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Pro und Kontra

TSchnee und Dauerfrost: Wer hat denn hier noch Spaß am Winter?

Sie sind sich nicht einig, ob der Winter bleiben sollte: Kris und Frauke Kruse aus Oederquart haben viele Argumente pro und kontra Eiseskälte.

Sie sind sich nicht einig, ob der Winter bleiben sollte: Kris und Frauke Kruse aus Oederquart haben viele Argumente pro und kontra Eiseskälte. Foto: Fehlbus

Es reicht, sagen die einen. Der Winter hat besondere Vorzüge, meinen die anderen. Der Landkreis Stade ist uneins. Den meisten allerdings geht die Kälte auf die Nerven.

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Von Miriam Fehlbus,
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Von Daniel Berlin
Sonntag, 15.02.2026, 17:45 Uhr

Landkreis. Der Schnee glitzerte am Wochenende besonders schön in der Sonne. Die Laune der Menschen im Landkreis Stade hielt nach sechs Wochen Dauer-Weiß nicht mehr mit. Meinungen rund um „Winter zu verschenken“, „es nervt“ und „Tschüss Winter“ bestimmen die sozialen Medien. Fünf Gründe, warum der Landkreis Stade inzwischen auf den meteorologischen (1. März) und kalendarischen (20. März) Frühlingsanfang hinfiebert.

1. Seit Wochen Schnee schieben - Alle reden nur noch darüber

Nicht nur, dass alle morgens raus müssen, um Gehwege und Auffahrten zu räumen - im Fitness-Studio, an der Uni und im Büro wird auch noch ständig darüber gesprochen.

Steffen Vanseluw aus dem Kreis Harburg ist immer gut vorbereitet. Beim Besuch in Stade legte er gleich die Windschutzscheiben-Isolierung auf.

Steffen Vanseluw aus dem Kreis Harburg ist immer gut vorbereitet. Beim Besuch in Stade legte er gleich die Windschutzscheiben-Isolierung auf. Foto: Fehlbus

Außerdem friert immer wieder die Autoscheibe zu. Steffen Vanseluw legt deshalb bei einem kleinen Besuch in Stade sofort die Isoliermatte auf. „Es zieht schon wieder an“, sagt er. Auf Eiskratzen hat er überhaupt keine Lust mehr. Dazu kommen verstärkt Glatteisunfälle, die Feuerwehr und Polizei besonders fordern.

2. Dicke Winterklamotten und Eisfinger beim Radfahren

„Eigentlich wollten wir in den Zeugnisferien zuerst noch in den Harz fahren, um Urlaub im Schnee zu machen“, sagt Andrea Köper aus Brest. Darauf konnten nach wochenlangem Winterwetter in der Familie schließlich alle verzichten.

Sie sind frühlingsreif: Andrea Köper macht sich in Brest mit Sophia (4, links) und Luisa (7) auf eine Radtour.

Sie sind frühlingsreif: Andrea Köper macht sich in Brest mit Sophia (4, links) und Luisa (7) auf eine Radtour. Foto: Fehlbus

Noch Spaß am Winter? „Nee“, sagt die sieben Jahre alte Luisa. Sie wollte unbedingt mal wieder eine Tour mit dem Rad machen. Dick angezogen treten alle in die Pedalen. Bei wärmeren Temperaturen macht das aber mehr Spaß, sind sie sich sicher.

3. Frühmorgens erst einmal in den Stall zum Reparieren

Sina Eckhoff ist Landwirtin in Wohlerst. Die 30-Jährige muss bei Dauerfrost mehrmals täglich Tränken ausbauen. „Sie sind zu- und teils auch kaputtgefroren“, sagt sie, obwohl die Heizung das eigentlich verhindern soll. Besonders beim kalten Ostwind wurde zudem der Schnee immer wieder in den Stall geweht. „Da wird viel Stroh benötigt, weil der Schnee die Einstreu schnell durchnässt“, sagt Sina Eckhoff.

Eingefrorene Tränken und zugeschneite Äcker: Landwirtin Sina Eckhoff aus Wohlerst würde am liebsten sofort den Frühling begrüßen.

Eingefrorene Tränken und zugeschneite Äcker: Landwirtin Sina Eckhoff aus Wohlerst würde am liebsten sofort den Frühling begrüßen. Foto: Fehlbus

Wenn sich die Siloplane für das Rinderfutter bei Minusgraden nur noch wie eine Zementdecke bewegen lässt, dann steht fest: „Ich habe mich noch nie so sehr auf den Frühling gefreut.“ Was auf ihrem Hof noch kein Problem ist, aber in vielen landwirtschaftlichen Betrieben die Lage verschärft: Seit 1. November durfte keine Gülle ausgebracht werden. Eigentlich geht die Sperrfrist bis 31. Januar. Aber nur, wenn der Boden nicht gefroren ist... Einige Gülle-Lager sind inzwischen voll.

4. Sport im Freien ist derzeit fast nicht möglich

„Mir persönlich gehen Schnee, Eis und der Winter allgemein auf die Nerven“, sagt Nico von der Reith, Mannschaftskapitän beim Regionalligisten Drochtersen/Assel. Als Fußballer wünsche er sich „so ein Wetter auf keinen Fall, weil es die Bedingungen einfach erschwert“.

Nico von der Reith (32) ist Kapitän des Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel.

Nico von der Reith (32) ist Kapitän des Fußball-Regionalligisten SV Drochtersen/Assel. Foto: Struwe (nomo)

Spiele fallen aus. Die Trainer müssen mit Indoor-Training improvisieren.

Spielpause auf den Fußballplätzen. Wie hier im Alten Land rollt der Ball auf Schnee nicht.

Spielpause auf den Fußballplätzen. Wie hier im Alten Land rollt der Ball auf Schnee nicht. Foto: Fehlbus

„An sich finde ich es schön, wenn es im Winter auch mal Schnee und Eis gibt, aber dann gerne auch zur Weihnachtszeit und nicht erst danach“, sagt Nico von der Reiths Teamkollege Liam Giwah.

Innenverteidiger Liam Giwah (SV Drochtersen/Assel) wurde vereinsintern zum Fußballer des Jahres gewählt.

Innenverteidiger Liam Giwah (SV Drochtersen/Assel) wurde vereinsintern zum Fußballer des Jahres gewählt. Foto: Struwe (nomo)

Der Frost der letzten Wochen gehe allen auf die Nerven, „weil das natürlich die Trainingsbedingungen erschwert“.

5. Grippe und andere berufliche Herausforderungen

In vielen Bereichen fehlen im Moment krankheitsbedingt Mitarbeiter und Kollegen. Wer gerade nicht flach liegt, muss für andere mitarbeiten. Unabhängig davon ist in einigen Berufen der Alltag erschwert, etwa für Mitarbeiter in Müllentsorgung, Bus- und Bahnverkehr.

Frauke Kruse aus Oederquart arbeitet im Kindergarten. „Wir sind froh, wenn wir nicht mehr bei allen Kindern zum Rausgehen Schneeanzüge, Mützen, Schals an- und später wieder ausziehen müssen“, sagt sie. Extra-Herausforderung: Fingerhandschuhe bei den Kleinsten.

Pro Winter: Schulausfall dank Schnee und Eis

Schulausfall wegen Schnee. Einmal gab es das diesen Winter bisher, zu wenig, um einen eigenen Pluspunkt zu füllen. Aber immerhin drei Vorteile vom Winter nennen Menschen aus dem Landkreis Stade bei der kleinen Umfrage.

1. Urlaub für einige Berufsgruppen

„Ich komme aus dem Tiefbau“, sagt Kris Kruse. Vor dem Sommerstress mache diese Winterphase alles etwas ruhiger. Das Wetter entschleunigt von Straßenbau bis zu privaten Gartenplänen. Auch beim Hausbau liegen viele Baustellen im Winterschlaf. Das wiederum erfreut nicht alle.

2. Zeit fürs Rodeln, ohne Blumen-Pflanz-Stress

„Normal würde ich jetzt schon wieder darüber nachdenken, ob ich die Blumenkästen bepflanze oder nicht“, sagt Pinar aus Stade. Die Entscheidung nimmt ihr der Winter ab.

Pinar mit Tochter Almila genießt immer noch das Rodeln am Spielplatz.

Pinar mit Tochter Almila genießt immer noch das Rodeln am Spielplatz. Foto: Fehlbus

Da ist dann Zeit, um mit den Kindern auf den Spielplatz zu gehen und den zuletzt weniger gewordenen Schnee zu genießen. „An der einen Ecke geht das Rodeln noch richtig gut“, sagt die Mutter. Und es soll ja noch einmal Nachschub kommen.

3. Bei Frost besser: Echte Winteressen und Sauna

Der Weihnachtsmarkt-Glühwein ist Geschichte, aber noch ist Zeit für Grünkohl und heiße Eintöpfe, meint Kris Kruse. Wenn es um die Vorzüge des Winters geht, denkt Frauke Kruse an Saunabesuche und die warme Badewanne. Bei so kalten Temperaturen kann das ein besonderer Genuss sein.

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