TReifen, Bauschutt und Schrott: Er räumt im Stader Nachbarkreis auf
Die Reinigung illegaler Müllkippen ist mühselige Schwerstarbeit. Reifen für Reifen wuchtet Jens Klein auf die Ladefläche seines Pritschenwagens. Foto: Scheiter
Jens Klein räumt im Landkreis Cuxhaven täglich illegale Müllkippen aus Wald und Feld. Er dokumentiert jeden Fund und sucht nach Spuren zum Verursacher.
Landkreis Cuxhaven. Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel, als der Transporter einen schmalen Waldweg in Wehden hinab rollt. Hinter der Windschutzscheibe spielt das Licht in grünem Laub. Korn steht hoch auf den Feldern, über den Wiesen flimmert die Luft. Es ist einer dieser Sommertage, an denen viele Menschen draußen unterwegs sind. Jens Klein steigt trotzdem nicht aus, um die Landschaft zu genießen. Er ist unterwegs in besonderer Mission.
Gezielt biegt der Mitarbeiter des Landkreises Cuxhaven vom Weg ab, direkt hinein ins Holz. Es rumpelt. „Allradantrieb ist für meinen Transporter unerlässlich“, sagt er. Jens Klein ist jeden Tag unterwegs, kümmert sich um Müll, der illegal ins Gelände gekippt worden ist. Bürgerinnen und Bürger melden Fundorte – telefonisch, per E-Mail oder über digitale Portale. Unzählige Meldungen, Tag für Tag – und Jens Klein fährt los.
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Manchmal sind es nur ein paar Flaschen. Manchmal ganze Anhängerladungen voller Bauschutt. Manchmal auch jede Menge Hausmüll – alte Lebensmittel, Verpackungen, Essensreste, leere Konservendosen, Windeln, Kartons. Meistens fernab der Wege, mitten im Wald, mitten im Feld. „Ich habe schon Waschmaschinen, ganze Küchen oder Kinderzimmer entsorgt“, berichtet Jens Klein.
Es schaudert den gestandenen Mann, als er an diesem Nachmittag im Juli von Tierkadavern in Plastiktüten erzählt. Autoreifen. Metall. Plastik. Elektroschrott. Kanister mit Altöl. Gegenstände, die irgendwann gekauft wurden, benutzt wurden – und schließlich dort landeten, wo sie niemals hätten landen dürfen.
Motorradteile und zerborstene Fenster im Wald
Ein leichter Wind streicht durch die Bäume, als der Mann aus Hemmoor die Tür seines Transporters öffnet. Vögel zwitschern, irgendwo summen Insekten. „Heute kann man sich über das Wetter nicht beschweren“, sagt der 45-Jährige. Der Einsatzort liegt mitten im Wehdener Wald. Gemeldet hat ihn ein aufmerksamer Spaziergänger.
Und tatsächlich: Zwischen Brennnesseln und Brombeerranken liegen reichlich Reifen. Daneben Motorradteile und Umzugskartons. Darunter glitzern zahllose Scherben und ein zerborstenes Fenster in der Sonne. Für Jens Klein kein ungewöhnlicher Anblick. „Was für eine Schweinerei“, ist sein einziger Kommentar. Besonders mit Scherben ist er pingelig: „Das ist eine Gefahr für Wildtiere und Spaziergänger. Außerdem kann durch die Sonneneinstrahlung ein Brand entstehen.“
Einen Reifen nach dem anderen wuchtet er auf die Ladefläche. Schwere körperliche Arbeit. Gleichzeitig kontrolliert Jens Klein den Müllhaufen sorgfältig. Nicht aus Neugier, sondern auf der Suche nach einem Namen. Eine Rechnung. Ein Briefumschlag. Ein Paketaufkleber. Irgendetwas, das Rückschlüsse auf den Verursacher zulässt: „Manchmal haben wir Glück.“ Oft allerdings bleibt der Verursacher des Mülls anonym.
Mit Mineralwolle gedämmte Reetputzdecke im Wald
Die nächste Meldung führt nach Drangstedt. Zwischen hohen Kiefern riecht es nach Harz, trockener Erde und Moos. Eigentlich ein Ort, an dem man die Stille genießen könnte. Doch zwischen den Bäumen endet die Idylle. In mehreren Lagen übereinander liegt eine alte, mit Mineralwolle gedämmte Reetputzdecke. „Da hat jemand eine alte Deckenverkleidung abgerissen“, sagt Klein und schüttelt den Kopf. Warum Menschen ihren Abfall ausgerechnet so beseitigen, versteht er bis heute nicht. „Es gibt Recyclinghöfe. Dies zu entsorgen, hätte 70 bis 80 Euro gekostet. Jetzt steigen die Kosten in den vierstelligen Bereich.“
Mitnehmen kann er den Dreck nicht. Die Menge ist zu groß, das Material ist gesundheitsschädlich. „Ich werde wohl eine Fremdfirma mit ins Boot holen müssen“, sagt Klein. Während er den Fund dokumentiert, balanciert eine Spaziergängerin mit ihrem Hund an dem Müllhaufen vorbei. „Ist das nicht eine Sauerei?“, fragt sie. Eine Antwort erwartet sie nicht. Dann verschwindet sie hinter einer Baumreihe. Der Müll bleibt.
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Schon wartet der nächste Einsatz. Der Weg führt an die Bahnlinie bei Neumühlen. Unterwegs springt Jens Klein immer wieder aus der Fahrerkabine, schnappt sich die Greifzange und pflückt leere Chipstüten aus blühenden Blumen am Wegesrand. Oder er sammelt ein Marmeladenglas ein, mit dem ein Witzbold eine Lärche dekoriert hat. An den Bahngleisen schließlich wartet ein Haufen Fliesenschutt.
Am Ende zahlt die Allgemeinheit die Rechnung
Während der Nachmittag vergeht, füllt sich die Ladefläche Stück für Stück. Was viele nicht sehen: Hinter jeder illegalen Müllkippe steckt Arbeit. Jemand muss den Hinweis entgegennehmen. Den Einsatz planen. Den Müll einsammeln. Gefährliche Stoffe getrennt entsorgen. Alles dokumentieren. Und am Ende zahlt die Allgemeinheit die Rechnung. Jens Klein ist froh, dass ihm seit Januar ein weiterer Mitarbeiter zur Unterstützung an der Seite steht. Doch der Landkreis Cuxhaven ist groß, die Wege sind weit, die illegalen Müllberge enorm. „Da dauert es manchmal länger, bis der Müll beseitigt ist“, bedauert er und schließt die Hecktüren. Dahinter stapeln sich Reifen, Bauschutt und Schrott. „Das war heute noch ein vergleichsweise ruhiger Tag“, sagt er. Ein Satz, der nachhallt. Wenn diese Tour ruhig war – wie sehen dann die anderen aus?
Jens Klein wird auch morgen wieder losfahren. Irgendwann wird das Telefon klingeln und eine neue Meldung eingehen. Wieder ein Wald. Wieder ein Feldweg. Wieder jemand, der seinen Abfall dort zurückgelassen hat, wo andere Erholung suchen oder ihre Felder bestellen. Und wieder wird Jens Klein kommen müssen, um hinter einem Fremden aufzuräumen.
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