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TSo lindert diese Physiotherapeutin die Schmerzen von Hunden

Susanne Zander kennt ihren Patienten. Dinghy ist seit drei Jahren regelmäßig für eine Behandlung zu Besuch. Der Rüde lässt sich inzwischen fast alles gefallen.

Susanne Zander kennt ihren Patienten. Dinghy ist seit drei Jahren regelmäßig für eine Behandlung zu Besuch. Der Rüde lässt sich inzwischen fast alles gefallen. Foto: Krabbenhoeft/mit KI bearbeitet

Wie wäre es mal wieder mit einer Massage? Nein, nicht für Sie, sondern für Ihren Hund. Die entspannen genauso gern. Die Hundephysiotherapeutin Susanne Zander löst verklebte Muskeln und gibt Tipps für die Fitness des Tieres im Alltag.

Von Sabrina Krabbenhoeft Sonntag, 12.01.2025, 09:50 Uhr

Landkreis Wesermarsch. Würden Sie einem fremden Hund kräftig in die Muskeln der Hinterläufe fassen? Wohl lieber nicht. Die Hundephysiotherapeutin Susanne Zander tut es fast täglich. Sie hat ihre Praxis in Stadland an der Alserwurp (Landkreis Wesermarsch). An diesem Tag ist Dinghy mit seiner Besitzerin Meike Clausen zu Besuch. Der Behandlungsraum ist mit einer dicken Gummimatte ausgelegt. Susanne Zander sitzt am Boden. Es dauert nicht lang, da lässt der große Mischling sich auf die Seite neben ihr fallen.

Die Folgen eines Beckenbruchs

Dinghy ist ein Straßenhund aus Griechenland. Mit sieben Monaten wird er von einem Lkw angefahren und an Ort und Stelle liegen gelassen. Eine alarmierte Tierschützerin nimmt ihn auf und pflegt ihn. Medizinisch untersucht wird der Hund nicht. Bis Meike Clausen ihn adoptiert. Als sie ihn in Deutschland kastrieren lässt, wird festgestellt, dass der Rüde einen Beckenbruch gehabt haben muss. Inzwischen ist Dinghy 12 Jahre bei ihr. Seit mehreren Jahren bekommt er regelmäßig Physiotherapie. Seit drei Jahren wird er von Susanne Zander behandelt.

Dinghy lauscht, wenn sein Frauchen und die Physiotherapeutin sich unterhalten. Manchmal nickt er auch weg.

Dinghy lauscht, wenn sein Frauchen und die Physiotherapeutin sich unterhalten. Manchmal nickt er auch weg. Foto: Krabbenhoeft

Der Hund liegt entspannt da. Nur, wenn die Therapeutin fester ins Gewebe greift, hebt er leicht den Kopf. „Bei der ersten Behandlung mache ich eine Anamnese. Ich betrachte das Blutbild und eventuell vorhandene Röntgenbilder. Bei der Ganganalyse sehe ich mir an, wie flüssig der Hund sich bewegt. Daraus ergibt sich ein Behandlungskonzept“, sagt Susanne Zander.

Dinghy hat noch Probleme im Becken- und Schulterbereich. Der Bruch betraf vor allem die rechte Seite. Er führte dazu, dass der Hund vor Schmerzen sein rechtes Hinterbein anzog und die Belastung über die Schulter ausglich. Die Folge ist eine verstärkte Abnutzung der Gelenke. „Es gab Zeiten, da konnte ich ihn nicht an der rechten Schulter anfassen. Das ist heute kein Problem mehr“, sagt seine Besitzerin.

Physiotherapie statt Schmerzmittel

Die 30-minütige Behandlung kostet 35 Euro. Susanne Zander beginnt diesmal mit Griffen entlang der Wirbelsäule. Sie löst im gesamten Körper des Tieres Verspannungen, die durch die Schonhaltung entstanden sind. Das Gewebe wird besser durchblutet und Schlackenstoffe können abtransportiert werden. Die Schmerzen nehmen ab.

Der Rüde hat Probleme im Beckenbereich. Susanne Zander löst mit gezielten Griffen die Muskulatur und Verklebungen der Faszien rund um die Oberschenkel und Beckenknochen.

Der Rüde hat Probleme im Beckenbereich. Susanne Zander löst mit gezielten Griffen die Muskulatur und Verklebungen der Faszien rund um die Oberschenkel und Beckenknochen. Foto: Krabbenhoeft

„Durch die regelmäßige Physiotherapie konnte ich die vergangenen zehn Jahre darauf verzichten, Dinghy jede Menge Schmerzmittel zu geben. Die hätten außerdem Magen und Leber stark belastet“, sagt Meike Clausen. An einigen Stellen zirkelt Susanne Zander mit der Hand auf den Muskeln. Dann greift sie Haut- und Muskelpartien und bewegt sie sanft gegeneinander. Dinghy lässt es sich gefallen.

Sie behandelt zu Hause oder in der Praxis

Die 61-Jährige ist mit Hunden aufgewachsen. Nach einer Ausbildung im Bereich Dog Slumber Wellness (Wellnessmassage für Hunde) bei der unter Hundefreunden bekannten Tierphysiotherapeutin Katrin Blümchen folgte die zweijährige Ausbildung zur Hundephysiologin am IFT-Institut in der Lüneburger Heide. Fortbildungen im Bereich Degility-Trainer (Hundesport, bei dem der Schwerpunkt auf der bewussten Bewegung des Tieres liegt) und Ernährungsberatung schlossen sich an. 2020 wollte sie mit der eigenen Praxis durchstarten. Doch auch ihr kam Corona in die Quere.

Susanne Zander behandelt nun gezielt die Muskeln an Dinghys Hinterläufen. Alle 14 Tage kommt Meike Clausen mit ihrem Hund in die Praxis. Aber auch Hausbesuche sind möglich. Die Abfolge der Termine richtet sich nach der Beschwerde. „Gerade bei akuten Schmerzen oder nach einer Operation ist es wichtig, schnell die Beweglichkeit wieder herzustellen. Da sollten keine großen Pausen zwischen sein. Bei anderen Hunden reichen ein paar Treffen und die Übungen zu Hause“, sagt die Therapeutin.

Ein Trainingsplan für den Hund

Schwachstellen im Skelett und Muskelbau sind oft rassespezifisch. Französische Bulldoggen, Möpse und Dackel sind für Bandscheibenvorfälle prädestiniert. Ihr langer Rücken macht den Wirbeln zu schaffen. Yorkshire und Jack Russell haben Probleme an der Kniescheibe oder mit dem Kreuzband. Wer beim täglichen Training auf den spezifischen Körperbau seines Hundes achtet, kann die Gelenkschäden zumindest hinauszögern.

Dafür gibt Susanne Zander den Kunden einen Trainingsplan für ihren Hund mit. Die Übungen sind so aufgebaut, dass sie leicht in den Alltag integriert werden können. Slalom-Läufe um Fahrradständer oder über die eigenen Beine: Ziel ist, beweglich zu bleiben. Da sind Hunde, wie wir Menschen, sagt sie.

Dinghy lässt sich von den beiden Frauen auf die andere Seite drehen. „Wenn wir hier rausgehen, ist er wie verwandelt. Er hoppelt wieder durch den Garten. Man merkt, dass es ihm gut geht“, sagt Meike Clausen.

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