TAmateurtrainer im Kreis Stade: Ohne die Liebe zum Fußball geht es nicht
Filippo Callerame sieht sich als Motivator. Foto: Struwe (Archiv)
Sie sind ehrgeizig und engagiert, sie betreiben ihr Hobby mit Leidenschaft und werden von der Trainingsmoral gern mal ausgebremst. Was motiviert die Amateurtrainer?
Landkreis. Björn Stobbe, der Heimatverbundene
Der 50-jährige Trainer des Bezirksligisten VSV Hedendorf/Neukloster hat schon vor Jahren den Begriff „Amateur-Rucksack“, den die Trainer mit sich rumschleppen müssen, etabliert. Stobbe meint damit, dass die Spieler heutzutage ihrem Hobby nicht mehr alles unterordnen. Da fehlen Mannschaften dann auch mal ein paar Spieler an einem Spieltag, weil Oktoberfest ist.
Björn Stobbe hat seinen Vertrag in Hedendorf gerade um zwei weitere Jahre verlängert. Foto: Schmietow/FuPa
„Es gibt oft, fast zu häufig, diese Frustmomente“, sagt Stobbe. Auch jetzt gerade in der Wintervorbereitung laufe es nicht optimal. Trotz der ewigen Herausforderungen hat er seinen Vertrag mit den VSV kürzlich um zwei weitere Jahre verlängert. Übergreifend geht Stobbe ab der nächsten Saison in das zwölfte Jahr als Trainer der ersten Mannschaft in Hedendorf. Mit Mitte 20 begann er als Jugendtrainer bei seinem Heimatverein, war dann Trainer der Zweiten und Co-Trainer der Ersten.
Zwischendurch war Stobbe auch Trainer der zweiten ASC-Mannschaft, führte die Estebrügger ungeschlagen in die Kreisliga und hielt dort die Klasse. Danach war er drei Jahre erfolgreich beim TSV Apensen.
„Es ist die Liebe zu dem wunderbaren Sport“, sagt Stobbe. Ohne Überzeugung ginge es nicht, könnte man nicht diese Energie aufbringen. „Unsere Tage beginnen mit dem Job und enden spät abends mit unserem Hobby Fußball.“ Er mache das nun fast sein Leben lang. Die Motivation ist trotz der Frustmomente geblieben.

Lutz Bendler arbeitet gern mit jungen Menschen zusammen. Foto: Struwe (Archiv, nomo)
Lutz Bendler, der Junggebliebene
Der 76-Jährige ist seit knapp 50 Jahren als Trainer tätig. Schon während seines Studiums trainierte er Mannschaften. Als Spielertrainer des FC Bergedorf 85 erlebte Bendler 1982 einen seiner Höhepunkte mit dem DFB-Pokalspiel gegen Bayern München (1:5, 15.000 Zuschauer). Auch zahlreiche Auslandsfahrten bleiben in Erinnerung.
Bendler trainierte unter anderem neun Jahre die erste D/A-Mannschaft, stieg drei Mal auf, aber auch ein Mal wieder ab. Die zweite D/A-Mannschaft trainierte er sechs Jahre und führte sie in die Landesliga, wo sie seitdem spielt. Auch die SG Lühe trainierte er noch zu Bezirksligazeiten. Seit 2015 ist er für den VfL Güldenstern Stade tätig und ist beim neu gegründeten JFV D/A & Stade auch sportlicher Leiter.
„Es macht mir einfach Spaß, mit jungen Menschen zu arbeiten“, sagt Bendler. Er sei auch „unglaublich gern Lehrer gewesen“. Bendler möchte dem Nachwuchs etwas mitgeben, und die Arbeit halte auch ihn jung.

Rainer Rambow (rechts) wurde von Christian Wierzbinski (links) zu den FSV Bliedersdorf/Nottensdorf gelotst. Foto: Struwe (Archiv)
Rainer Rambow, der Kantige
Der 50-jährige Trainer des Kreisligisten FSV Bliedersdorf/Nottensdorf redet nicht drumherum. Als es in dieser Saison nach der vorherigen Vizemeisterschaft nicht lief, stellte er sich bei der Ursachenforschung auch selbst mit auf die Liste aller Möglichkeiten.
Eigentlich wollte Rambow nach seiner Zeit bei den VSV Hedendorf/Neukloster eine Pause einlegen. Seine Frauen zuhause schickten ihn aber schnellstmöglich wieder auf den Fußballplatz. „Dass es zu keiner Pause kam, hat Christian (Wierzbinski, sportlicher Leiter und Trainerkollege bei den FSV; Anm.d.Red.) clever über meine Frau eingefädelt“, sagt Rambow. Ganz offensichtlich sei er zuhause unerträglich, wenn er keine Aufgabe hat, sagt Rambow und lacht.
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Er ist seit 20 Jahren dabei, fing als Jugendtrainer an, war vor seiner langen VSV-Zeit auch schon Trainer in Harsefeld und Immenbeck. „Früher war der Zusammenhalt stärker“, sagt Rambow, „aber den gibt es auch heute noch.“ Jetzt in Bliedersdorf schätzt er das Vereinsleben sehr, es entstehen Freundschaften auch mit den Zuschauern. „Egal, wo man ist, trifft man immer auf viele nette Menschen“, sagt Rambow.
Er sei gern unter jungen Menschen. „Und natürlich gibt es einem auch etwas, wenn man Mannschaften oder einzelne Spieler weiterentwickelt - wenn man etwas erreicht“, sagt Rambow.

Filippo Callerame sieht sich als Motivator. Foto: Struwe (Archiv)
Filippo Callerame, der Akribische
Der 49-jährige Trainer des Bezirksligisten Deinster SV ist sehr ehrgeizig und akribisch. Callerame begann beim MTV Hammah als Spielertrainer und führte die Mannschaft in die Bezirksliga. Seit sechs Jahren ist er in Deinste. Nach drei Vizemeisterschaften gelang 2024 der ersehnte Aufstieg, zudem wurde Deinste zwei Mal Kreispokalsieger.
Callerame macht für seine Mannschaft Videoanalysen. „Da ist es egal, in welcher Liga man spielt“, sagt er, wenn er etwas macht, dann richtig. „Aber natürlich darf man die Jungs nicht überfordern, vielleicht passiert mir das manchmal.“
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Im Amateurbereich stehe der Spaß im Vordergrund, am meisten Spaß macht es aber, dabei auch zu gewinnen, findet Callerame. „Man muss ein Zwischending finden.“ Er sieht sich als guten Motivator. Motivation sei das Entscheidende, wenn man aufgrund der Trainingsbedingungen nicht optimal arbeiten kann.
Auch er habe immer wieder Durchhänger, wo die Kraft fehlt.„Ohne Liebe zum Fußball geht es nicht“, sagt Callerame, bei ihm sei da viel Herzblut dabei und „das merken auch die Jungs“.

Der 68-jährige Uwe Duchow ist seit 35 Jahren am Stück für zahlreiche Vereine tätig. Foto: FuPa
Uwe Duchow, der Umtriebige
Seit 35 Jahren am Stück ist der 68-Jährige als Trainer tätig und war bei zahlreichen Vereinen. Derzeit trainiert Duchow den Schwinger SC in der 3. Kreisklasse. Er trainierte unter anderem Bargstedt, als es noch die Bezirksklasse gab. Er war in Fredenbeck, Wiepenkathen, Stade, Hagen, Bliedersdorf, Moisburg.
Duchow trainierte ambitionierte, höherklassig spielende Junioren oder wie jetzt eine untere Kreisklassenmannschaft. Die Unterschiede seien groß, so Duchow. „Meine Motivation ist immer der Mensch an sich und die Herausforderung, den Jungs noch mal etwas beizubringen.“
Letztlich sei es aber ganz einfach: „Ich freue mich immer, auf den Fußballplatz zu kommen. Ich liebe es, einen gemähten Rasen zu riechen, das hat mich schon als Spieler motiviert.“

Das passt: Matthias Quadt und der VfL Güldenstern Stade. Foto: Struwe (Archiv, nomo)
Matthias Quadt, der Hoffnungsträger
Der VfL Güldenstern Stade verlängerte schon während dieser Saison mit dem 45-Jährigen, weil die Verantwortlichen in Quadt die Ideallösung sehen. Unabhängig davon, ob der Klassenerhalt in der Landesliga gelingt.
Quadt war beim FC Oste/Oldendorf („schöne Zeit“) sowie in Hemmoor und Elm („bei den beiden Vereinen habe ich es nicht so gut hinbekommen“, so Quadt). Beim VfL Güldenstern Stade musste er nach seinem ersten Engagement zwei Mal übernehmen, als seine jeweiligen Nachfolger scheiterten.
„Der VfL Güldenstern Stade ist Herzblut“, sagt Quadt. Er war Spieler der TuS Güldenstern Stade und begann auf der Camper Höhe mit 25 Jahren als Jugendtrainer. „Die Verbindung ist also schon besonders.“
Quadt sieht sich als Teamplayer, der die Spieler mitnehmen und begeistern will. Fußball verbindet, sagt Quadt, das motiviert. Er arbeitet gern mit Menschen zusammen und lernt gern immer wieder neue Menschen kennen. „Jetzt lerne ich grad Mädchenfußball kennen, weil meine Tochter jetzt auch kickt.“
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