TRückt Edeka an die Kirche heran? So könnte Oldendorf künftig aussehen
Der Entwurf von Finja Augustin und Mirja Lüdtke verbindet beide Straßenseiten. Foto: Augustin/Lüdtke
Von 1200 auf 1800 Quadratmeter: Dass Edeka in Oldendorf mehr Platz braucht, ist wohl unstreitig. Wer was dafür aufgeben muss, schon nicht mehr. Jetzt helfen Studenten der Hochschule 21.
Oldendorf. In Oldendorf dreht sich seit Monaten vieles um die Frage, wie der Ortskern aussehen soll, wenn eine notwendige Edeka-Erweiterung mit dem historischen Ensemble rund um die St.-Martin-Kirche in Einklang gebracht werden muss. Jetzt haben Architekturstudenten der Hochschule 21 elf Entwürfe vorgelegt - und damit eine Debatte neu entfacht.
Der Edeka-Markt in der Ortsmitte steht seit 16 Jahren dort, wo er steht. Auf 1200 Quadratmetern. Das sei nicht mehr zeitgemäß. „In den Gängen ist es verdammt eng“, sagt Bürgermeister Johann Schlichtmann. Der Markt soll auf 1800 Quadratmeter wachsen - eine Flächensteigerung von 50 Prozent.
Gibt Kirche den Dorfplatz auf?
Investor Hermann Bischoff aus Langwedel, der den Markt betreibt, Kaufmann Michael Tiedemann, die Gemeinde Oldendorf und die Kirchengemeinde St. Martin haben sich deshalb über eine Lösung beraten.
Das Problem: Eine Erweiterung nach Westen oder Osten gilt als betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll. Der derzeitige Plan sieht vor, dass der Supermarkt näher an die Kirche heranrückt - was jedoch zulasten des Dorfplatzes ginge.
Wie Studenten der Hochschule 21 ins Spiel kamen
Auf den ersten Entwurf des Architekturbüros Frenzel und Frenzel aus Buxtehude gab es Skepsis. Daraufhin regten das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, die Landeskirche Hannover und die Denkmalpflege des Landkreises Stade an, dass Studenten der Hochschule 21 prüfen sollten, wie der Ortskern zukunftsfähig gestaltet werden könnte.
Die angehenden Architekten kamen zu mehreren Ortsterminen, hörten Wünsche und Bedenken der Beteiligten - und legten schließlich elf Entwürfe vor.

Mirja Lüdtke und Finja Augustin überzeugten mit ihrem Entwurf. Foto: Wertgen
Eine Jury unter der Leitung von Professor Karsten Ley, dem Kirchenvorstand und Bürgermeister Schlichtmann prämierte vier davon. Den ersten Platz belegten Finja Augustin und Mirja Lüdtke. Eric Nagaev und Malte Trapp sowie Moritz Horn und Cedric Knüppel wurden ebenfalls ausgezeichnet. Da Mareile Weber als Einzige einen Entwurf allein erarbeitete, erhielt sie einen Sonderpreis.
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Was die Studenten vorschlagen, geht weit über eine einfache Marktvergrößerung hinaus. Nagaev und Trapp haben kompakte Angebote wie Tischtennis, Sitzelemente und Pflanzterrassen gebündelt, um den Ortskern für verschiedene Zielgruppen attraktiver zu machen.
Nahezu alle Entwürfe verbindet, dass die direkte Lage an der Landstraße als Minuspunkt für die Lebensqualität gilt. Die Studenten würden den Bereich gerne entschleunigen - etwa durch eine Anhebung des Straßenniveaus. Das aber gilt als unrealistisch, auch wenn es Anwohner sicher freuen würde.

Die roten Gebäude stehen für neue Einrichtungen. Foto: Augustin/Lüdtke
Was das Siegerprojekt auszeichnet
Der Gewinner-Entwurf rückt die Kirche ins Zentrum. Augustin und Lüdtke sehen zwei Plätze vor: einen Hauptplatz mit verkehrsberuhigter Straße und einen Kirchhof mit Freilufttribüne und Außenaltar. Der bestehende Edeka bliebe erhalten und bekäme einen Anbau mit Fachwerkfassade.
Der Parkplatz wäre hinter Neubauten verborgen, würde aber Wohnhäuser opfern. Ihr Entwurf sieht zudem eine stärkere Verbindung zur gegenüberliegenden Straßenseite vor - ein Gedanke, den mehrere Studenten teilen, um die Ortsmitte insgesamt zu beleben. Rund 13 Wochen haben die beiden Studentinnen - sie studieren derzeit im achten Semester - an dem Entwurf gearbeitet.

Eine Fachwerkfassade würde ins Bild passen. Foto: Augustin/Lüdtke
„Wir sind komplett frei gewesen und haben das umgesetzt, was wir für das Beste halten“, sagt Lüdtke. Augustin ergänzt: „Es wäre schön, wenn etwas umgesetzt wird, aber es gibt viele Leute, die verschiedene Standpunkte vertreten.“
Was die Kirche bislang stört
Die Fassadengestaltung ist ein zentraler Streitpunkt. Stefan Meier vom Kirchenkreisvorstand äußert Vorbehalte gegenüber dem bisherigen Büro-Entwurf: „Wir tun uns damit schwer.“ Die moderne Fassade passe nicht zu einer altehrwürdigen Kirche.
Eine Fachwerkfassade füge sich besser in die Umgebung ein. „Das sieht angenehmer aus und erzeugt ein ganz anderes Gefühl“, so Meier. Auch die mögliche Verkleinerung des Kirchhofs bereitet der Kirchengemeinde Sorgen.

Die Gewinner würden eine Freilufttribüne für unterschiedliche Events integrieren. Foto: Augustin/Lüdtke
Pastorin Stephanie Müller könnte sich vorstellen, dass - sollte der Kirchhof kleiner werden - ein Klostergarten mit Kreuzgang entsteht, wie ein Studenten-Team es vorschlägt.
Dazu kommt eine weitere offene Frage: Das Pfarrhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite muss saniert werden, Fördergelder vom Kirchenkreis sind jedoch nicht vorgesehen. Die Kirchengemeinde prüft drei Optionen - Verkauf, Eigennutzung oder Vermietung.
Was nun aus den Ideen wird
Einen Entwurf 1:1 umzusetzen, dürfte aus städtebaulichen wie aus finanziellen Gründen schwierig sein. Den Wert der Arbeiten zweifelt trotzdem niemand an. „Die Entwürfe werden Denkimpulse anstoßen“, ist Ley überzeugt. Der Kirchenvorstand will die Vorschläge intern besprechen und sich dann mit allen Parteien zusammensetzen. Müller ist optimistischer als zuvor: „Es hilft sehr, verschiedene Visualisierungen zu haben.“
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