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Elbe Kliniken

TSilvester in der Notaufnahme: Von Vergiftungen und unklarem Fieber

Im Drei-Minuten-Takt liefern Rettungskräfte die Notfälle am Silvesterabend in der Stader Notaufnahme an.

Im Drei-Minuten-Takt liefern Rettungskräfte die Notfälle am Silvesterabend in der Stader Notaufnahme an. Foto: Laudien

An Silvester herrscht nicht nur auf den Straßen der Ausnahmezustand. Auch in der Notaufnahme des Stader Elbe Klinikums geht es hoch her. Ein Besuch am letzten Tag des Jahres.

Von Susanne Laudien Freitag, 02.01.2026, 05:40 Uhr

Stade. Verbrennungen durch Böller, Verletzungen nach Schlägereien und Alkoholrausch - in der Stader Notaufnahme herrscht in der Silvesternacht der Ausnahmezustand. Bereits am späten Nachmittag kommen die Rettungsfahrzeuge im Drei-Minuten-Takt beim Elbeklinikum an - nicht nur mit den typischen Silvester-Fällen.

Ein Sanitäterteam bringt eine junge Frau, die mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Trage liegt und lautstark stöhnt. Dr.med. André Römgens, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme der Elbe Kliniken, und sein Team mit Ärzten aus diversen Fachabteilungen und Krankenpflegern stehen bereit und sind für alle Notfälle gewappnet.

Spontaner Glücksbringer in der Notaufnahme: Schornsteinfeger Michael Dohrendorf mit Pflegekraft Kathrin Bettinger und Chefarzt Dr.med. André Römgens.

Spontaner Glücksbringer in der Notaufnahme: Schornsteinfeger Michael Dohrendorf mit Pflegekraft Kathrin Bettinger und Chefarzt Dr.med. André Römgens. Foto: Laudien

Für die Silvesternacht wurde das Team verstärkt. Überraschend schaut auch ein Glücksbringer vorbei: Der Stader Schornsteinfeger Michael Dohrendorf wünscht dem Team viel Glück und ein gesundes neues Jahr. Doch der Abend ist noch jung, und erst ab 22 Uhr rechnet man in der Notaufnahme aus Erfahrung mit den typischen Härtefällen.

Das Sanitäterteam mit der jungen Patientin hat bereits während des Krankentransports vom Rettungswagen aus den Fall an die Notaufnahme gemeldet: Minutengenaue Ankunft und Angaben zur Person wie Alter, Geschlecht und Einschätzungen der Situation sind daher bereits bekannt und auf einem digitalen Bildschirm im Flur der Notaufnahme ersichtlich. Zusätzlich schildern die Einsatzkräfte bei ihrer Ankunft die Situation noch persönlich.

Triage, um möglichst jeden Patienten in einem adäquaten Zeitraum zu behandeln

Kathrin Bettinger, seit 43 Jahren Krankenpflegerin im Elbe Klinikum, nimmt das Sanitäterteam in Empfang und stuft als Erstes die akute Lage ein - auch Triage genannt. Ein Verfahren in der Notfall- und Katastrophenmedizin, um bei vielen Verletzten oder Kranken schnell zu entscheiden, wer zuerst behandelt wird, damit die vorhandenen Ressourcen ideal eingesetzt werden können.

Kathrin Bettinger (rechts) stuft die akute Lage der Patienten ein.

Kathrin Bettinger (rechts) stuft die akute Lage der Patienten ein. Foto: Laudien

Die Patienten werden nach Dringlichkeit in Farbkategorien von Rot für besonders dringlich über Orange, Gelb, Grün bis Blau eingeteilt. „Es geht darum, die dringendsten Fälle etwa mit lebensbedrohlichen Verletzungen sofort zu behandeln und andere zu versorgen, die warten können“, erklärt Chefarzt Römgens.

Ruhe vor dem Silvester-Ansturm: Chriurgin Käthe-Marie Kollwitz (links) und Gesundheits- und Pflegekraft Antonia Bianchet.

Ruhe vor dem Silvester-Ansturm: Chriurgin Käthe-Marie Kollwitz (links) und Gesundheits- und Pflegekraft Antonia Bianchet. Foto: Laudien

In zwei Schockräumen können die Teams aus verschiedenen Fachrichtungen wie Chirurgie, Innere Medizin, Neurologie, Anästhesie und Radiologie lebensbedrohlich verletzte oder erkrankte Patienten etwa mit Herzinfarkt oder Hirnschlag sofort stabilisieren und erstversorgen. Chirurgin Käthe-Marie Kollwitz und Pflegekraft Antonia Bianchet halten Silvester in der Unfallchirurgie die Stellung.

Wie verkraften sie die für Patienten teils lebensbedrohlichen Situationen? Dazu die 37-jährige examinierte Gesundheits- und Pflegekraft Bianchet: „Es ist unser Traumjob, und nach meiner Schicht bin ich zu Hause sofort nur noch Mama, da ich zwei kleine Kinder habe.“

Silvester versorgen die beiden vor allem Hand- und Gesichtsverletzungen durch Feuerwerkskörper. Römgens spricht bei den Abläufen in der Notaufnahme von einem kontrollierten Setting.

Aufnahme bei Alkoholvergiftung

Auch mehrere Fixierbetten sind vorsorglich in der Stader Notaufnahme aufgestellt, um Patienten mit Alkoholvergiftungen aufzunehmen, insbesondere wenn diese aggressiv werden. Nicht selten werden die Betreffenden durch Unterstützung der Polizei gebracht und nach Fixierung und Behandlung anschließend auf die Überwachungsstation gefahren, wo sie ihren Alkoholrausch auskurieren.

In der Radiologie wird der Patient von Kopf bis Fuß untersucht. Mal muss etwa nach einer Schlägerei eine Schulter eingerenkt oder auch der Handchirurg tätig werden und bei starken Blutungen der Gefäßchirurg.

Die junge Patientin, die unter schweren Schmerzen leidet, wird bereits nach wenigen Minuten in einen Behandlungsraum geschoben. Eine Ärztin übernimmt sofort die Untersuchung, zudem bekommt die junge Frau Schmerzmittel und ihr wird Blut abgenommen, das sofort im Labor untersucht wird, um Hinweise auf die Erkrankung zu erhalten. Bei ihr besteht Verdacht auf eine Lebensmittelvergiftung.

Währenddessen dröhnt erneut ein lautstarker Alarmton durch die Stader Notaufnahme. Der nächste Rettungswagen wird per Signal unüberhörbar angekündigt. Starke Brustschmerzen, Verletzungen nach einem Sturz, Verdacht auf Blutvergiftung sowie ein älterer Mann mit verstopftem Urinkatheter - diese Patienten werden nach und nach eingeliefert. Letzterer wird von Pflegekraft Kathrin Bettinger bei der Triage als Grün eingestuft - ist also nicht sehr dramatisch. Ein weiterer Patient mit unklarem Fieber wird aufgrund von Ansteckungsgefahr sofort separiert.

Die Rettungskräfte im Landkreis Stade hatten Silvester jede Menge zu tun.

Die Rettungskräfte im Landkreis Stade hatten Silvester jede Menge zu tun. Foto: Laudien

Bereits an einem ganz normalen Tag werden in der Stader Notaufnahme mehr als 200 Patienten versorgt. Im Wartebereich der ambulanten Notaufnahme warten am Silvesterabend noch etliche Personen, die nicht mit dem Rettungswagen eingeliefert wurden.

Die Bilanz der Silvesternacht entspreche den Erwartungen, sagte Römgens am Neujahrstag. Es kam zu einem gehäuften Patientenaufkommen mit den üblichen Krankheitsbildern an Silvester. Ein Patient verletzte sich beim Böllern an der Hand so schwer, dass eine Notfall-OP notwendig war.

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