also auch mit der Stelle, wo die Falle klemmte, hatte Matti Glück im Unglück. Jetzt bekommt sie Schmerzmittel und wir warten, bis die Schwellung abklingt“, so der Plan von Nicola Schulz.

Ohne Bein kann ein Igel nicht leben - Amputation kommt nicht infrage

Für die verschwundene Hellma zählt weiter jede Minute. Je länger die Schnappfalle den Fuß einklemmt, umso größer wird die Gefahr für schwere - und irreparable - Verletzungen, die möglicherweise das Leben des kleinen Tieres bedrohen. „Wenn sie eine offene Wunde hat - die Falle kann auf Dauer auch das Gewebe schädigen - ist es wahrscheinlich, dass sie sich schnell entzündet und sie von Maden befallen wird. Auch ein offener Bruch ist möglich. Das würde sehr wahrscheinlich bedeuten, dass sie eingeschläfert werden muss“, erklärt Nicole Schulz.

Ein Igel-Bein zu amputieren, kommt für Expertin Nicola Schulz nicht infrage. „Alle vier Beine sind für die Igel sehr wichtig. Sie brauchen ihre Hinterbeine, um sich zu kratzen und um sich zu pflegen. Die Vorderbeine brauchen sie zur Nahrungssuche. Die Männchen kämpfen gerne mal um ihr Revier. Wenn einem Igel-Mann ein Bein fehlt, kann er sich nicht verteidigen oder fliehen. Bei weiblichen Igeln schabt der Bauch während der Trächtigkeit auf dem Boden, wenn ein Bein fehlt. Das führt auch zu offenen Wunden“, weiß die Ärztin aus Erfahrung.

Sie macht sich die Entscheidung, einen Igel einzuschläfern, niemals leicht, aber dass er sich weiter quält, möchte sie nicht. „Dann sollen sie lieber erlöst werden“, so Nicola Schulz. Umso mehr hofft sie, dass die Rettung für Igel-Frau Hellma noch nicht zu spät kommt.

Nicola Schulz hat den verletzten Igel Matti zum Glück rechtzeitig entdeckt und konnte ihm schnell helfen.

Nicola Schulz hat den verletzten Igel Matti zum Glück rechtzeitig entdeckt und konnte ihm schnell helfen. Foto: Schulz

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