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Räumungsverkauf

TSchuhgeschäft Heider schließt für immer seine Pforten

Brunhilde Heider mit Tochter Sonja Müller und Sohn Volker Heider.

Brunhilde Heider mit Tochter Sonja Müller und Sohn Volker Heider. Foto: Felsch

Nach 64 Jahren ist endgültig Schluss: Das Schuhfachgeschäft Heider im Ottensener Weg schließt für immer. Nur noch die angegliederte Schuhwerkstatt macht weiter.

Von Franziska Felsch Dienstag, 17.02.2026, 08:00 Uhr

Buxtehude. Eine Ära geht zu Ende: Inhaberin Sonja Müller hat sich schweren Herzens entschlossen, aufzuhören. „Mein Mann und mein Hund freuen sich, dass ich nun mehr Zeit für sie habe, immerhin hatte ich eine 45 Stunden Woche, aber es ist mir nicht leichtgefallen nach so vielen Jahren“, gibt die 60-Jährige zu.

Am 12. Februar 1962 gründeten ihre Eltern, Brunhilde und Konrad Heider, eine Schuhwerkstatt am Ottensener Weg 8. Als immer mehr Kunden nach Gummistiefeln und Hausschuhen fragten, entschloss sich das Ehepaar Schuhe für Frauen, Männer und Kinder ins Sortiment aufzunehmen. Das Konzept, sich auf hochwertige Marken zu spezialisieren, ging auf. Bald reichten die 16 Quadratmeter Verkaufsfläche nicht mehr aus, nach mehreren Umbauten, wurden die Räumlichkeiten auf rund 100 Quadratmeter erweitert.

Als Schuhwerkstatt angefangen

„Wir haben damals ganz klein angefangen, mein Mann und ich“, erinnert sich die Seniorchefin Brunhilde Heider. Dass das Geschäft einmal so erfolgreich sein werde, macht sie schon ein bisschen stolz. Die 90-Jährige, die im ersten Stock wohnt, hat zuerst allein den Verkauf gemanagt und nebenbei drei Kinder großgezogen. Ihr Mann hatte die Werkstatt inne, die Sohn Volker seit 1994 weiter betreibt.

Der gelernte Orthopädieschuhmachermeister wird auch in Zukunft Maßschuhe und Einlagen fertigen sowie Reparaturen annehmen. „Der Verkaufsraum gehört zu unserer Immobilie und wird nicht mehr vermietet“, erklärt Inhaberin Sonja Müller, die das Familienunternehmen erst mit ihrer Schwester Petra Ropers, später dann alleine führte.

Ihre Schwester ist eine der Mitarbeiterinnen, die die Kundinnen und Kunden fachgerecht beraten. „Es hat uns bestärkt, dass die Eltern, die früher als Kinder zu uns kamen, heute ihren Nachwuchs mitbringen“, freut sich Sonja Müller.

Viele Stammkunden blieben ihnen treu. Selbst durch die Coronazeit hindurch. „Nur sind es leider nicht genug, und da wir nicht in der Stadt liegen, haben wir auch keine Laufkundschaft“, begründet Sonja Müller die Geschäftsaufgabe.

Kunden schätzen die fachliche Beratung

„Unsere Beratung wurde sehr geschätzt, aber immer mehr Leute bestellen im Internet, wo es vermeintlich billiger ist, da konnten wir irgendwann nicht mithalten“, ergänzt ihre Mutter, die nicht gerade glücklich ist über diese Entwicklung. „Das Geld sitzt auch nicht mehr so locker wie früher“, weiß ihre Tochter. Trotz der hochpreisigen Markenware und der örtlichen Lage am Stadtrand, ist es ihnen gelungen, über 40 Jahre das Geschäft aufrechtzuerhalten. Bis 2026. Die Konkurrenz durch billige Großanbieter und das Internet, habe schließlich zum Aufgeben geführt, so Sonja Müller.

Der gerade begonnene Räumungsverkauf zieht viele Käufer an, die bereits morgens auf der Matte stehen. Von Montag bis Freitag, 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr, sowie Sonnabend von 9 bis 13 Uhr, besteht die Möglichkeit noch das eine oder andere Schnäppchen zu ergattern, denn die Markenschuhe sind erheblich herabgesetzt, zum Teil bis zu 50 Prozent.

Rückgang der kleinen Fachgeschäfte

Schuh Heider ist nicht das einzige Fachgeschäft, das schließt. „Gerade viele Schuhläden in ganz Deutschland haben im vergangenen Jahr zugemacht“, erzählt Sonja Müller. Das Aussterben der inhabergeführten Fachgeschäfte ist ihrer Meinung nach nicht mehr aufzuhalten. Was nicht nur sie, ihre Kunden und auch ihre Mitarbeiterinnen Karin Hinsch und Silvia Schütt aufrichtig bedauern. „Mit Anfang 60 einen neuen Job zu bekommen, selbst wenn man eine Fachausbildung vorweisen kann, ist extrem schwer“, hat Silvia Schütt festgestellt. Sie und ihre Kollegin hoffen, dass es doch noch mit einer Anstellung klappt.

Die Schuhwerkstatt bleibt aber. Unter der Telefonnummer 04161/ 84866 kann der Service von Orthopädieschuhmachermeister Volker Heider auch in Zukunft gebucht werden.

Fachverkäuferin Silvia Schütt arbeitete gern bei Heider und sucht jetzt einen neuen Job.

Fachverkäuferin Silvia Schütt arbeitete gern bei Heider und sucht jetzt einen neuen Job. Foto: Felsch

Alles muss raus: Nach 64 Jahren schließt das Schuhgeschäft Heider.

Alles muss raus: Nach 64 Jahren schließt das Schuhgeschäft Heider. Foto: Felsch

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