TStill sitzen liegt ihr nicht: Stader Ordnungsamt verliert ein Original
Kirsten Bock hat in ihrem Job schon einiges erlebt und gesehen. Im Gespräch nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Foto: Stehr
Mit 16 hat Kirsten Bock keine Lust mehr auf Schule und macht bei der Stadt Karriere. Fast 50 Jahre später ist sie nicht nur als Kämpferin gegen Falschparker bekannt.
Stade. Still sitzen sei nicht ihr Ding, sagt Kirsten Bock über sich. Sie sei eben ein echter „Wippsteert“. Das ist Plattdeutsch und bedeutet unruhiger, lebhafter Mensch. Bei ihren Kollegen aus der Stadtverwaltung ist die Ordnungsamtschefin außerdem für ihren Kaffee- und Zigarettenkonsum bekannt. Mit ihrem Weggang endet eine Ära.
Sie ist täglich um 7 Uhr im Büro
Seit 48 Jahren arbeitet Kirsten Bock für die Stader Stadtverwaltung. Am kommenden Freitag hat die 64-Jährige, die meist schon um 7 Uhr im Büro ist, ihren letzten Tag. Sie verabschiedet sich erst in den Urlaub und dann in den Ruhestand. Ihre berufliche Laufbahn ist beeindruckend.
Mit 16 fängt Kirsten Bock eine Ausbildung zur Verwaltungsangestellten an. „Auf Schule hatte ich keinen Bock mehr“, sagt die drahtige Frau mit den kurzen grauen Haaren und den wachen braunen Augen. Sie redet schnell und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Ordnungsamtschefin Kirsten Bock hat fast 50 Jahre für die Stader Stadtverwaltung gearbeitet. Foto: Stehr
Als sie 12 Jahre alt ist, zieht sie mit ihrer Familie von Hamburg nach Stade. Auch darauf habe sie keinen Bock gehabt. Denn plötzlich fuhr nicht mehr alle fünf Minuten ein Bus und an der Schule fehlten die Jungs. Bis 1974 war das Vincent-Lübeck-Gymnasium nämlich eine reine Mädchenschule.
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Bei der Stadtverwaltung landet Kirsten Bock zunächst beim Steueramt. 1992 wird sie stellvertretende Leiterin des Ordnungsamtes, einige Jahre später übernimmt sie die Amtsleitung bei der Bauaufsicht. Ab 2007 führt sie das unter dem damaligen Bürgermeister Andreas Rieckhof eingeführte Vorstandsbüro - eine Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung.
Kirsten Bock kehrt 2012 zurück in „ihr Ordnungsamt“
Zusammen mit ihrem Team bereitet sie unter anderem Besuche des damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff vor und begleitet 2011 die große Trauerfeier für den ehemaligen Bürgermeister und Ehrenbürger Heinz Dabelow. 2012 kehrt Kirsten Bock schließlich in „ihr Ordnungsamt“ zurück - als Chefin.
„Der Job ist toll, weil er so abwechslungsreich ist“, sagt Kirsten Bock, die ihre Schreibtischpapiere in einem Topfdeckelhalter organisiert. Von Adressänderungen und Bußgeldangelegenheiten über Hundeanmeldungen und Rattenbekämpfung bis zum Wochenmarkt - die Liste der Dienstleistungen, für die das Ordnungsamt zuständig ist, ist lang. Auch das Tierheim und die städtische Feuerwehr fallen in Kirsten Bocks Zuständigkeitsbereich.
Bei großen Alarmierungen muss auch Kirsten Bock ausrücken. Zum Beispiel beim Brand eines Wohnhauses direkt neben der Cosmaekirche 2015. Das Ordnungsamt muss in solchen Fällen sicherstellen, dass Bewohner alternativ irgendwo unterkommen. Zum Beispiel in einem Hotel.
„So ein egoistisches Verhalten irritiert mich“
„Zum Glück standen an dem Abend keine Falschparker an der Kirche, sodass die Feuerwehr gut durchkam“, sagt Kirsten Bock. Für Falschparker in der Altstadt hat sie absolut kein Verständnis. „So ein egoistisches Verhalten irritiert mich“, sagt sie. Auch wer „nur mal eben schnell“ sein Auto abstelle, behindere im Zweifel den Einsatz von Rettungskräften.
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Das treibt die Ordnungsamtschefin sogar im Feierabend um. „Wenn mir Falschparker auffallen, gebe ich meinen Kollegen durchaus mal einen Hinweis, wo sie kontrollieren sollen“, sagt sie. Außerdem achte sie beim Streicheln von Hunden darauf, ob die Tiere eine Marke tragen.
„Und ich gucke auf jeden Feuerlöscher“, sagt Kirsten Bock und lacht. Ihre gute Laune hat sie sich bewahrt - trotz einiger unbeliebter Aufgaben, die sie immer wieder übernehmen muss.
Wasserleichen, tote Katzen und Amtsbestattungen
So ist Kirsten Bock vor Ort, wenn - wie 2022 - eine Wasserleiche im Burggraben treibt. Oder hilft, 45 Katzen aus einem verwahrlosten Haus zu holen, einige Tiere waren bereits tot. Im Auto hat Kirsten Bock neben ihrer gelben Weste immer ein paar feste Schuhe. „Man muss auf alles vorbereitet sein“, sagt sie.
Das Ordnungsamt kümmert sich zudem um die Beerdigung von Menschen, die keine Angehörigen haben. „Leider werden das immer mehr“, sagt Kirsten Bock. Ein guter Ausgleich zu den schweren Aufgaben sei ihre Nebentätigkeit als Standesbeamtin.
„Zu 99,9 Prozent sind die Menschen, mit denen man es da zu tun hat, gut gelaunt“, sagt sie. Seit 1995 hat Kirsten Bock viele Feuerwehrpaare getraut. In Erinnerung bleibt auch eine Hochzeit im Krankenhaus mit einer hochschwangeren Braut.
Ihr Versprechen für den Ruhestand
Einen Plan für den Ruhestand hat die Frau, die gerne Thriller liest, noch nicht. Erstmal fährt sie, wie jedes Jahr im September, mit ihrem Mann in den Campingurlaub. Eins könne sie aber versprechen: „Ich spreche keine Falschparker an und rede auch meinem Nachfolger nicht rein“, sagt Kirsten Bock. Sie werde sich anders zu beschäftigen wissen.
Ab dem 1. Oktober leitet Sascha Middeke das Stader Ordnungsamt. Er leitete zuletzt das Vorstandsbüro.

Sascha Middeke ist der Nachfolger von Kirsten Bock. Foto: Stehr
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