Abend der Begegnung

TStades Stille Nacht: Menschen trauern würdevoll um die sechs Toten

Am Sande wurde ein würdevoller Trauerplatz eingerichtet.

Am Sande wurde ein würdevoller Trauerplatz eingerichtet. Foto: Strüning

Viele nutzten die Angebote am Abend der Begegnung, um mit ihrer Trauer um die sechs Toten in der Dankersstraße umzugehen. Ein Rundgang durch die Stader Innenstadt.

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Von Lars Strüning
04.07.2026, 12:00 Uhr

Stade. Berührend war die Szenerie in der Cosmae-Kirche, die am Freitagabend zusammen mit der Wilhadi-Kirche ihre Türen zu Orten der Stille geöffnet hatten. Viele Menschen hatten Kerzen angezündet, saßen still und in ihren Gedanken versunken auf den Bänken.

In der St. Cosmae Kirche zündeten Trauernde Kerzen an.

In der St. Cosmae Kirche zündeten Trauernde Kerzen an. Foto: Strüning

Am Gertrudenaltar in einer seitlichen Nische konnten sie ihre Trauer, ihre Betroffenheit über die Vorfälle in Worte kleiden. Die Cosmae-Gemeinde hatte dafür den Dreiklang von Glaube, Liebe, Hoffnung als Motto vorgegeben. Gerade zu den meditativen Nachtmusiken von der Orgel waren die Kirchenbänke gut besetzt.

Große Trauer: „Für immer in unseren Herzen“

Würdevoll und angemessen ging es auch am Ankerplatz auf dem Sande zu, der sich an diesem Abend zu einem zentralen Trauerort entwickelte. Auf dem Straßenpflaster stand „Für immer in unseren Herzen“. In Schneckenform waren Blumen, Lichter und Trauerkarten rund um einen Lebensbaum angeordnet. Menschen verharrten an diesem besonderen Platz, umarmten sich, standen in kleinen Gruppen zusammen, hatten Tränen in den Augen.

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Die schreckliche Tat von Montag, als sechs Menschen nach Schüssen in der Dankersstraße starben, das war am Ankerplatz wie in der ganzen Stadt deutlich zu spüren, ist in ihrem Ausmaß kaum zu greifen. Zwei Mitglieder des Kriseninterventionsteams der Johanniter standen zu Gesprächen bereit. Diese drehten sich um das dramatische Geschehen von Montag, um die Todesopfer und deren Angehörige.

In einem Baum der Trauer hängten Menschen Herzen mit Botschaften auf.

In einem Baum der Trauer hängten Menschen Herzen mit Botschaften auf. Foto: Strüning

Das wurde auch an einem Baum der Trauer sichtbar. Hier konnten rosa Papierherzen mit Botschaften aufgehängt werden. Einige waren kurz gehalten wie „Trauer“, „Wut“ oder „Warum?“ Andere fielen ausführlicher aus: „Möge die Liebe gewinnen. Für immer.“

Fischmarkt: Ein ganz gewöhnlicher Sommerabend

Ja, das Leben geht weiter. Am Fischmarkt herrschte gewohnte Stimmung. Viele Menschen bevölkerten bei 18 Grad und einer frischen Brise die Gastronomie. Dezentes Stimmengewirr beherrschte die Szenerie. Auf dem Kunstkudder bot Trauerbegleiterin Christina Hollinde diskrete Gespräche im geschützten Raum an.

In der Tourist-Info am Fischmarkt spielte das Trio Djangonauten dezente Kleszmer-Musik.

In der Tourist-Info am Fischmarkt spielte das Trio Djangonauten dezente Kleszmer-Musik. Foto: Strüning

Nebenan in der neuen Tourist-Info hatten die Djangonauten ihr Programm reduziert, damit der Verein Klönschnack Stade in Ruhe Gespräche über das Leben führen konnte. Britta Rust, Ehrenamtsbeauftragte der Stadt Stade, hatte dafür Karten mitgebracht mit Fragen wie: „Lieber duzen oder siezen?“ oder „Was war die beste Entscheidung ihres Lebens?“

Normalerweise hätte die Stade Marketing (SMTG) am Freitagabend mit der Langen Nacht ein Feuerwerk von Kultur und guter Laune gezündet. Doch nach den tödlichen Schüssen war nur wenigen zum Feiern zumute - auch den Organisatoren der SMTG nicht. Sie warfen das Programm um, sagten Großteile der Langen Nacht ab und initiierten einen Abend der Begegnung mit vielen stillen Angeboten. Das kam gut an.

In vielen Gesprächen war SMTG-Chef Dr. Andreas Schäfer und seinem Vize Frank Tinnemeyer großes Verständnis für die Entscheidung signalisiert worden. „Wir hatten eine gute Resonanz vorab“, sagt Schäfer. Dass sie den richtigen Nerv trafen, zeigte sich am Freitagabend. „Wir sind sehr angetan von dem Angebot und der passenden Stimmung.“

Ausgesprochen gut gebucht waren die fixen Führungen in der Altstadt, aber auch in Schwedenspeicher und Kunsthaus. Allein hier seien 1000 Gäste gezählt worden.

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