TStarke Bundesliga-Serie: Er trainiert Werders Torfrauen
Der Bremervörder Hendrik Lemke arbeitet in seiner zweiten Saison als Torwarttrainer bei den Bundesliga-Kickerinnen des SV Werder Bremen. Foto: Krause Foto: Krause
Für die Fußballerinnen des SV Werder Bremen läuft es gut. Mittendrin: Torwarttrainer Hendrik Lemke. Der Bremervörder hat großen Anteil daran, dass Keeperin Mariella El Sherif ein echter Rückhalt ist.
Bremen/Bremervörde. In der letzten Partie vor der Winterpause gab es einen kleinen Rückschlag. Das Team von Neu-Trainerin Friederike „Fritzy“ Kromp verlor bei Tabellennachbar SC Freiburg deutlich mit 0:3. Dabei spielte womöglich auch die 700 Kilometer lange Anreise eine Rolle: „Es fehlte uns die Frische, und der Gegner war spielerisch das bessere Team“, räumt Hendrik Lemke ein.
Der Torwarttrainer notierte gleich zwei Sonntagsschüsse, die für die 2:0-Halbzeitführung der Breisgauer sorgten. „Das waren sehenswerte Tore, bei denen Mariella chancenlos war“, erklärt Lemke, der auf seine aktuelle Nummer eins große Stücke hält. Die Österreicherin wechselte nach dem Abgang von Livia Peng (FC Chelsea) von Liga-Konkurrent FC Carl Zeiss Jena an den Osterdeich und entwickelte sich unter Torwarttrainer Lemke blendend. Die 21-Jährige setzte sich im Duell gegen Neuzugang Vanessa Fischer (27/FFC Turbine Potsdam) durch.
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Lemke ist zurecht ein wenig stolz, dass er gleich zwei gleichstarke Keeperinnen scoutete und an die Weser lotste. „Wir hatten nach dem plötzlichen Weggang von Livia nicht viel Zeit, Ersatz zu finden. Aber wir hatten schon einige Torhüterinnen auf dem Zettel“, erklärte der Bremervörder, der die Grün-Weißen zwischen den Pfosten gut aufgestellt sieht. „Das ist personell gesehen schon oberes Regal. Und damit haben wir vielleicht ein Luxusproblem“, weiß der 41-Jährige, der nach 18 Monaten bei Werder deutliche Spuren hinterlassen hat, was die Entwicklung der Torhüterinnen angeht.
Großes Lob des Torwarttrainers an sein Frauen-Duo
Dass Österreichs Nationalkeeperin, die gerade mal 21 Jahre alt ist, als Nummer eins in die Saison ging, war eine knappe Sache. „Mariella und Vanessa lagen nach der Vorbereitung fast gleichauf“, sagt Lemke und betont, dass es keine leichte Entscheidung gewesen sei. „Fritzy hat den beiden die für Vanessa nicht einfache Nachricht überbracht“, verrät Lemke.
Lemke will seinen Keeperinnen im Trainingsalltag viele anspruchsvolle Inhalte bieten. Und er zollt seinem Torwart-Duo viel Lob: „Die tägliche Arbeit macht mega viel Spaß, weil beide voller Elan dabei sind. Sie wollen einfach besser werden.“ Beiden Frauen zwischen den Posten stellt er nach der Hinrunde ein gutes Zeugnis aus: „Es ist eine ausgezeichnete Entwicklung zu erkennen“, findet Lemke.
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Und was sind die Stärken von Mariella El Sherif? „Sie ist super in der Raumverteidigung, und sie agiert konsequent und ohne Angst“, findet Lemke. „Und ihr feiner rechter Fuß ist ihr Markenzeichen. Sie ist in den Spielaufbau komplett eingebunden“, lobt Lemke. Einige der bislang 26 Zähler der Werder-Kickerinnen habe Österreichs Nummer eins buchstäblich allein festgehalten. „20 Gegentore in 14 Spielen, das ist schon eine richtig gute Quote. Das zeigt ihre Qualität“, sagt Lemke.
„Wir haben mit kleinen Stellschrauben bereits einiges zum Positiven verändert“, findet Lemke, dessen Winterbilanz positiv ausfällt. „Wir hatten in einigen Partien auch das nötige Spielglück“, räumt der Bremervörder ein. Doch die Werder-Mannschaft habe sich personell kaum verändert, und sei stets sehr geschlossen aufgetreten. „Außerdem ist die Spielidee von Fritzy schnell bei den Mädels angekommen.“ Und mit einem Augenzwinkern schiebt Lemke nach: „Wir schweben derzeit auf einer Erfolgswelle und glauben an uns.“
Lemke über das Team um Cheftrainerin Kromp
Nach dem Rückzug von Coach Thomas Horsch, konnte mit Friederike Kromp eine kompetente Nachfolgerin gewonnen werden. Die 41-Jährige sorgte für neue Strukturen und weist nach nur sechs Monaten eine beeindruckende Bilanz auf. Nach den Top-Teams Bayern München und VfL Wolfsburg und starken 14 Spielen folgen die Grün-Weißen als Dritter. Und die Zusammenarbeit lässt auch beim Torwarttrainer keine Wünsche offen.
„Ich bin ja als Einziger aus dem alten Trainerteam übrig geblieben. Der Austausch und das Miteinander sind sehr gut, wobei die täglichen Abläufe schon anders geworden sind“, erklärt Lemke. Worauf der Bremervörder anspielt: Es wurden zwei hauptamtliche Co- und ein Athletik-Trainer verpflichtet. Dadurch seien die Arbeiten besser verteilt, findet Lemke. Die kontinuierliche und strukturierte Arbeit drückt sich in der Bilanz von acht Siegen und zwei Remis bei nur vier Niederlagen aus.

Torwarttrainer Hendrik Lemke im Austausch mit Vanessa Fischer (links) und Mariella El Sherif. Foto: Krause
Lemke hofft, dass sich der Trend nach der Winterpause fortsetzt. Dafür sollen im Trainingslager in der Nähe von Valencia wichtige Voraussetzungen geschaffen werden. „Ein Trainingslager in Spanien gab es bisher noch nicht, das wird für viel Motivation sorgen“, glaubt Lemke, der nicht nur auf eine erfolgreiche Rückrunde hofft.
Im DFB-Pokal treten die Grün-Weißen am 11. März im Viertelfinale bei Ligakonkurrent SGS Essen an. „Wir spielen im ehrwürdigen Stadion an der Hafenstraße und haben die Chance auf ein Weiterkommen“, ist Lemke überzeugt. Im Laufe der Rückrunde will der Bremervörder auch mit den Werder-Verantwortlichen über seine Zukunft sprechen: „Ich bin sehr glücklich bei Werder und würde gerne weitermachen“, sagt Hendrik Lemke ganz offen.