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Sommerspiele

TStader Stimme bei Olympia: Florian Obst kommentierte Sensationssieg

Florian Obst war fast täglich für das ZDF im Einsatz, manchmal auch zweimal.

Florian Obst war fast täglich für das ZDF im Einsatz, manchmal auch zweimal. Foto: privat

Spätestens seit dem Handball-Erfolg der Deutschen gegen Frankreich kennt fast jeder Fan seine Stimme. Kurios: Eigentlich arbeitet Florian Obst bei der Volksbank. Bei der Vorbereitung auf das TV-Großereignis half ihm auch ein prominenter Buxtehuder.

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Von Tim Scholz
Donnerstag, 08.08.2024, 15:53 Uhr

Mainz/Stade. Florian Obst ist seit mehr als zwei Wochen im Olympia-Modus. Fast jeden Tag kommentiert er ein Fußball- oder ein Handballspiel, manchmal auch zwei. Gestern erst das Spiel um Platz drei zwischen Ägypten und Marokko (Männerfußball), wenig später dann das Halbfinale zwischen Norwegen und Dänemark (Frauenhandball). „Langweilig wird mir nicht“, sagt Obst.

Der 30-jährige Stader gehört zum Olympia-Team des ZDF. Der Sender überträgt viele Stunden live im Fernsehen und im Stream, doch Florian Obst sitzt nicht in einer der schicken Arenen oder Stadien in Frankreich, sondern in einer Kabine im Olympia-Sendezentrum in Mainz. Von dort aus kommentierte er auch die Zusammenfassung des Sensationssiegs der deutschen Handballer gegen Frankreich.

Schon vor drei Jahren in Tokio dabei

Die Kabinen sind nicht unbedingt komfortabel, aber Florian Obst hat alles, was er braucht. Zwei Bildschirme, ein Headset und gerade genug Platz, um seine Notizen vor sich auszubreiten oder notfalls an die Scheibe zu kleben. „Man kann sich so eine Box wie eine größere Telefonzelle vorstellen“, sagt er. Und mit der Zeit kann es schon mal stickig werden.

So sieht sein Arbeitsplatz in Mainz aus.

So sieht sein Arbeitsplatz in Mainz aus. Foto: privat

Aber das scheint für ihn kein Problem zu sein. Das „Riesenerlebnis“ Olympia stehe über allem, sagt Florian Obst. Schon als kleiner Junge hat er Olympia vor dem Fernseher verfolgt, die Wettkämpfe mit Figuren der Schlümpfe nachgespielt und war vor drei Jahren bei den Corona-Spielen in Tokio im ZDF-Team. „Es ist ein Traum, ein Teil davon zu sein.“

So bereitet er sich auf Olympia vor

Wie er das geschafft hat: Nach dem Studium startete Florian Obst als Kommentator durch. Für einen Hamburger Sender kommentierte er mehr als 300 Fußballspiele, außerdem die Handballspiele des Buxtehuder SV für den Livestream. „Damit habe ich meine Nische gefunden“, sagt er. Bei den letzten olympischen Spielen kommentierte er vor allem Frauenhandball.

Vieles ist mittlerweile Routine. Doch um sich auf seine Einsätze vorzubereiten, investiert Florian Obst viel Zeit. „Wenn ich ein ganzes Spiel kommentiere, brauche ich schon einen ausgedehnten Arbeitstag für die Vorbereitung“, sagt er.

Obst liest Nachrichten, informiert sich über die Spieler, studiert Statistiken. Mit Hilfe einer Datenbank übt er die Aussprache der Namen und lernt die möglichen Aufstellungen auswendig, um die Namen schneller zuordnen zu können.

Florian Obst will einen Mehrwert bieten

Während des Spiels ist Florian Obst zwar auf sich allein gestellt, aber im Vorfeld hat er sich mit anderen Kommentatoren ausgetauscht oder mit Experten wie dem Buxtehuder Bundesliga-Trainer Dirk Leun. Mit ihm habe er über das Teilnehmerfeld im Frauenhandball gesprochen, sagt Obst.

Sein Anspruch: „Ich will den Zuschauern einen Mehrwert bieten und nicht nur das erzählen, was auf dem Spielfeld passiert“, sagt Florian Obst. Doch sein Blick auf das Geschehen ist eingeschränkt; in der Mainzer Kabine sieht er nur das, was auch der Fernsehzuschauer sieht. Ist das ein Problem? Sollte der Kommentator nicht vor Ort sein?

Immer mehr Kommentatoren in der Kabine

„Natürlich wäre es einfacher, wenn man näher dran wäre. Dann würde man auch besser mitbekommen, was auf der Tribüne passiert oder ob ein Flitzer aufs Feld läuft“, sagt Florian Obst. Inzwischen sitzen aber immer mehr Kommentatoren in der Kabine statt im Stadion. Dieser Trend habe sich durch Corona verstärkt, sagt Obst. „Man hat gesehen, dass es funktioniert.“

Das Kommentieren ist mittlerweile nicht mehr sein Hauptberuf. Vor drei Jahren hat Florian Obst die Branche gewechselt. „Als Kommentator arbeitet man 70 bis 80 Stunden. Das ist nicht gerade familienfreundlich“, sagt er. Inzwischen leitet der Vater eines sechsjährigen Sohnes das Team für Marketing und Kommunikation bei der Volksbank Stade-Cuxhaven.

Für seinen Olympia-Einsatz hat er sich drei Wochen Urlaub genommen. Es sei eine intensive Zeit gewesen, sagt er. Aber es hat sich gelohnt.

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