TSchwertkampf bis einer zu Boden geht: Das war los auf der Burginsel Horneburg
Kühne Ritter im Kampf vor Publikum. Foto: Felsch
Der Schlosspark ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht: Mit einem Bürgerfest weiht der Flecken Horneburg die neue Burginsel ein. Ein Ratsherr kommt mit eigenem Schwert und Schild.
Horneburg. Die Insel erstrahlt im neuen Glanz, bis in den Abend hinein. Dafür sorgen Live-Musik, Walking Acts, Mittelalter-Stände, Show-Kämpfe, Mitmach-Aktionen und eine spektakuläre Licht-Show. Trotz dunkler Wolken strömen schon zu Beginn Besucher zur Bühne. Zur Eröffnung spielt die Athe-Bigband aus Stade, Gemeindedirektor Knut Willenbockel moderiert das Programm.
Gemeindedirektor Knut Willenbockel moderiert auf der neuen Burginsel-Bühne. Foto: Felsch
Es ist ein großer Tag für die Burginsel. „Mit viel persönlicher Zeit und Gesprächen haben sich immer wieder Vertreterinnen und Vertreter des Rates des Fleckens rund um unseren ehemaligen Bürgermeister Hans-Jürgen Detje dafür eingesetzt, die Burginsel für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sagt Bürgermeister Jörk Philippsen.

So sieht es aus, wenn man den Kampf verloren hat, meinen Ritter Matthias und Geschichtenerzähler Ganfred und zeigen auf das Skelett im Kettenhemd. Foto: Felsch
Er spricht allen Beteiligten, die unter der Leitung von Gunda Kiefaber das Projekt unterstützt hatten, seinen Dank aus. „Danke auch an Myriam Kappelhoff, die das heutige erste Burginselfest so prächtig organisiert hat“, fügt er hinzu. Horneburg sei jetzt um eine Attraktion reicher, so der Bürgermeister, der die Geschichte der Burg und ihre „Wiederbelebung“ Revue passieren ließ.
Kämpfe in voller Rüstung
Isern Hinnerk ist nicht vor Ort, dafür aber jede Menge Rittersleute in ihren glänzenden Rüstungen. Aber auch Burgfräuleins und ihre männlichen Begleiter in entsprechenden Gewändern ziehen die Blicke auf sich.

Ratsherr Tim Friederichs im Mittelalter-Outfit. Foto: Felsch
So wie Tim Friederichs, Ratsherr im Flecken. Er habe dafür plädiert, in authentischen Kostümen zu erscheinen, aber er blieb der Einzige. Extra für das Fest hat sich der Ratsherr der Grünen das Wappen von Horneburg auf seinen Schild gemalt. Das Outfit stammt aus seiner Jugend, als er viel auf Mittelalterfesten unterwegs war. „Vielleicht sollte man das nächste Mal einen Anreiz schaffen, zum Beispiel ein Gratisgetränk“, regt Friederichs an.
Ritter und Geschichtenerzähler
Das brauchen die echten Fans nicht. Bis zu 4000 Euro kostet eine Rüstung, eine „Maßschneiderung“ vom Schmied nach historischem Vorbild liege im fünfstelligen Bereich, verrät Ritter Matthias. Er spaziert mit Ganfred, dem Geschichtenerzähler über das Gelände.
Die Jüngsten staunen nicht schlecht, als Kunibert und Co. sich ihre Kämpfe auf dem abgegrenzten Platz liefern. Es scheppert nur so, als die zwei Kilo schweren Schwerter aneinanderschlagen - bis einer der beiden Kontrahenten zu Boden geht.
Schwertschaukämpfe beim VfL Stade
Zu Schaden kommt niemand. „Die Klingen sind vorne abgerundet und stumpf“, erklärt Alexander von Appen, Trainer der Schwertschaukampfgruppe des VfL Stade. „Trotzdem muss regelmäßig trainiert werden“, fügt er hinzu. Obwohl das ein Sport sei, der überwiegend von Männern ausgeübt werde, könnten das auch Frauen. Von Appen ist mit rund einem Dutzend Gleichgesinnter angereist.

Die Musical-AG auf dern neuen Bühne mit der schönen Schlosskulisse im Hintergrund. Foto: Felsch
„Körperliche Fitness ist unerlässlich“, bestätigt Niklas Trautmann aus der Hamburger Gruppe, die den Schaukampf vorführten. Zuvor ließ der 32-Jährige sich von einem Knappen beim Anziehen helfen, was rund eine Viertelstunde in Anspruch nimmt.
Kinder greifen zu Plastikschwertern
Trotz der 42 Kilo, die er zusätzlich zu seinem eigenen Körpergewicht trägt, ist er dennoch erstaunlich beweglich. „Es ist ein Mythos, dass die Ritter, wenn sie hinfielen, nicht wieder alleine aufstehen konnten“, weiß der Hamburger. Sein Hobby entdeckte er selbst auf einem früheren Mittelaltermarkt. Seitdem präsentiert er mit Gleichgesinnten auf Veranstaltungen sein Können.
Im Anschluss gibt es „Unterricht“ für den Nachwuchs - mit ungefährlichen Plastikschwertern. Vor allem die Jungs probieren das aus.
Überhaupt werden viele Mitmachaktionen für Kinder geboten, während die Erwachsenen unter aufgespannten Planen das Musikprogramm mit der Musical AG der Oberschule Horneburg, dem Chor Austrumstīga aus der lettischen Partnergemeinde Ludza sowie mit dem Horneburger Spielmannszug genießen.
Zeitreise ins 13. Jahrhundert
Im Handwerksmuseum können Besucher das Leben vor hunderten von Jahren nachempfinden - dank einer VR-Brille. VR steht für Virtual Reality. Mit der Brille geht es zurück in die virtuelle Realität der Wasserburg. Bis zum Dreißigjährigen Krieg stand noch die 1255 gebaute kreisförmige Wasserburg, die den Ursprung des Fleckens begründete.

Viele Besucher hatten Spaß auf dem ersten Burginselfest. Foto: Felsch
Professor Thomas Kersten von der HafenCity Universität Hamburg und sein Mitarbeiter Florian Timm sowie Kreisarchäologe Daniel Nösler sind als Gäste eingeladen und freuen sich, dass die VR-Technik Anklang findet.
Neue Technologie lässt in das Burgleben eintauchen
„Die Burg ist damit eines der ersten Kulturdenkmäler Deutschlands, das die Kombination von VR- und AR-Technologie nutzt, um wieder sichtbar zu werden“, so die Experten. In der VR-App könnten die Anwender die Burg nun virtuell betreten und das Leben in der mittelalterlichen Burganlage hautnah erleben. Die AR-Technologie spielt virtuelle Informationen wie 3D-Modelle, Texte und Bilder in die reale Welt.

Ylvie Schulz erlebt mit der VR-Brille das Leben im 13. Jahrhundert. Foto: Felsch
„Hat Spaß gemacht, obwohl es ein bisschen schwierig war“, resümiert Ylvie Schulz (9), die sich auf das Burggelände von damals „beamte“.
Auch die Informationswebsite www.burginsel-horneburg.de online ermöglicht es mittels „Augmented Reality“ die Gebäudestrukturen der historischen Burganlage auf dem Handy zu erkunden.

Eine besondere Attraktion waren die Stelzenläufer. Foto: Felsch
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