T„Risiko für bleibende Schäden“: Chirurg warnt vor E-Scooter-Unfällen
Der Chefarzt des Klinikums, Dr. Klaus Reichstein, zum Thema Verletzungen durch Stürze mit E-Scootern. Diese Schädelverletzung wäre mit einem Sturzhelm so nicht passiert. Foto: ls
Es gibt immer mehr Unfälle mit E-Scootern: Unfallchirurg Dr. Klaus Reichstein behandelt die Schwerverletzten im Klinikum Reinkenheide.
Bremerhaven. Wie gefährlich sind E-Scooter wirklich? Der Bremerhavener Unfallchirurg Dr. Klaus Reichstein, Chefarzt im Klinikum Reinkenheide, klärt auf.
Nehmen die Verletzungen durch Unfälle mit E-Scootern tatsächlich zu?
Dieser Eindruck wird aus der Notaufnahme des Klinikums Reinkenheide bestätigt. Die Verletzungen sind oft schwerwiegend.
„Seitdem es die E-Scooter gibt, sehen wir auch mehr Verletzungen, übrigens in allen Altersgruppen“, sagt Reichstein. „Schwere Verletzungen, die man früher eher von Motorradfahrern vermutet hätte, kommen häufig aus dem E-Scooter-Bereich.“
Wie schwer können die Verletzungen bei einem E-Scooter-Unfall sein?
„Die Verletzungsmuster sind vielfältig und können lebensbedrohlich sein“, sagt der Chirurg. Sie reichen von Knochenbrüchen über schwere innere Verletzungen bis zu Polytraumata, also Mehrfachverletzungen. „Wir sehen ein breites Spektrum: von inneren Verletzungen mit Milzruptur, Verletzungen in der Leber oder Darmanrissen bis zu schweren Brustkorbverletzungen, wo dann die Atemfunktion gestört ist. Es kann auch zu einem schweren Schädel-Hirn-Trauma kommen und zu allen möglichen Formen an Brüchen.“
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Muss man nach einem E-Scooter-Unfall mit Langzeitschäden rechnen?
„Das Risiko für bleibende Schäden ist erheblich, insbesondere bei Gelenkverletzungen“, warnt Reichstein. Auch wenn die akute Verletzung gut heile, könnten Spätfolgen auftreten. „Wenn die Gelenkfläche geschädigt wird, kann man davon ausgehen, dass man selbst bei einer optimalen Versorgung nach 10, 15, 20 Jahren an diesen Gelenken wieder Probleme bekommen kann“, so der Mediziner.
Was sind die häufigsten Ursachen für diese schweren Unfälle?
Oft ist es eine Kombination aus Unerfahrenheit, Fehleinschätzung der Geschwindigkeit und Risikobereitschaft. Auch Alkohol spielt eine große Rolle. Reichstein betont: „Wir können davon ausgehen, dass bis zu 50 Prozent aller Verletzungen, die wir in der Unfallchirurgie sehen, unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen Rausch- oder Drogenmitteln entstehen.“ Zudem hätten gerade junge Menschen oft ein geringeres Risikobewusstsein.

Ein Mann ist auf einem E-Scooter unterwegs. Foto: Christian Charisius/dpa
Was macht den Sturz mit einem E-Scooter besonders gefährlich?
„Die aufrechte Stehposition auf einem E-Scooter erhöht bei einem Sturz die Fallhöhe und damit das Risiko für schwere Kopfverletzungen“, erklärt Reichstein. Er kritisiert die fehlende Helmpflicht scharf: „Die meisten fahren ohne Helm. Es gibt keine Helmpflicht auf dem Roller. Das ist nicht nachvollziehbar, während sie bei Motorradfahrern mittlerweile selbstverständlich ist und diese sich viel besser schützen.“
Sind Unfälle mit E-Scootern gefährlicher als Stürze mit einem normalen Fahrrad?
Zwar können Verletzungen nach einem Fahrradsturz ähnlich schwer sein wie bei einem E-Scooter-Unfall. Allerdings steigt das Risiko bei den E-Rollern für einen Unfall. „Der Grund ist, dass die motorisierte Geschwindigkeit nicht mehr an die körperliche Fitness und Koordination des Fahrers gekoppelt ist“, erklärt Reichstein. „Ich kann mich viel schneller bewegen als das, was eigentlich aus meiner körperlichen Konstitution heraus möglich wäre, und damit ist ein höheres Risiko verbunden.“

Fahrradhelme hängen im Verkaufsraum bei einem Fahrradhändler. Foto: Jens Büttner/dpa
Was sind die wichtigsten Sicherheitstipps des Experten?
Reichstein rät dringend zum Tragen eines Helms und betont die Wichtigkeit der Aufmerksamkeit im Verkehr: „Es kann doch nicht sein, dass ich beim Autofahren nicht telefonieren darf. Aber wenn ich auf dem Roller stehe, ist das Handy in der Hand“, kritisiert der Mediziner. Es gelte, vorsichtig zu fahren, sich nicht zu überschätzen und nicht zu zweit auf dem Roller zu fahren.
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