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Lkw-Unfall

TTanklaster-Bergung in Wischhafen: Zwei Krane, aber eine schlechte Straße

Eine Bergung braucht Fingerspitzengefühl, vor allem, wenn zwei Krane beteiligt sind. Der Auflieger ist von der Zugmaschine getrennt und wird angehoben.

Eine Bergung braucht Fingerspitzengefühl, vor allem, wenn zwei Krane beteiligt sind. Der Auflieger ist von der Zugmaschine getrennt und wird angehoben. Foto: Klempow

Der Lkw war am Montag auf der B495 verunglückt. Einen Tag später soll der 40-Tonner geborgen werden. Ein Job, der Fingerspitzengefühl braucht. Die Zeit drängt.

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Von Grit Klempow
Mittwoch, 27.05.2026, 05:40 Uhr

Wischhafen. Ab Dienstagvormittag ist die viel befahrene B495 zwischen Wischhafen und Hemmoor voll gesperrt. Vom Abzweig in Neuland bis Höhe Fasanenweg. Etwa auf halber Strecke muss der am Montag verunglückte Tanklaster geborgen werden. Ein Vorhaben mit Tücken.

Lkw rollt die Böschung herunter

An der Unglücksstelle fehlt auf etwa 20 Metern die Leitplanke. Der Tanklastzug war nach rechts durch die Abgrenzung gebrochen, hatte sich überschlagen und war die Böschung regelrecht heruntergerollt. Auf dem Fahrradweg blieb der 40-Tonner liegen.

Der Fahrer kam glimpflich davon. Er sei von einem Motorrad überholt worden und habe sich durch das plötzliche und laute Motorgeräusch erschreckt, hatte er laut Polizei als Ursache angegeben. Jetzt geht es darum, den mit Bitumen beladenen Tanklaster wieder auf die Straße zu holen. Die Bergung gestaltet sich schwierig.

Zwei Krane auf der Straße

Vor Ort sind zwei Bergungsunternehmen mit jeweils einem 80-Tonnen-Kran. Auch zusammen können sie den verunglückten Lkw nicht mal eben anheben. Zumindest, so lange er voll beladen ist. Etwa sieben Tonnen der Bitumen-Ladung konnten bereits abgepumpt werden. Aber das reicht nicht, um das Gewicht so zu reduzieren, dass der Tanklaster wieder auf die Räder und vor allem zurück auf die Straße kommt.

Der Lkw ist schon fast wieder auf der Straße.

Der Lkw ist schon fast wieder auf der Straße. Foto: Klempow

Jede Bergung ist ein Fall für sich, sagt einer, der als Fachmann für Tankzüge und Bitumentransport vor Ort ist. Neun Tanklaster mit Bitumen und sieben mit Gas hat er schon als Berater wieder mit auf die Straße geholt. Aber jeder Unfall, jedes Fahrzeug, jede Ladung und die Lage seien eben unterschiedlich, sagt er. Namen und Firmen werden in solchen Fällen nicht gern genannt.

Bundesstraße trägt kein schweres Equipment

Drei Probleme machen diese Bergung bei Neuland besonders: Ein 400-Tonnen-Kran, der den Lkw „mal eben“ heben könnte, kann nicht eingesetzt werden. Den trägt die Bundesstraße nicht, die ohnehin auf einem Damm verläuft und bereits seit längerem in eher schlechtem Zustand ist. „Größeres Equipment gibt die Straße nicht her“, heißt es vor Ort.

Der Damm und die besonders tiefe Lage des Tanklasters unten auf dem Radweg schränken durch den Winkel die eigentliche Hubkraft der zwei Krane stark ein. Drittes Problem ist die Ladung.

Bitumen muss abgepumpt werden

Der Tank ist im Inneren intakt. Nur die äußere Hülle ist schwer beschädigt. Aber ob das 150 Grad Celsius heiße Bitumen nach all den Stunden seit dem Unfall noch flüssig genug ist, ist auch eine Frage der Zeit. So lange es noch flüssig ist, kann es abgepumpt werden. Ist es das nicht, werden sich größere Bergungsprobleme auftun.

Der Mitarbeiter des Kreis-Umweltamtes ist gelassen. Ihm ist Bitumen sowieso lieber als Heizöl oder Diesel. Und Ölsperren hat die Feuerwehr bereits am Vortag ausgelegt, um einer Gewässergefährdung vorzubeugen.

Wettlauf gegen die Zeit

Jetzt geht es deshalb erstmal darum, den glänzenden Tank so zu drehen und zu kippen, dass die Ladung noch abgepumpt werden kann. Ein zweiter Tanklaster steht dafür bereit. „Es ist auch ein Wettlauf gegen die Zeit“, sagt der Fachmann. Ist die Ladung auf 110 Grad abgekühlt, wird die Masse zu zäh zum Abpumpen.

Zugmaschine und Auflieger sind bereits getrennt. Obwohl der Lkw fürs Abpumpen noch ungünstig liegt - die sogenannte Klaue, die Sattelkupplung und Königszapfen umschließt, konnte wenigstens gelöst werden.

Kranführer müssen Hand in Hand arbeiten

Drehen, sichern, pumpen ist der Plan. Dafür müssen sich beide Kranführer gut abstimmen. In mehreren Schritten werden die massiven Karabiner immer wieder am Laster umgesetzt.

Am Haken: Mit schwerem Gerät rückten die Bergungsunternehmen an.

Am Haken: Mit schwerem Gerät rückten die Bergungsunternehmen an. Foto: Klempow

Diese Haken an den Ketten sind so groß, dass sie nur mit zwei Händen und vollem Bizeps-Einsatz rangiert werden können. Die Tragegurte sind etwa einen halben Meter breit. Ein Kran sichert und hält fest, der andere bewegt den Tank. Dann sichert der zweite, der erste hebt weiter. „Mit zwei Fingern kann man viel kaputt machen“, sagt einer der Kranführer, die Hände am Joystick in der Kabine.

Auflieger rollt die Böschung hoch

Meter für Meter kippt und rollt der glänzende Auflieger die Böschung wieder hinauf. Zumindest so weit, bis das Auslaufrohr am Tank frei liegt und Pumpe und Schlauch angeschlossen werden können. „Wir hoffen, dass das Bitumen noch pumpfähig ist“, sagt der Experte.

Mit einem Gasbrenner muss die Pumpe vorgewärmt werden, damit das Bitumen fließen kann. Schließlich klappt es - mit jeder Minute wird der Tank leichter. Am Ende sind fast 20 Tonnen Ladung in den Ersatztransporter gepumpt - und die Krane können den Lkw nach etwa sechs Stunden zurück auf die Straße heben.

Aufbauen, messen, sondieren, fühlen, anheben - das gehört zu einer Bergung, aber jede ist anders. „Aber am Ende klappt es immer“, sagt einer. Nach rund acht Stunden sind Bergung und Vollsperrung beendet.

Ein verunglücktes Spezialfahrzeug wie der Tanklaster kostet rund 300.000 Euro. Zeugen, die den Unfall beobachtet haben, können sich mit der Polizeidirektion Stade in Verbindung setzen (04141/1020).

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