TStader Tierschützerin kämpft für das Leben türkischer Straßenkatzen
Hande de Palma mit ihrem Kater Gaius. Auch ihn hat sie von einem Leben auf den Straßen Izmirs gerettet. Foto: P. Meyer
Aus Liebe zu Tieren kümmert sich Hande de Palma um Straßenkatzen in der Türkei - ganz ohne Verein. Dafür überwindet sie emotionale Strapazen und sogar ihre Flugangst.
Stade. Wegschauen ist für Hande de Palma keine Option: Seit sie als junges Mädchen erstmals mit den Straßenkatzen im türkischen Izmir in Berührung kam, lässt sie deren Leid nicht mehr los. Die Staderin widmet sich mit viel Hingabe der Rettung dieser Tiere. Wie groß ihr persönlicher Einsatz ist und welche Hürden Hande de Palma für die Straßenkatzen in Kauf nimmt, zeigte am Wochenende die Vox-Sendung „hundkatzemaus“.
Weltkatzentag
Kleine Notfelle - warum Straßenkatzen so leiden
Es ist ihre große Liebe zu Tieren, die die Mutter eines vierjährigen Sohnes antreibt. Etwa viermal im Jahr fliegt Hande de Palma auf eigene Faust nach Izmir, in die drittgrößte Stadt der Türkei, um sich um verletzte und erkrankte Katzen zu kümmern. Sie lässt sie kastrieren und behandeln und versucht, sie in gute Hände zu vermitteln. Und das, obwohl die Tierschützerin an großer Flugangst leidet. „Die Katzen haben sonst niemanden“, sagt Hande de Palma.
Sie kennt jeden Schützling beim Namen
Eigentlich genießen Katzen in der Türkei ein hohes Ansehen. Sie gehören zum gesellschaftlichen Leben, gelten im Islam als reine Tiere und prägen das Stadtbild türkischer Metropolen. „Izmir ist eine Stadt der Katzen“, sagt Moderator Frank Weber im „hundkatzemaus“-Beitrag. Er hatte Hande de Palma für den Vox-Dreh in die Türkei begleitet. „Die Katzen sind hier nicht einfach nur Haustiere, sie sind Stadtbewohner.“ Doch die Realität hat auch eine andere Seite: Viele der circa 100.000 Katzen, die in Izmirs Straßen leben, sind weder geimpft, noch kastriert - sie vermehren sich unkontrolliert. Hier setzt die Tierschützerin an.

Hande de Palma mit "hundkatzemaus"-Moderator Frank Weber (links). Foto: privat
Wenn Hande de Palma zu einer der sieben Futterstellen in ihrem Bezirk in einem Neubaugebiet in Izmir fährt, wird sie schon sehnsüchtig von einer Traube Katzen erwartet. Mithilfe örtlicher Helfer bekommen die Katzen hier täglich Futter. Sie kennen ihre Helferinnen mittlerweile, schnurren und umstreifen ihre Beine. Jeder der fast 100 Katzen hat Hande de Palma einen Namen gegeben. Wenn eine fehlt, fällt ihr das auf. „Sowas beschäftigt mich sehr“, sagt sie. Rückhalt für die Alleinkämpferin, die ohne Verein oder Organisation agiert, gibt es von Familie und Ehemann.
Alles begann mit „dem Glücklichen“
In Izmir, sagt Hande de Palma, spürte sie zum ersten Mal als Kind, dass die Katzen sie brauchen. Ihre Familie lebt hier, die Sommer verbrachte sie bei ihrer Großmutter. „Damals habe ich eine Babykatze in einem Rohr entdeckt und mich heimlich im Garten um sie gekümmert“, erinnert sie sich.
Begonnen habe alles aber mit Kater Sansli - was auf türkisch „der Glückliche“ bedeutet. „Ich habe noch nie erlebt, dass eine Katze vor mir ohnmächtig geworden ist. Er stand kurz vorm Sterben“, so Hande de Palma. Über längere Zeit konnte sie das Vertrauen des Katers erlangen - damals blieb sie für zwei Monate in der Türkei. Das rettete Sansli das Leben. Dass der Kater am Ende vermittelt werden konnte, habe viele ihrer Strapazen wieder wett gemacht, berichtet de Palma: „Ich versuche mich an solchen Momenten festzuhalten.“

Bei einem ihrer letzten Hilfseinsätze in Izmir wurde Hande de Palma von einem Vox-Kamerateam begleitet. Foto: privat
Mit ihrer empathischen Art ist es für Hande de Palma trotz all dem Guten, das sie bewirkt, nicht immer leicht. „Ich bin oft hin- und hergerissen zwischen weitermachen und aufhören“, erklärt sie. Zu ihrer Flugangst gesellt sich das Leid der Tiere, das schwer auf ihr lastet. „Du kannst nicht alle retten“, gab Frank Weber de Palma mit auf den Weg. Die beiden kennen sich seit zehn Jahren, der Kontakt zu „hundkatzemaus“ erfolgte über den Moderator. „Er ist eine Art Mentor für mich“, sagt Hande de Palma. „Ich war überwältigt und geehrt, dass Vox sich für meine Arbeit interessiert.“
Spenden: Support kommt aus der Community
Damit ihre ehrenamtliche Arbeit überhaupt möglich ist, sammelt die Tierschützerin online Spenden. Auf ihrem Instagramkanal „handeciiim“ zeigt Hande de Palma ihrer Community von mittlerweile knapp 20.000 Followern genau, was mit den Spenden passiert.
„Ich will so transparent wie möglich sein“, so de Palma. „Deshalb teile ich auch viel von mir persönlich. Nur durch die Spenden ist es möglich den Katzen zu helfen.“
Negative Kommentare oder Fake-Profile, die ihre Videos klauen, versucht die junge Mutter nicht an sich heranzulassen. Ebenso wie ein neues Gesetz, dass die Tötung von kranken oder aggressiven Straßenhunden in der Türkei erlaubt. „Wir befürchten, dass das auf die Katzen ausgeweitet werden könnte“, so de Palma.

Knapp 100 Straßenkatzen versorgt Hande de Palma in Izmir gleichzeitig. Foto: privat
Bereits im Juni will Hande de Palma wieder nach Izmir fliegen, um sich um ihre Straßenkatzen zu kümmern. Über ihre Community konnte sie bereits 15 Katzen nach Deutschland vermitteln. Keine Selbstverständlichkeit, schließlich ist das Verfahren aufwändig und teuer. Auch eine ihrer eigenen vier Katzen, Kater Gaius, holte sie aus Izmir nach Deutschland. Hier lebt er jetzt ein behütetes und umsorgtes Katzenleben - fernab der Straße.
Die Folge „hundkatzemaus“ vom 21. März findet sich bei RTL+ in der Mediathek.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.