TStrom-Vertrag: Betrüger hauen Buxtehuderin übers Ohr
Haustürgeschäfte sind unwirksam. Trotzdem hat Renate Schulz-Quirini sich einen Anwalt genommen. Foto: Felsch
Als Renate Schulz-Quirini zwei Männer ins Haus ließ, die die Zähler ablesen wollten, ahnte sie noch nicht, was das für Folgen nach sich ziehen sollte.
Buxtehude. Zwei junge Männer klingelten am Montag, 12. Januar, bei Renate Schulz-Quirini. „Die erzählten was von Änderungen und neuen Preisen, zeigten ihre Ausweise und wollten den Strom- und Gaszähler ablesen“, erinnert sich die 77-Jährige, die daraufhin fragte, ob die Männer von den Buxtehuder Stadtwerken kämen. Einer von ihnen nuschelte dann ein „Ja“, woraufhin Renate Schulz-Quirini die angeblichen Stadtwerke-Mitarbeiter in den Keller führte.
Anzeige bei der Polizei bringt in diesem Fall nichts
Wieder oben im Wohnzimmer, hätten die Männer etwas in ihre Tablets getippt und um die Stadtwerke-Verträge gebeten. „Hinterher habe ich registriert, dass da unsere Kontoverbindungen vermerkt sind“, ärgert sich die Seniorin, die aufgefordert wurde, mehrere Unterschriften zu leisten.
Schulz-Quirini wollte erst den Text auf dem Tablet sehen, aber die Männer hätten ihr erklärt, dass das erst möglich sei, nachdem sie unterschrieben habe. „Leider habe ich das gemacht, weil auf dem Bildschirm nur ein grünes Feld erschien“, bedauert sie. Als danach der Eon-Schriftzug aufploppte, fiel sie aus allen Wolken.
„Ich will nicht wechseln“, habe sie sofort geäußert. Die beiden Männer hätten sich stur gestellt: Das ginge nicht mehr. Alles Weitere laufe per E-Mail.

Ein Stromzähler zeigt die verbrauchten Kilowattstunden an. Foto: Sina Schuldt/dpa
Ein Anruf bei den Buxtehuder Stadtwerken bestätigte, dass die Gas- und Stromverträge des Ehepaars bereits gekündigt worden sind. Eine Mitarbeiterin empfahl der Kundin, zu widerrufen und den Vorfall der Polizei zu melden. Die ist allerdings nicht zuständig, da es sich um eine zivilrechtliche Sache handelt.
Mehrere Stadtwerke-Kunden in Buxtehude betroffen
„Leider passiert das öfter, dass Werber unseren Namen verwenden. Wir hatten am Dienstag allein drei Kunden, die sich bei uns meldeten“, bestätigt Holger Burkhard von den Stadtwerken Buxtehude. „Uns sind aber die Hände gebunden, gesetzlich haben wir keine Handhabe. Wir können unseren Kunden nur anbieten, bei Bedenken bei unserem Kundencenter anzurufen, wir versuchen dann, zu beraten, was zu tun ist.“
Schulz-Quirini erklärte per Mail, per Brief und am 15. Januar per Einschreiben mit Rückantwort ihren Widerruf. Außerdem rief sie bei der Hotline von Eon an. Ein Mitarbeiter habe versucht, zu helfen, aber da die Verträge noch nicht im System gewesen seien, konnte er nichts machen.
Geprellte Frau schaltet einen Anwalt ein
„Ich war bei der Sparkasse, weil ich Angst hatte, die buchen uns gleich was ab“, erzählt die Geschädigte weiter. Die Bankangestellte erklärte ihr, das Geldinstitut könne erst dann tätig werden, wenn Geld abgerufen wurde, was noch nicht der Fall war.
Eon schickte an Schulz-Quirini eine Mail mit der Aufforderung, innerhalb von sieben Tagen ein Passwort einzurichten, damit sie ihre Verträge einsehen könne. Ihr Anwalt riet davon ab und schickte am Montag, 19. Januar, eine Woche nach dem Vorfall, einen Widerruf an Eon - im Auftrag seiner Mandantin.
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Den Ausweis, den ihr einer der Männer zeigte, ist ausgestellt von der FE-Group, einer Firmengruppe aus Bremen mit rund 200 Mitarbeitenden und rund 1600 Handelsvertretern. Unter der Firmenadresse ist keine Telefonnummer vermerkt. Die E-Mail-Anfragen vom TAGEBLATT blieben unbeantwortet.
Eon-Sprecher versichert: Widerspruch ist möglich
Ein Eon-Sprecher schrieb: „Nach interner Prüfung können wir bestätigen, dass es sich bei den Beratungsgesprächen in der Region um Mitarbeitende eines unserer Vertriebsdienstleister gehandelt hat. Uns ist wichtig zu betonen: Die Beratungsgespräche an der Haustür sind ein unverbindliches Angebot und finden selbstverständlich nur dann statt, wenn die Kunden dies auch wünschen.“

Die angeblichen Stadtwerke-Mitarbeiter sagten, sie wollten nur den Strom- und Gasverbrauch ablesen. Foto: Felsch
Weiter heißt es: „Alle von uns beauftragten Außendienstmitarbeitenden werden nach strengen Kriterien ausgewählt und umfassend zu unseren Produkten sowie unserem Code of Conduct geschult(...) Dabei achten wir selbstverständlich auch darauf, dass sich die Mitarbeitenden stets korrekt ausweisen können.“
Eon: Verträge können binnen 14 Tagen gekündigt werden
Der Eon-Sprecher bedauert, wenn es zu Missverständnissen gekommen sei. „Wir haben dazu bereits Kontakt mit unserem Dienstleister aufgenommen, der entsprechende Nachschulungsmaßnahmen durchführen wird.“ Unabhängig davon gelte selbstverständlich das gesetzliche Widerrufsrecht: „Verträge können dabei ohne Angabe von Gründen binnen 14 Tagen schriftlich oder telefonisch widerrufen werden.“
Der Eon-Stromvertrag ist jetzt per Post bei der Buxtehuderin angekommen. Auf ihren Widerruf wurde - Stand 20. Januar - allerdings bisher noch nicht reagiert. „Ich bin fix und fertig, habe schlaflose Nächte“, sagt Renate Schulz-Quirini. „Ich möchte alle warnen, bloß vorsichtig zu sein, bei mir kommt jedenfalls niemand mehr ins Haus.“
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