TTiny-House-Siedlung in Gräpel: Wohnen im Grünen auf 45 Quadratmetern
Rudolf Mundt hält den Plan der Pueblo-Wohngemeinschaft in der Hand. Auf seinem Grundstück ist Platz für sechzehn Kleinhäuser. Foto: Klempow
Wenn Rudi Mundt auf das unbebaute Grundstück in Gräpel guckt, sieht er eine Tiny-House-Siedlung. Das Projekt ist schon konkret - und es steckt eine verbindende Idee dahinter.
Gräpel. Fünf Jahre stecken in den Papieren und Plänen vor ihm. So lange ist es her, dass Rudolf Mundt aus Gräpel die ersten offiziellen Schritte unternommen hat. Seine Idee: Auf der Weide, die zwischen seinem Haus und der nächsten Straße liegt, sollen Tiny-Houses gebaut werden.
T Staderin erfüllt sich Traum vom Tiny House in Düdenbüttel
Eine kleine Siedlung für Menschen, die ihren Wohnraum verkleinern wollen. Die gerne für sich sind und trotzdem eine Gemeinschaft suchen. Inzwischen ist das Projekt weit gediehen. Und Rudi Mundt hat einiges dazu gelernt - über Genossenschaftsrecht zum Beispiel. Aber auch, dass der Begriff Tiny-Houses bei Banken nicht gern gehört wird.
Das Tiny-House als Kleinhaus in Gräpel
Tiny bedeutet im Englischen „winzig“. Ein Wort, das sich auf die Wohnfläche bezieht. Mitunter wird den Tiny-Houses gleich eine Mobilität unterstellt - aber so sind die Gräpeler Häuser nicht geplant. Mundt und seine Partner sprechen deshalb von „Kleinhaus“.

Grundriss eines Kleinhauses: Der Wohnbereich unten, die Küchen oben rechts, daneben das Bad und links ein Schlafzimmer. Daneben wäre noch ein Büro möglich. Foto: Pueblo Wohngemeinschaft
„Sie sind fest installiert“, sagt Mundt, gebaut nach neuestem Kfw-Standard 55 mit Dreifachverglasung und 20 Zentimeter Außendämmung. Auf 45 Quadratmetern Wohnfläche gibt es dennoch eine Küche, Wohnzimmer, Bad, ein Schlafzimmer und ein Büro.
Platz für ein Gemeinschaftshaus
Sechzehn dieser Häuschen haben als Halbrund angeordnet Platz auf dem Grundstück. Sie sollen hinter dem Herzstück am Eingang gebaut werden. Das Gemeinschaftshaus hat einen großen Aufenthaltsraum samt Küche und bietet Platz für Gesellschaft, vielleicht für Spieleabende oder gemeinsames Kochen. „Das war mir von Anfang an wichtig“, sagt Mundt. Jeder darf für sich sein, aber keiner muss allein sein.

Rudolf Mundt hält den Plan der Pueblo-Wohngemeinschaft in der Hand. Auf seinem Grundstück ist Platz für 16 Kleinhäuser. Foto: Klempow
Im Obergeschoss des Gemeinschaftshauses sind drei Gästezimmer geplant, damit die Hausbewohner auch Übernachtungsmöglichkeiten für Besuch anbieten können. Platz braucht auch der kleine Technikraum im Erdgeschoss. Dort laufen sämtliche Anschlüsse der Häuser über eine Ringleitung zusammen. „Das spart Anschlusskosten und monatliche Grundgebühren für die einzelnen Häuser“, so Mundt.
Kleine Genossenschaft ist die Grundlage
Wer ein Haus in der Siedlung kauft, kauft auch einen Anteil des Gemeinschaftshauses mit. Denn geplant ist die „Pueblo Wohngemeinschaft“ als Genossenschaft. Die Satzung dazu ist so gut wie fertig.
Begonnen hatte Mundt sein Projekt „als Einzelkämpfer“. Vor zwei Jahren aber musste er umplanen - bei gestiegenen Preisen war das Projekt nicht mehr allein zu stemmen. Der Gräpeler Bauingenieur suchte nach neuen Möglichkeiten. Mit dem Immobilienfachwirt Uwe Lohmann und dem Rechtsanwalt Oliver Kettner war das Trio für die Gründung einer Genossenschaft komplett.
Interessenten von Buxtehude bis Kranenburg
Die Idee dahinter: Die kleine Genossenschaft hat höchstens 20 Mitglieder, davon zwei Vorstände und ein Bevollmächtigter, der die Interessen der Mitglieder gegenüber dem Vorstand vertritt. Bei 16 geplanten Häusern ist somit jeder Eigentümer vertreten. Entscheidungen werden mit einfacher Mehrheit getroffen. Damit soll die Genossenschaft handlungsfähig bleiben.

So sollen die 16 Kleinwohnhäuser angeordnet werden. Das blaue Gebäude vorne ist das zweigeschossige Gemeinschaftshaus. Foto: Klempow
Interessenten gäbe es, sagt Mundt. Aus umliegenden Orten wie Oldendorf oder Kranenburg, aber auch aus Bützfleth oder Buxtehude kommen die Anfragen nach einem Kleinhaus im Grünen. Sobald die Baugenehmigung vorliegt, soll das erste Haus vom Typ „Sofia“ gebaut werden. „Noch in diesem Jahr“, hofft Mundt.
KfW-Kredite als Anreiz zum Verkleinern
Für jedes Grundstück wird ein eigenes Grundbuchblatt gefertigt. Wer das Haus selbst bewohnt, kann auch eine KfW-Finanzierung in Anspruch nehmen. Die soll ein Anreiz für Ältere sein, ihr viel zu großes Haus zu verkaufen und damit für den Wohnungsmarkt zur Verfügung zu stellen.
Nach Berechnungen der Genossenschaftsgründer kann ein Gräpeler Sofia-Haus durch die niedrigen KfW-Zinsen wie eine Spardose fungieren. Mundt schätzt, dass mit 750 Euro monatlich der KfW-Abtrag sowie alle Gebühren gedeckt sind - Energie für Wärme und Strom inklusive.
Häuser können auch vermietet werden
Etwa 150.000 Euro soll ein Häuschen kosten. Ein barrierefreier Zugang oder eine Terrasse können eingeplant werden. Ein Pkw-Stellplatz gehört dazu. „Aber wir haben auch den Bürgerbus, der stündlich um die Ecke abfährt“, sagt Mundt.
Wer ein Haus kauft, kauft auch Genossenschaftsanteile. Die Genossenschaft ist verpflichtet, Eigenkapital zu bilden, um im Notfall handlungsfähig zu sein. Sie unterhält das Gemeinschaftshaus und würde bei Aufgaben wie der Gartenpflege einspringen, wenn ein Bewohner mal nicht mehr so kann. Das Wohnen ist keine Pflicht, die Häuser können auch vermietet werden.
Als Rudi Mundt vor fünf Jahren sein Projekt im Gemeinderat zum ersten Mal vorstellte, hatte er die Idee des selbstbestimmten, zeitweilig gemeinsamen Zusammenlebens schon im Kopf. Dass daraus eine Genossenschaftsgründung werden würde, wusste er noch nicht.
Nun hat die Pueblo Wohngemeinschaft gleich zwei Projekte vor. Das in Gräpel und eines in Gyhum. Beide sollen bezahlbaren Wohnraum und ein selbstbestimmtes Leben im Alter möglich machen. Wer Details wisssen will, kann sich per WhatsApp an Mundt wenden: 0160/ 8460709.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.